Stand: 08.09.2017 12:50 Uhr

Werften behaupten sich in schwerer See

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ThyssenKrupp Marine Systems hat erst Anfang September angekündigt, seinen Standort Emden - die ehemaligen Nordseewerke - zu schließen.

Trotz eines Personalabbaus in einzelnen Unternehmen ist die Gesamtzahl der Beschäftigten auf den Werften in Norddeutschland in den zurückliegenden zwölf Monaten nur leicht gesunken - von 15.885 im Vorjahr auf jetzt 15.795. Diese Zahlen nannte die IG Metall Küste am Freitag.

460 neue Jobs im kommenden Jahr

Positiv habe sich die Beschäftigung in Mecklenburg-Vorpommern und Niedersachsen entwickelt, negativ hingegen in Hamburg, Bremen und Schleswig-Holstein. Für das nächste Jahr erwarten die Betriebsräte der 38 erfassten Werften den Aufbau von mehr als 460 Arbeitsplätzen. Die Perspektiven hätten sich deutlich aufgehellt, sagte Thorsten Ludwig von der Agentur für Struktur- und Personalentwicklung, der Autor der Studie: "Der deutsche Schiffbau behauptet sich in den unruhigen Gewässern des Weltschiffbaus."

Wieder mehr Kurzarbeit

"Für Arbeit auf den Werften sorgen weiterhin Kreuzfahrtschiffe, Yachten und Fähren sowie der Marineschiffbau", sagte Meinhard Geiken, Bezirksleiter der IG Metall Küste. Um eine langfristige Auslastung zu sichern, seien allerdings mehr Aufträge nötig. "Mit 16 Aufträgen im zivilen Bereich innerhalb der vergangenen zwölf Monate ist ein neuer Tiefstand erreicht", hält Geiken fest. Deshalb werde Kurzarbeit wieder deutlich häufiger genutzt als in den Vorjahren. Insgesamt aber würden derzeit auf den deutschen Werften so wenig Leiharbeiter wie lange nicht mehr beschäftigt. Und: Mehr als 90 Prozent der Auszubildenden werde anschließend auch übernommen.

Kritik an Standort-Schließung Emden

Die Gewerkschaft warnt zugleich jedoch vor einem Verlust von Know-how in der Konstruktion und Entwicklung von Schiffen. Der Anteil der Beschäftigten im Ingenieursbereich gehe zurück. "Die Unternehmen verlieren dadurch ihre Kernkompetenzen", sagte Geiken. "Besonders drastisch zeigt sich das an der von ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS) angekündigten Schließung des Standortes Emden, an dem überwiegend Ingenieure arbeiten." Die IG Metall Küste kritisiert, dass die Geschäftsführung sich einer Diskussion über Alternativen zur Schließung verweigere.

Werftengruppen gewinnen an Bedeutung

Nach Einschätzung der Gewerkschaft gewinnen die Werftengruppen weiter an Bedeutung. In den fünf größten Konzernen - TKMS, Meyer, Genting/MV Werften, Lürssen und German Naval Yards - arbeiten mehr als 80 Prozent der Beschäftigten. Die meisten Werften gehören zur Lürssen-Gruppe aus Bremen. Sie hat Standorte in allen norddeutschen Bundesländern.

Insgesamt arbeiten nach Angaben der IG Metall in der maritimen Wirtschaft 88.000 Menschen. Darin eingerechnet sind auch die Leiharbeiter und Werkvertragsbeschäftigten auf den Werften sowie die Beschäftigten bei Zulieferern.

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