Stand: 07.10.2015 16:38 Uhr

Ermittlungen nach Massenschlägerei in Flüchtlingsheim

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In einer Flüchtlingsunterkunft in Braunschweig ist es am Dienstag zu einer Massenschlägerei gekommen.

Nach einer Massenschlägerei zwischen rund 150 Flüchtlingen in der überfüllten Landesaufnahmestelle für Asylsuchende in Braunschweig-Kralenriede am Dienstag hat die Diskussion über mögliche Konsequenzen begonnen. Eine Sprecherin des niedersächsischen Innenministeriums räumte ein: Bei der großen Anzahl an Menschen auf einem Raum könne es immer wieder zu Reibereien kommen. Daher werde mit Hochdruck an einer Entlastung für Braunschweig gearbeitet. Viele Flüchtlinge werden nach Angaben des Ministeriums in diesen Tagen in andere Unterkünfte verlegt. Zudem untersuche das Ministerium die Entwicklung der Zahlen der Straftaten in und um die Erstaufnahmelager. Die Polizeigewerkschaft hatte zuletzt eine Trennung der Flüchtlinge nach Religionen gefordert. Das Bundesinnenministerium erwägt ein Lagebild zur Kriminalität von Flüchtlingen. Es gebe bislang viele Gerüchte darüber, aber auch regional unterschiedliche Erfahrungen mit Alltagskriminalität aus den Reihen von Asylbewerbern, sagte Innenminister Thomas de Maizière (CDU).

mehrere Männer gehen eine Strasse entlang

Flüchtlinge verändern Alltag in Kralenriede

Hallo Niedersachsen -

Der Andrang auf die Braunschweiger Flüchtlingsunterkunft verändert den Alltag der Einwohner von Kralenriede. Die Infrastruktur des Stadtteils wird auf eine harte Probe gestellt.

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Auslöser waren Handydiebstähle

Die Polizei war am Dienstagnachmittag mit einem Großaufgebot in Braunschweig im Einsatz. Auslöser waren ersten Ermittlungen zufolge mutmaßliche Diebstähle von Handys zwischen den Bewohnern. Verletzte gab es bei dem Streit zwischen Syrern und Algeriern in einer mit 700 Menschen belegten Turnhalle nach Angaben der Polizei aber nicht. Die Polizei nahm einen 19-jährigen Algerier fest. Ihn erwartet nun ein Strafverfahren, unter anderem wegen gefährlicher Körperverletzung und Landfriedensbruchs. Die Kooperation der Flüchtlinge mit der Polizei nach Streitigkeiten sei oft äußert zurückhaltend, sagte Polizeisprecher Wolfgang Klages. "So etwas wie einen Rechtsstaat haben diese Menschen in ihrem Leben oft noch nicht erlebt. Das ist ein Problem für uns." Es ist nicht das erste Mal, dass ein Streit zwischen Flüchtlingen in den beengten Flüchtlingsunterkünften eskaliert. Auch in einer Hamburger Flüchtlingsunterkunft kam es am Dienstag zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit mehreren Verletzten.

Deutscher Pavillon als Notunterkunft?

In Hannover prüft die Stadt derzeit, ob auf dem ehemaligen Expo-Gelände auch der Deutsche Pavillon zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt werden kann. "Es laufen Gespräche, der Ausgang ist aber offen", sagte Stadtsprecher Andreas Möser. Unterdessen müssen Flüchtlinge die Feuerwehrschulen in Celle und in Loy bei Oldenburg wieder räumen. Zuvor war kritisiert worden, dass den Wehren der Platz für Weiterbildungen fehle.

Auseinandersetzung in der vergangenen Woche

In der Aufnahmeeinrichtung in Braunschweig sind derzeit 3.000 Flüchtlinge untergebracht - ausgelegt ist das Heim aber nur für 700. Bereits in der vergangenen Woche hatte die Polizei zu einem Großeinsatz ausrücken müssen. Auslöser seien Missverständnisse bei der Besetzung von Bussen gewesen, als einige Flüchtlinge in andere Unterkünfte gebracht werden sollten. Laut Polizei solidarisierten sich danach verschiedene ethnische Gruppen und die Situation drohte zu eskalieren. 40 Beamte hätten die Lage aber unter Kontrolle bringen können. Laut Polizei wurde ein Wachmann bei der Auseinandersetzung verletzt.

"Polizei teilweise überlastet"

Auch die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) beobachtet einen Anstieg der Zusammenstöße in Flüchtlingsunterkünften. "Die Polizei ist dadurch extrem belastet, teilweise überlastet", sagt der Landesvorsitzende Thomas Kliewer. Zum eigenen Schutz würden die Beamten mit mehr Personal ausrücken; oft 20 bis 25 Streifenwagen. Diese Einsatzkräfte fehlten dann aber bei der Bekämpfung der Alltagskriminalität - etwa bei Ermittlungen zu Diebstählen. Kliewer fordert daher Unterstützung: Private Sicherheitsdienste sollten die Polizei entlasten. Allerdings sollten die Mitarbeiter interkulturell geschult sein.

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