Stand: 19.11.2015 17:12 Uhr

Tief "Iwan" - nur wenig schrecklich

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Verschnaufpause mit Regenbogen: Bis zu 12 Liter Regen fielen in Schleswig-Holstein an einem Tag.

Die Sturmtiefs "Heini" und "Iwan" sind weniger heftig als erwartet über den Norden hinweggefegt. Nur vereinzelt stürzten in Niedersachsen, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Schleswig-Holstein Bäume, Baugerüste und Verkehrsschilder um. Auf dem Brocken wehte der Wind mit bis zu 170 Kilometern pro Stunde. Der Hamburger Fischmarkt stand zeitweise unter Wasser. Nach Angaben der Lagedienste der Polizei gab es aber keine größeren Sturmschäden.

Mit Orkanstärke über Nordfriesland

Dabei blies "Iwan" kräftiger als sein Vorgänger "Heini" am Mittwoch. Das bestätigte Meteorologe Axel Schnohr vom Deutschen Wetterdienst DWD in Hamburg. Demnach erreichte "Iwan" in Strucklahnungshörn im Kreis Nordfriesland mit 122 Stundenkilometern starken Böen sogar Orkanstärke. In St. Peter-Ording wurden Böen mit Geschwindigkeiten von bis zu 112 Stundenkilometern gemessen, während "Iwan" auf Helgoland und in Schleswig mit 101 Stundenkilometern oder Windstärke 10 "nur noch" ein schwerer Sturm war. Innerhalb von 24 Stunden fielen in Schleswig-Holstein 7 bis 12 Liter Regen pro Quadratmeter.

 

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Der anhaltende Westwind drückte sehr viel Wasser in die Deutsche Bucht und behinderte den Schiffsverkehr an Schleswig-Holsteins Nordseeküste. Helgoland war vom Festland abgeschnitten, da die Schiffe der Reederei Cassen Eils am Donnerstag in Cuxhaven blieben. Die Halligen wurden ebenfalls nicht angelaufen. Für den Fährverkehr mit Föhr und Amrum galt nach Angaben der Wyker Dampfschiffs-Reederei ein eingeschränkter Fahrplan. Der Sylt-Shuttle der Deutschen Bahn, der als Autoreisezug die Nordseeinsel mit dem Festland verbindet, nahm am Donnerstag keine Campingfahrzeuge mit. In den vergangenen Tagen waren Panoramadächer von drei Wohnmobilen während der Überfahrt abgefallen.

Auf der Bahnstrecke von Hamburg nach Schleswig-Holstein blockierte ein umgestürzter Baum den Zugverkehr. Er kippte nach Angaben einer Bahnsprecherin zwischen Hamburg-Langenfelde und Pinneberg in die Oberleitung. Nach rund einer Stunde rollten die Züge wieder.

Am Freitag wird "Iwan" harmlos

Ein wenig bleibt "Iwan" dem Norden noch erhalten: Am Freitag seien in Hamburg und Schleswig-Holstein weiterhin Böen mit bis zu Windstärke 8 möglich, aber "es ist kein echter Sturm mehr", sagte Schnohr.

Temperatursturz erwartet

Auf Sturm und Regen soll dann der Winter folgen. Bis zum Wochenende können die Norddeutschen wohl Mäntel, Mützen und teils auch Eiskratzer rausholen: "Uns erwartet ein Temperatursturz von bis zu zehn Grad", prognostizierte Meteorologe Frank Böttcher vom Hamburger Institut für Wetter- und Klimakommunikation. Ab Sonnabend kann es Schneeregen geben, am Sonntag wird es wohl noch mal etwas kälter. Böttcher riet Autofahrern, nun dringend Winterreifen aufzuziehen. "Alles andere wäre Leichtsinn."

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