Stand: 23.11.2015 11:00 Uhr

Verzögert sich die Elbvertiefung nochmals?

Die von Hamburg ersehnte neunte Elbvertiefung liegt zurzeit auf Eis. Eine Reihe von Umweltverbänden hat beim Bundesverwaltungsgericht gegen das Projekt geklagt. Die Richter prüfen, ob die Planungen der Stadt und des Bundes die Vorgaben einer EU-Richtlinie zum Schutz von Gewässern ausreichend berücksichtigen. Nun zeigt die Dokumentation "Die Elbvertiefung: Was riskieren wir?", dass die Planer der Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes und der Hamburger Wirtschaftsbehörde eine vom Aussterben bedrohte Vogelart nicht beachtet haben.

Mit Schilf bewachsenes Elbufer, an dem sich Wellen brechen. Im Hintergrund ist Hamburg zu sehen. © NDR

Elbvertiefung: Was riskieren wir?

45 Min -

Hamburg will die neunte Elbvertiefung. Die Planer sagen, das gehe ohne Belastungen für die Natur. Jetzt zeigt sich aber, dass sie wichtige Umweltaspekte nicht beachtet haben.

3,98 bei 42 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Download

Vogelkundler zeigt sich entsetzt

Nach Recherchen des NDR ist der Lebensraum der bedeutendsten Fluss- Seeschwalbenkolonie Europas am Neufelderkoog an der Elbmündung gefährdet. Unter den dort lebenden Vögeln befindet sich auch die vom Aussterben bedrohte Lachseeschwalbe. "Die 36 Brutpaare auf dem Neufelderkoog sind quasi die letzten ihrer Art in Mitteleuropa", erklärt der Ornithologe Dr. Markus Risch. "Ich bin entsetzt, dass bei diesen sehr teuren Planungen eine so banale Tatsache nicht untersucht worden ist. Die Befürchtung ist, dass die Ernährung so stark erschwert wird, dass die Flussseeschwalbenkolonie in dieser Form nicht mehr existieren kann", erklärt Ornithologe Dr. Veit Hennig.

Ökologische Unbedenklichkeit der Elbvertiefung hinfällig?

Videos
01:03 min

Nahrungsquelle der Schwalben gefährdet

23.11.2015 22:00 Uhr
45 Min

Das Versanden eines Prielsystems droht. Der Biologe Veit Hennig erklärt, welche Auswirkungen die Deponie in der Medemrinne für die Vogelkolonie am Neufelderkoog hätte. Video (01:03 min)

Im Kern geht es um die sogenannte Medemrinne - eine Vertiefung in der Elbmündung neben der eigentlichen Fahrrinne. Sie soll laut Planung mit mehr als zwölf Millionen Kubikmetern Baggergut verfüllt werden. Die Planer erhoffen sich dadurch, dass der Tidenhub nur um fünf Zentimeter ansteigt. Die Verfüllung der Medemrinne ist das zentrale Argument der Planer für die ökologische Unbedenklichkeit des Mammutprojekts. 45 Min zeigt nun erstmals, dass dieser Eingriff sich erheblich auf die Tier- und Pflanzenwelt auswirken würde, weil durch den Teilverschluss die Priele versanden könnten. Genau jene Priele, in denen kleine Stinte schwimmen. Sie sind die Hauptnahrungsquelle der Seeschwalbenkolonie am Neufelderkoog.

Die Gefährdung der Seevögel spielte im bisherigen Verfahren keine Rolle. Die für die Planung verantwortliche Wasser- und Schifffahrtsdirektion des Bundes wollte sich mit Verweis auf das laufende Verfahren nicht äußern. Den gegen die Elbvertiefung klagenden Umweltverbänden BUND, NABU und WWF war der aufgedeckte Zusammenhang nach eigener Aussage bislang nicht klar. Deren Rechtsanwalt Rüdiger Nebelsieck erklärte, er wolle diesen neuen Aspekt im Verfahren vor dem Bundesverwaltungsgericht einbringen.

Mehr zum Thema
mit Video

Elbvertiefung: Ist Unterwasser-Deponie nutzlos?

Wohin mit dem Baggergut der Elbvertiefung? Wie den Tidenanstieg beschränken? Eine Unterwasser-Deponie soll die Lösung sein. Das kann nicht funktionieren, sagt ein Experte. mehr

25 Bilder

Diese Tiere und Pflanzen an der Elbe sind bedroht

Acht Mal wurde Elbe bereits vertieft. Welche Folgen für die Lebensräume von Tieren und Pflanzen sind sichtbar? Welche Arten würde die neunte Elbvertiefung besonders gefährden? Bildergalerie

Dieses Thema im Programm:

45 Min | 23.11.2015 | 22:00 Uhr