Stand: 11.09.2017 17:45 Uhr

Google und Facebook als Wahlhelfer

von Sebastian Meineck

Am 24. September ist Bundestagswahl. Im Netz gibt es jede Menge Angebote, die Wählern bei der Orientierung helfen. Zu den bekanntesten gehört der Wahl-O-Mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Nun mischen auch Google und Facebook mit.

Auf Facebook können User die Positionen der Parteien zur Bundestagswahl vergleichen. (Screenshot)

Auf Facebook können Nutzer die Positionen der großen Parteien vergleichen. Dafür haben die Regierungsparteien sowie Grüne, Linke, FDP und AfD eigene Statements verfasst. Zu durchstöbern sind 20 Themen wie Bildung, Migration oder Digitalisierung.

Einige Positionen sind eher schwammig. An anderen Stellen lassen sich die Unterschiede der Parteien gut ablesen. Zum Thema Verteidigung fordert die FDP beispielsweise eine "besser ausgerüstete Bundeswehr", während die Linke klar sagt: "Auslandseinsätze beenden".

Eine eigene Website gibt es für den Positionsvergleich derzeit nicht. Nutzer müssen ihn auf Facebook in ihrem Newsfeed suchen. Wie Facebook auf seinem Blog erklärt, erscheint die Infobox, wenn Nutzer auf einen politischen Artikel in ihrem Newsfeed klicken.

Facebook kann politische Interessen auswerten

Beim Positionsvergleich der Parteien ist zu bedenken, dass Facebook grundsätzlich Daten sammeln und auswerten darf - beispielsweise wo Nutzer hinklicken, wann sie sich etwas genau anschauen und wann sie weiterscrollen.

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Auf dieser Google-Seite können Nutzer - mit ihrer Postleitzahl - nach den Kandidaten in ihrem Wahlkreis suchen. (Screenshot)

Entsprechend könnte Facebook auch erfassen, zu welchen Parteien Nutzer am meisten wissen wollen und welche Standpunkte sie interessieren. Daran lassen sich detaillierte politische Interessen ablesen. Auf Nachfrage von NDR Info teilte eine Facebook-Sprecherin mit, dass erfasste Daten beim Positionsvergleich aber nicht mit den Profilen der Nutzer verknüpft würden. Die Daten sind demnach anonym.

Aber auch mit anonymisierten Daten lässt sich Marktforschung betreiben. Auch solche Daten könnten helfen, auf Zielgruppen zugeschnittene Werbung zu schalten - zum Beispiel mit politischen Botschaften. Parteien können schon heute Wahlwerbung nur an bestimmte Nutzer ausspielen. Diese sogenannten Dark Ads werden nicht für die breite Öffentlichkeit sichtbar und entziehen sich der politischen Debatte.

Wer sich unsicher ist, ob er den Positionsvergleich auf Facebook lieber nicht anklicken sollte, kann sich zum Beispiel fragen: Würde ich für Facebook auch einen anonymen Fragebogen ausfüllen, in dem ich meine politischen Vorlieben offenlege? Wer das lieber nicht tun würde, sollte eher auf andere Info-Angebote wie den Wahl-O-Mat oder das Wahl-Navi ausweichen.

Suchtrends zur Bundestagswahl

Google hat sich ebenso für die Bundestagswahl gerüstet und bietet ein Werkzeug, das über die Politiker in den Wahlkreisen informiert. Auf einer eigens eingerichteten Seite können Nutzer ihre Postleitzahl eingeben und bekommen ihre Kandidaten in einer Übersicht präsentiert.

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Welche Begriffe werden im Zusammenhang mit den Kandidaten zur Bundestagswahl am häufigsten gesucht? Die Google-Seite "2q17.de" gibt Antworten. (Screenshot)

Unterhaltsam ist das Google-Werkzeug "2q17", in dem die häufigsten Suchanfragen zur Bundestagswahl tagesaktuell aufbereitet werden. Aufgelistet sind zum Beispiel die häufigsten Suchbegriffe in Verbindung mit Spitzenkandidaten. In die Höhe geschnellt ist die Anzahl der Suchanfragen natürlich zum TV-Duell zwischen Angela Merkel und Martin Schulz am 3. September.

Wahlwerbung auf Google

Eher ungewöhnlich ist dagegen ein anderes Info-Angebot von Google. Wer den Namen eines Politikers zur Bundestagswahl sucht, sieht auf Seite eins der Suchergebnisse eine Infobox mit dessen Standpunkten. Die Standpunkte haben die Politiker extra für Google verfasst. Journalistisch aufgearbeitet und überprüft wurden sie nicht.

SPD-Kandidat Martin Schulz fordert zum Beispiel "mehr Gerechtigkeit“, Kanzlerin Angela Merkel will "Wohlstand sichern und ausbauen". AfD-Spitzenkandidat Alexander Gauland spricht von der "Sicherung der Grenzen".

Google verhält sich hier nicht als möglichst neutrale Suchmaschine, sondern mischt sich aktiv in den Wahlkampf ein. Normalerweise müssen Politiker mit den Google-Algorithmen ringen, um ihre Websites auf der ersten Seite der Suchergebnisse zu platzieren. Oder sie müssen kostenpflichtige Anzeigen schalten.

In diesem Fall gibt Google Politikern eine kostenlose Plattform für ihre Botschaften. Nutzer sollten beachten, dass Google in diesem Fall sein Info-Angebot mit Wahlwerbung vermischt. Ein eher sonderbares Verhalten für eine Suchmaschine - das zunächst eine Ausnahme bleibt. Google zufolge sollen die selbst verfassten Standpunkte der Politiker nach der Bundestagswahl wieder verschwinden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Netzwelt | 07.09.2017 | 08:08 Uhr

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