Stand: 18.02.2017 21:31 Uhr

Scholz und Gabriel sticheln gegen Trump

Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) hat beim traditionellen Matthiae-Mahl am Freitagabend im Rathaus die Wertegemeinschaft mit Blick auf das Flüchtlingsproblem hervorgehoben: "Für viele Männer und Frauen auf der ganzen Welt sind Kanada und Deutschland heute Länder der Hoffnung", sagte er und betonte die Freundschaft zu Kanada. Der kanadische Premier Justin Trudeau kam in diesem Jahr als Ehrengast zu dem Festakt. Scholz erwähnte den US-amerikanischen Präsidenten Donald Trump in seiner Rede nicht, hatte aber trotzdem einen Seitenhieb für ihn parat: Einmal im Jahr erinnere die Tradition des Hamburger Gastmahls daran, dass vernünftige internationale Politik nicht darin bestehe, die eigene Nation "first" zu setzen. Sie sei vielmehr Freundschaftspflege, sagte Scholz. Trump propagiert den Slogan "America first".

Kanadas Premier Trudeau

Matthiae-Mahl: Seitenhiebe gegen Trump

Hamburg Journal -

Kanadas Premier Trudeau kam als Ehrengast zum traditionellen Matthiae-Mahl ins Hamburger Rathaus. Kleine Seitenhiebe in Richtung Trump blieben in seiner Rede nicht aus.

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Hamburgs Bürgermeister hatte Trudeau persönlich eingeladen. Kanada sei ein vertrauensvoller transatlantischer Partner, dessen Vorstellung von einer freiheitlichen und toleranten Gesellschaft man uneingeschränkt teile, so Scholz. Er bekannte sich auch zum Freihandelsabkommen Ceta mit Kanada und nannte das Land ein Vorbild für die liberalen und sozialen Kräfte auf der ganzen Welt.

Gabriel betont gemeinsame Werte

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) spielte beim Matthiae-Mahl indirekt auf das Verhältnis zur neuen US-Regierung an. Er sagte, Kanada sei ein Land, "mit dem wir alle Werte teilen". Das verbinde Deutschland mit Kanada: "Wir knien nicht vor anderen Mächten der Welt, aber wir reichen ihnen immer wieder die Hand zu Partnerschaft und Freundschaft." Er ergänzte, es sei nicht die Zeit, Mauern zu bauen, sondern Mauern abzubauen. Außerdem würdigte auch Gabriel die Verhandlungsbereitschaft der kanadischen Regierung beim Freihandelsabkommen Ceta: "Eure Geduld hat es möglich gemacht, dass wir ein gutes Abkommen verhandeln konnten."

Das älteste Festmahl der Welt

Trudeau fordert Aufmerksamkeit für Anliegen der Bevölkerung

Kanadas Premier rief vor den rund 400 geladenen Gästen aus Politik, Wirtschaft und Kultur beim Festakt dazu auf, den Anliegen der Bevölkerung mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Die Politiker müssten zuhören, um die Sorgen der Mittelklasse zu verstehen und danach handeln zu können, so Trudeau. Bürger quer durch das politische Spektrum seien auf der Suche nach Führung und Hoffnung. "Es liegt an uns, welche Art von Führung sie finden", sagte Trudeau. Das Volk brauche nicht Führer, die ihnen sagten, sie hätten ein Problem, sondern solche, mit denen sie gemeinsam Lösungen finden könnten.

Video
03:08

Matthiae-Mahl setzt Zeichen gegen Trump

17.02.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal

Das traditionelle Matthiae-Mahl will in diesem Jahr ein Zeichen gegen Trump setzen. Mit Spannung wurde in diesem Zusammenhang auch die Rede von Kanadas Premier Trudeau erwartet. Video (03:08 min)

Trudeau und Gabriel hatten sich zuvor ins Goldene Buch der Stadt Hamburg eingetragen. Kanadas Premier war am Nachmittag nach Hamburg gekommen. Davor hatte er in Berlin Gespräche mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) geführt, wo er erstmals offiziell zu Besuch war.

Scholz: "Kanada leistet seit vielen Jahren Vorbildliches"

Zu der Einladung Trudeaus hatte Bürgermeister Scholz im Vorwege gesagt: "Unsere Verfassung verpflichtet uns als Stadt darauf, im Geiste des Friedens eine Mittlerin zwischen allen Erdteilen und Völkern der Welt zu sein". Nie sei dieser Verfassungsauftrag aktueller als derzeit, und das jährliche Matthiae-Mahl sei ein wichtiger Bestandteil. Trudeau sei international eine der leidenschaftlichsten Stimmen für die liberale Demokratie, betonte Scholz. Der kanadische Regierungschef hatte etwa nach dem von Trump verhängten Einreisestopp für Muslime aus sieben Ländern demonstrativ Flüchtlinge in seinem Land willkommen geheißen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | 18.02.2017 | 07:00 Uhr

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