Stand: 07.07.2015 13:13 Uhr

Poststreik-Ende für Zusteller "wie Weihnachten"

Der wochenlange Streik bei der Deutschen Post ist seit der Nacht zu Dienstag vorbei. "Alle sind zur Arbeit erschienen", sagte Post-Sprecher Jens-Uwe Hogart über die Zusteller. "Sie bemühen sich, die liegen gebliebenen Sendungen und die aktuellen zeitnah auszutragen." Er gehe davon aus, dass die verspäteten Briefe und Pakete "in wenigen Tagen" zu ihren Empfängern gelangen.

Mit Aushilfen Rückstände aufholen

Den Post-Mitarbeiter stehen anstrengende Tage bevor. Bundesweit liegen Millionen Briefe und Pakete, die während des Arbeitskampfes nicht zugestellt wurden, in den Verteilzentren und Lagerräumen. Wie bei anderen saisonalen Spitzenbelastungen setzt das Unternehmen nach eigenen Angaben nun Aushilfen ein, um die Rückstände möglichst schnell aufzuholen. "Das ist quasi wie Weihnachten", sagte ein Sprecher in Berlin. Zusätzlich seien Paketbezirke verkleinert und die Laufzeiten der automatischen Sortiermaschinen verlängert worden.

"Es bleibt dem Kunden nur das Warten"

Bei den Postkunden ist weiter Geduld gefragt. Auch wichtige fristgebundene Sendungen wie etwa ein dringend benötigtes Zeugnis für eine Unizulassung könnten nicht vorrangig zugestellt werden, hatte Post-Sprecher Hogardt deutlich gemacht. "Wir können die Wichtigkeit der Sendungen ja nicht beurteilen. Es bleibt dem Kunden nur zu warten." An regionalen Streikschwerpunkten könne es länger als ein paar Tage dauern, bis alles nachgearbeitet worden sei. Neue und liegengebliebene Sendungen würden parallel bearbeitet. Sonderschichten für die Zustellung seien nicht geplant, sagte Hogardt.

Ver.di: Noch sechs Wochen warten

Die Gewerkschaft ver.di rechnet damit, dass es mindestens eine Woche dauert, bis die Brief- und Paketberge abgearbeitet sind. Mitunter könnte es - je nach Region - bis zu sechs Wochen dauern, bis alle Sendungen beim Empfänger angekommen sind. Die Post hatte nie mitgeteilt, welche Regionen besonders betroffen sind. Sogar innerhalb einer Stadt waren die Streik-Auswirkungen sehr unterschiedlich. So hatte es in einzelnen Hamburger Stadtteilen wochenlang keine Post in den Briefkästen gegeben, in anderen Stadtteilen hingegen lief die Zustellung weitgehend normal.

Mehr Geld und Verlängerung des Kündigungsschutzes

Die Post und die Gewerkschaft ver.di hatten sich am Sonntag auf einen neuen Tarifvertrag geeinigt. "Wir haben zwar nicht alles erreicht, aber wir sind stolz auf das, was wir erreicht haben", sagte ein Streikposten in einem Postzentrum bei Rostock. Die Postmitarbeiter erhalten unter anderem mehr Geld und der Kündigungsschutz wird verlängert. Die Hauptforderung nach Schließung der neuen Regionalgesellschaften mit schlechterer Bezahlung konnte die Gewerkschaft nicht durchsetzen.

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