Stand: 25.09.2017 00:00 Uhr

Folgen des Politik-Bebens sind noch unabsehbar

Nach der Bundestagswahl steht fest, dass künftig sechs Fraktionen im Parlament vertreten sein werden - viel mehr allerdings noch nicht. Die SPD lehnt den erneuten Gang in die Große Koalition ab, sie will in die Opposition. Damit kommt als Regierungsbündnis nur eine "Jamaika"-Koalition von Union, FDP und Grünen infrage. Drittstärkste Kraft im neuen Parlament ist die AfD.

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Angela Merkel geht schwer angeschlagen in ihre vierte Amtszeit, schreibt Claudia Spiewak im Kommentar.

Es ist der Morgen nach einem politischen Beben, dessen Langzeitfolgen noch nicht absehbar sind. Die beiden ehemals großen Volksparteien haben dramatisch an Rückhalt verloren. Die AfD ist drittstärkste Kraft im neuen Bundestag. Eine Partei, in der Rechtsextreme und Rassisten zunehmend den Ton angeben.

Nach dem Schock folgt die Ursachensuche

Nach dem Schock beginnt jetzt die Suche nach den Ursachen. Klar ist, dass die Wählerinnen und Wähler der AfD vor allem von der Flüchtlingspolitik der Großen Koalition enttäuscht waren. Die Kanzlerin habe die Sorgen der Menschen vernachlässigt, das ist das am häufigsten genannte Wahlmotiv.

SPD muss auf harten Schlag richtig reagieren

Die Sozialdemokraten hat es am Sonntag am härtesten getroffen. Dass Martin Schulz schon kurz nach 18 Uhr das Ende der Großen Koalition und den Gang in die Opposition ankündigte, war richtig. Er hat die Partei in die größte Niederlage der Nachkriegsgeschichte geführt und will offenbar dennoch Vorsitzender bleiben.

Mag sein, dass die SPD ihm folgt. Denn jetzt reicht es nicht, erneut das Spitzenpersonal auszuwechseln. Die Partei hat ein tiefgreifendes Problem. Mit ihrem Kernversprechen "Mehr soziale Gerechtigkeit" punktet sie nicht mehr. 

Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels?

Jetzt also noch einmal Angela Merkel. Sie geht schwer angeschlagen in ihre vierte Amtszeit. Nie waren die Verluste der Union größer als bei dieser Wahl, die auf Sicht den Anfang vom Ende der Kanzlerschaft Merkels markieren könnte.

Doch zunächst hat sie den Auftrag erhalten, ein neues Regierungsbündnis zu schmieden, eines, das den Geruch der Niederlage vergessen macht und Aufbruch signalisiert. Das wird schwer werden. Denn "Jamaika", eine Koalition mit Liberalen und Grünen, ist die einzige Option.

FDP und Grüne werden Forderungen stellen

Am Verhandlungstisch sitzen mit den Liberalen die zweiten Gewinner dieser Wahl. Christian Lindner hat die FDP nahezu im Alleingang zweistellig zurück in den Bundestag katapultiert. Er wird mit harten Forderungen in die Koalitionsgespräche gehen. Genauso wie die Grünen, die gegen alle Erwartungen zulegen konnten. 

Und dann sitzt da noch Horst Seehofer, auch er ein Wahlverlierer, der die Landtagswahlen im nächsten Herbst fürchtet und deshalb erneut auf Konfrontationskurs zur Schwesterpartei gehen wird. Ein Bündnis insbesondere mit den Grünen bringt ihn an den Rand des politisch Machbaren.

Schwere Zeiten für die Kanzlerin

Schwere Zeiten also für die Kanzlerin, die jetzt unter massivem Druck steht. Ihr muss es gelingen, mit den ungleichen Partnern eine Koalition zu bilden, die sich nicht in internen Streitereien verzettelt, sondern die großen Zukunftsaufgaben anpackt.

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NDR Info | Kommentare | 25.09.2017 | 07:08 Uhr

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