Stand: 23.03.2017 18:36 Uhr

Tuberkulose bleibt einer der größten Killer

Bild vergrößern
Tuberkulose-Bakterien siedeln sich meist in der Lunge an. Die Krankheit verläuft sehr langsam und oft qualvoll.

In Deutschland ist die Krankheit, die einst als "Schwindsucht" gefürchtet war, nahezu in Vergessenheit geraten, doch sie ist noch immer eine der größten Bedrohungen weltweit: Etwa 5.000 Menschen sterben jeden Tag an Tuberkulose (TBC) - mehr als an AIDS und Malaria zusammen. Stark verbreitet ist die bakterielle Lungenkrankheit vor allem in ärmeren Ländern.

In Deutschland steigt die Zahl der Erkrankungen wieder

"Das Bakterium ist sehr ungleich in der Welt verteilt, aber es kommt auch in Deutschland vor", sagt Lena Fiebig, Infektionsforscherin am Robert-Koch-Institut (RKI) in Berlin. 2015 starben 105 Menschen in Deutschland nach einer TBC-Infektion, darunter ein Kleinkind. Die Krankheit gilt als typische Armutserkrankung.

Weitere Informationen
mit Audio

Gefährliche Erreger kennen keine Grenzen

Millionen Menschen leiden an Tuberkulose. Sorge bereitet Medizinern, dass vermehrt Erreger auftreten, bei denen kaum mehr Medikamente helfen. Betroffen ist auch ein Hamburger Student. mehr

In Deutschland waren die Infektionszahlen seit dem Zweiten Weltkrieg kontinuierlich zurückgegangen. 2012 erkrankten so wenige Menschen wie nie zuvor. Seitdem hat sich jedoch der Trend umgekehrt. 2016 verzeichnete das RKI exakt 5.915 Tuberkulose-Fälle, damit etwas mehr als 2015 und deutlich mehr als in den Jahren zuvor. In Großstädten wie Hamburg tritt die Krankheit häufiger auf als in ländlichen Regionen. Insgesamt erkranken in Norddeutschland derzeit pro Jahr etwa 1.000 Menschen an Tuberkulose.

Vor allem arme Menschen betroffen

"Es gibt einen Zusammenhang mit der aktuellen Zuwanderung, Migration ist aber nicht die Ursache von Tuberkulose", sagt Fiebig. Das Bakterium sei es. Tuberkulose habe zudem immer eine soziale Dimension, so Fiebig. Vor allem arme, schwache und sozial benachteiligte Menschen steckten sich mit dem Erreger an. Ursache sind oft schlechte hygienische Verhältnisse. In Deutschland erkranken besonders häufig Obdachlose, Menschen aus prekären Verhältnissen und auch Geflüchtete.

Junge Frau schaut in ein Mikroskop © Fotolia.com Fotograf: science photo

Tuberkulose auf dem Vormarsch

NDR Info -

Millionen Menschen leiden an Tuberkulose. Die NDR Info Perspektiven stellen eine Klinik in Schleswig-Holstein vor, die erfolgreich auch multiresistente Tuberkulose-Erkrankungen behandelt.

5 bei 2 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Eine Milliarde zusätzlich könnte viele Tote verhindern

Das zeigt zugleich, dass TBC eigentlich gut behandelbar ist - wenn die Krankheit frühzeitig erkannt wird und die richtigen Medikamente zur Verfügung stehen. "Die meisten Tuberkulose-Todesfälle wären vermeidbar", sagt Renate Bähr, Geschäftsführerin der Deutschen Stiftung Weltbevölkerung (DSW) in Hannover. Es müsse dafür aber mehr in die Forschung und Entwicklung von wirksamen Impfstoffen, verbesserten Diagnosetechniken und Medikamenten investiert werden. Nötig wäre dafür etwa eine Milliarde Euro zusätzlich pro Jahr.

Mehr resistente Tuberkulose-Erreger

Tuberkulose wird über Tröpfchen in der Atemluft übertragen, ist aber nicht hochansteckend. Zur Behandlung sind in der Regel vier Antibiotika gleichzeitig nötig. Eine Standardtherapie dauert sechs Monate und kostet etwa 1.000 Euro. Ein großes Problem ist jedoch, dass immer mehr Tuberkulose-Erreger multiresistent sind, also viele Medikamente nicht mehr wirken. Die Behandlung ist dann wesentlich komplizierter und teurer - bis zu mehreren Hunderttausend Euro pro Patient.

Im Jahr 2015 gab es weltweit etwa 580.000 Fälle von Erkrankungen mit multiresistenter Tuberkulose. Viele der Patienten sind daran gestorben, da für sie keine geeignete Behandlung zur Verfügung stand.

Weitere Informationen

Antibiotika-Resistenzen - die globale Gefahr

Antibiotika gelten als Wunderwaffe der Medizin. Doch sie wird stumpf - wegen zunehmender Resistenzen. Die Vereinten Nationen sprechen von der "größten globalen Gefahr". mehr

Grundschüler werden auf Tuberkulose untersucht

Weil ein Mitarbeiter einer Grundschule in Göttingen an Tuberkulose erkrankt ist, müssen 120 Schüler auf die Infektion untersucht werden. Dazu müssen sie eine Blutprobe abgeben. (17.01.2017) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 24.03.2017 | 06:00 Uhr

Mehr Nachrichten

02:45

Chanukka-Feier in Hannover

17.12.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:46

Streit um das Neustrelitzer Schlossareal

17.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:57

Heiligendamm: Die Perlenkette strahlt wieder

17.12.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin