Stand: 21.11.2010 09:58 Uhr

Unsere neuen wilden Nachbarn

von Florian Wöhrle

Wer einen Ausflug in die norddeutsche Natur unternimmt, kann unter Umständen Tiere entdecken, die er auf einem anderen Kontinent vermutet hatte: Da gibt es graubepelzte Nachttiere, menschengroße Vögel und sogar kleine Kängurus, die ihre neue Heimat im Norden Deutschlands gefunden haben. Für die neue Multi-Kulti-Gesellschaft im Tierreich ist größtenteils der Mensch verantwortlich, der beispielsweise durch Pelztierzucht oder freigelassene exotische Haustiere unfreiwillig für das Gründen neuer Populationen gesorgt hat.

Waschbär, Mink & Co.: Tierische Einwanderer

Die Folgen sind oft dramatisch für die Ökosysteme - und manchmal nicht aufzuhalten. So gilt das Trio der zugewanderten Allesfresser Waschbär, Marderhund und Mink in seiner Ausbreitung inzwischen als nicht mehr kontrollierbar. "Die Ausbreitung ist flächendeckend im Norden, und alle drei sind sehr schwer zu bejagen", sagt Christof Herrmann vom Landesamt für Umwelt- und Naturschutz Mecklenburg-Vorpommern. Da die Zuwanderer auch gern Nester plündern, sind insbesondere Vogelschützer durch die Ausbreitung der Pelztiere alarmiert.

Einige Zoologen bezweifeln allerdings, dass die neuen Nachbarn die bestehenden Ökosysteme in Norddeutschland nachhaltig beschädigen. Noch kein fremder Gast habe bisher ein heimisches Tier ausgerottet, sagt Professor Ragnar Kinzelbach von der Universität Rostock. "Freilaufende Hauskatzen dagegen richten allein in der Vogelwelt viel größere Schäden an."

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