Stand: 06.01.2017 14:58 Uhr

Sturmflut: Wie sehr hat die Küste gelitten?

Beschädigte Strände und Dünen, überschwemmte Straßen, Autos unter Wasser: Die Sturmflut hat an den Ostseeküsten von Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern mancherorts große Schäden angerichtet. Das Hochwasser traf insbesondere die Inseln Rügen und Usedom. Nach dem Abebben der Sturmflut zieht es viele Schaulustige an die betroffenen Küsten, es sind aber noch nicht alle Gefahrenstellen mit Warnschildern versehen. Vor einem Betreten von hohen Uferkanten, Kliffen und Steilküsten wird ausdrücklich gewarnt.

Um die Schäden im Nordosten genauer beurteilen zu können, starteten am Freitag speziell ausgestatte Flugzeuge, um die Küstenlinie zu vermessen. Erste Ergebnisse sollen in den nächsten Tage vorliegen, die genaue Auswertung der Daten wird den Angaben zufolge einige Wochen dauern.

Bis zu 25 Millionen Euro Soforthilfen

Am Freitagnachmittag einigten sich die Regierungsfraktionen von SPD und CDU in Mecklenburg-Vorpommern auf einen Hilfsfonds von rund 25 Millionen Euro. Die Gelder sollten vor allem zur Beseitigung der Flutschäden in der öffentlichen Infrastruktur verwendet werden, teilten die Fraktionen mit. Sie wollen in der nächsten Landttagssitzung einen entsprechenden Dringlichkeitsantrag einbringen. In Zempin auf Usedom kritisierten Anwohner, das Land hätte für den Hochwasserschutz nicht genug tun. Zu den Vorwürfen sagte Umweltminister Till Backhaus (SPD), die Küstenschutz-Anlagen der Insel seien so ausgebaut, dass sie einer schweren Sturmflut standhalten können.

Gemeinde auf Usedom kritisiert Küstenschutz

Auf Usedom führte die schwerste Sturmflut seit 2006 mit bis zu drei Meter hohen Wellen zu Steilküstenabbrüchen und Dünenabtragungen. In Zempin wurde ein Imbiss auf einem Steilufer von den Naturgewalten zerstört. Auf Rügen brachen die Dünen streckenweise in einer Tiefe von drei bis acht Metern ab - die berühmten Kreidefelsen blieben aber unversehrt. Die Ostsee-Städte von Flensburg über Lübeck, Wismar und Rostock bis Stralsund kamen trotz hoher Wasserstände von bis zu 1,83 Meter über Normal relativ glimpflich davon. Im Laufe des Donnerstagvormittags fielen die Pegelstände überall auf normales Niveau.

Sturm und Sturmflut: "Axel" tobt sich aus

Schleswig-Holstein: Pegelstände über 6,50 Meter

An vielen Orten in Schleswig-Holstein waren in der Nacht zum Donnerstag Pegelstände über 6,50 Meter gemessen worden. In Lübeck stand das Wasser bis zu 1,79 Meter höher als üblich. Dennoch verzeichnete die Stadt nach Angaben eines Sprechers kaum mehr Schäden als bei einem durchschnittlichen Hochwasser. "Einige Häuser im Bereich Obertrave waren betroffen, aber das ist typisch." Das Holstentor blieb gerade noch von Wassereinbruch verschont, ebenso die höher gelegene Altstadt. Der Einsatzstab war in der Nacht kurzfristig personell verstärkt worden, weil es vermehrt Notrufe gab. "Viele Leute hatten ihre Häuser nicht genügend gesichert, wir mussten mit Sandsäcken die Objekte schützen", sagte ein Feuerwehr-Sprecher.

Bis zu 1,5 Millionen Euro Schaden in Heiligenhafen

In Heiligenhafen schätzte Bürgermeister Heiko Müller bei einer Besichtigung den Schaden am Strand auf bis zu 1,5 Millionen Euro. Das Hochwasser hatte viel Sand abgetragen, der erst im vergangenen Jahr mit großem Aufwand aufgeschüttet worden war. Aber der seit 2006 ausgebaute Hochwasserschutz mit Mauern für die Strandbereiche und einer 800 Meter langen Spundwand für den Hafen habe sich bewährt. "Kein einziger Keller ist vollgelaufen, alles ist gut."

Ursache für die Sturmflut waren das Tief "Axel" und der derzeit generell hohe Füllungsgrad der Ostsee von etwa 30 bis 40 Zentimeter über Normal. Das Tief, das von Skandinavien über die zentrale Ostsee nach Russland zog, schob von der zentralen Ostsee einen "Wasserberg" an die südliche Ostseeküste.

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NDR Info | 05.01.2017 | 16:45 Uhr