Stand: 25.09.2017 01:48 Uhr

Niedersachsen-Ergebnis: CDU und SPD verlieren

Das vorläufige amtliche Endergebnis für die Bundestagswahl in Niedersachsen liegt vor: Demnach hat die CDU bei der Wahl zum 19. Deutschen Bundestag auch landesweit die meisten Stimmen erhalten - obwohl sie herbe Verluste einstecken musste. Mit 34,9 Prozent erreichte die Partei 6,1 Prozentpunkte weniger als bei der letzten Wahl 2013. Die SPD kommt landesweit auf 27,4 Prozent (5,6 Prozentpunkte weniger als 2013) - und landet damit in einem historischen Tief. Die FDP erhält 9,3 Prozent der niedersächsischen Wählerstimmen (plus 5,1), die Grünen kommen auf 8,7 Prozent (minus 0,1), die AfD auf 9,1 (plus 5,4) und Die Linke auf 6,9 Prozent (plus 1,9). Niedersachsenweit lag die Wahlbeteiligung bei 76,4 Prozent und damit drei Prozentpunkte höher als 2013. Bei den Direktmandaten hat die SPD der CDU gegenüber 2013 einen Wahlkreis abgenommen. In den 30 Wahlkreisen Niedersachsens zeichnet sich eine Dominanz der CDU ab.

Direktmandate aus den niedersächsischen Wahlkreisen

SPD und CDU wollen am 15. Oktober besser als im Bund abschneiden

Welche Aussagekraft die Ergebnisse für die vorgezogene Landtagswahl in drei Wochen besitzen, haben die Vorsitzenden der bislang im Landtag vertretenen Parteien am Abend im NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen diskutiert. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) wollte aus dem Ergebnis im Bund keine Rückschlüsse auf die anstehende Landtagswahl zulassen: "Bei der Landtagswahl ist das Rennen offen. In drei Wochen werden wir uns unter anderen Bedingungen wiedersehen." CDU-Spitzenkandidat Althusmann zeigte sich optimistisch, was seine Chancen auf einen Sieg bei der Wahl am 15. Oktober angeht: "Man hätte sich sicherlich ein bisschen mehr Rückenwind erhofft, aber es ist ja keineswegs ausgeschlossen, dass wir in den nächsten Wochen noch ein bisschen zulegen können", sagte Althusmann. "Ich bin mutig und entschlossen." Eine mögliche Koalition mit den niedersächsischen Grünen beurteilte er verhalten: "Man soll nie nie sagen. Aber mit den Grünen, die einen starken Linksruck hinter sich haben, würde das sehr schwer werden."

AfD, FDP und Grüne freuen sich über starkes Ergebnis

Der Landesvorsitzende der AfD, Armin Paul Hampel, begrüßte das gute Abschneiden seiner Partei auf Bundesebene: "Wir hoffen natürlich, dass der Schwung von Berlin sich nach Hannover fortsetzt und wir auch da gut abschneiden." Auch der FDP-Vorsitzende Stefan Birkner verwies auf den Rückenwind aus Berlin. "Wir wollen das jetzt auf Niedersachsen übertragen", sagte Birkner. Ein mögliches "Jamaika"-Bündnis aus CDU, FDP und Grünen beurteilte Birkner skeptisch: "Ich sehe da keinen Raum." Der Weg zwischen FDP und Grünen sei aus Sicht des Liberalen "sehr, sehr weit". Eine Koalition mit Grünen und SPD schließt Birkner ohnehin aus. Auch die Grünen-Vorsitzende Meta Janssen-Kucz äußerte sich pessimistisch zu einer "Jamaika"-Koalition - allerdings aus anderen Gründen: "Ich sehe kaum Schnittmengen zwischen Grünen und CDU."

SPD will Opposition im Bundestag anführen

Führende Sozialdemokraten kündigten unmittelbar nach Bekanntgabe der Zahlen an, dass die Partei in die Opposition gehen werde. "Für uns endet heute die Große Koalition", sagte die stellvertretende SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig im ZDF. Darüber bestehe Einigkeit in der Parteiführung. Diese Einschätzung bekräftigte der Fraktionsvorsitzende, Thomas Oppermann, in der ARD. Er kenne niemanden in der Partei, der nach dem Ergebnis die Große Koalition fortsetzen wolle, sagte Oppermann. "Ich halte es für wichtig, dass die Oppositionsführung nicht Rechtspopulisten überlassen wird", sagte der SPD-Landesvorsitzende und Ministerpräsident Stephan Weil. "Ich möchte Herrn Gauland nicht als den Oppositionsführer in Deutschland sehen."

Jamaika: Janssen-Kucz sieht hohe Hürden, Birkner ist offen

Niedersachsens Grünen-Landeschefin Meta Janssen-Kucz sieht hohe Hürden für die Bildung einer Koalition mit FDP und Union auf Bundesebene. "Ein Großteil der Politik von CDU und FDP steht unseren Kernanliegen diametral entgegen", sagte die Landeschefin in einer ersten Reaktion. Niedersachsens FDP-Chef Stefan Birkner zeigte sich offen für Gespräche mit Union und FDP über eine Koalition auf Bundesebene. "Der Ball liegt jetzt bei der Union", sagte Birkner. "Wenn solche Gespräche initiiert werden würden, meine ich, dass man sich zumindest einer Sondierung nicht verweigern kann." Hannovers SPD-Chef Alptekin Kirci äußerte sich indes kritisch zur Zukunft prominenter Sozialdemokraten aus Niedersachsen: "Thomas Oppermann und Sigmar Gabriel müssen sich schon fragen, welche Rolle sie zukünftig übernehmen wollen." Der neu gewählte Bundestag muss bis zum 24. Oktober erstmals zusammentreten. Bis zur Wahl einer Kanzlerin oder eines Kanzlers und der Ernennung der Bundesminister bleibt die bisherige Regierung im Amt.

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Hallo Niedersachsen | 24.09.2017 | 19:30 Uhr

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