Stand: 05.01.2016 09:57 Uhr

Polizeigewerkschaft besorgt wegen Massenüberfällen

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Laut Rainer Wendt soll es auch in Hamburg und Stuttgart zu Massenübergriffen auf Frauen gekommen sein.

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) hat sich besorgt über die Massenüberfälle auf Frauen in Köln gezeigt. Am Silvesterabend sollen auf dem Vorplatz des Hauptbahnhofs große Gruppen junger Männer immer wieder Frauen bedrängt und ausgeraubt haben. Nach Zeugenaussagen sollen die Verdächtigen aus dem arabischen oder nordafrikanischen Raum kommen. Der DPolG-Bundesvorsitzende Rainer Wendt sprach auf NDR Info von einem "neuen Ausmaß der sexuellen Belästigung".

Ermittlungen unter erschwerten Bedingungen

Gleichzeitig wies Wendt darauf hin, dass das Phänomen auch aus anderen deutschen Großstädten wie Hamburg oder Stuttgart bekannt sei. Nach seiner Einschätzung handelt es sich dabei zwar nicht um organisierte Kriminalität, aber schon um "eine Absprache der Täter, die die Masse der Menschen nutzen, die Dunkelheit und den Überraschungseffekt, um nach vollzogener Tat wieder unerkannt zu entkommen". Der Polizeigewerkschafter befürchtet deswegen, dass es sehr schwierig wird, die einzelnen Angreifer zu überführen.

Forderung nach mehr Personal

Wendt kritisierte, dass die Sicherheitsbehörden zu wenig Personal haben, um die Bevölkerung bei solchen Veranstaltungen zu schützen. "Man darf nicht verkennen, dass an vielen Bahnhöfen überhaupt keine Bundespolizei mehr präsent ist, weil sie an anderer Stelle verwendet wird, zum Beispiel in Süddeutschland, um dort Flüchtlingsbetreuung zu machen."

Gesellschaftlicher Konsens in Gefahr?

Wendt sieht auch die Gefahr, dass sich durch Vorfälle wie die in Köln die Stimmung in der Gesellschaft gegen Flüchtlinge verschärfen wird. Er beobachte zum Beispiel, dass die Angst, die Menschen zum Beispiel in sozialen Netzwerken äußern, bereits umgedeutet wird in rechtsextremistische Ressentiments gegen Flüchtlinge. Der DPolG-Vorsitzende befürchtet, dass der gesellschaftliche Konsens aufgekündigt werde, nach dem auf der einen Seite der Staat als Träger des Gewaltmonopols für den Schutz der Bevölkerung sorgt und auf der anderen Seite die Bevölkerung auf Gewalt verzichtet. "Wenn dieser Konsens aufgekündigt wird, weil die Menschen das Gefühl haben, der Staat beschützt sie nicht mehr, dann werden sie auch nicht mehr zum Verzicht auf Gewalt bereit sein." Diese Entwicklung könne man bereits dort sehen, wo mehr Waffen gekauft würden.

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NDR Info | 05.01.2016 | 07:50 Uhr