Stand: 25.11.2015 17:04 Uhr

NDR verteidigt Rückzieher bei ESC-Nominierung

Die letzte Sitzung der ARD-Intendanten in diesem Jahr war gleichzeitig auch die vorläufig letzte Sitzung unter dem Vorsitz des NDR. Doch bevor der ARD-Vorsitzende Lutz Marmor in Hamburg eine erste Bilanz ziehen konnte, stand ein anderes Thema im Mittelpunkt: die Nominierung von Xavier Naidoo als Teilnehmer für den Eurovision Song Contest (ESC). NDR Fernsehdirektor Frank Beckmann redete nicht lange drumherum: "Meine Damen und Herren, um es sehr deutlich zu sagen: Auch aus meiner Sicht war es ein Fehler, den wir umgehend korrigieren mussten."

Lutz Marmor © NDR/Morris Mac Matzen

ESCalierter Ärger: Wie weiter nach Naidoo?

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Der NDR hat seinen umstrittenen Kandidaten-Vorschlag für den ESC in Stockholm zurückgezogen. Wie konnte es dazu kommen - und wie geht es jetzt weiter?

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Wucht der Reaktionen wurde unterschätzt

Der für den ESC verantwortliche NDR hatte die Nominierung Naidoos nach starken Protesten zwei Tage nach der Verkündung am vergangenen Wochenende wieder zurückgezogen. Der Sänger habe zwar Vorwürfen ausdrücklich widersprochen, homophob oder rassistisch zu sein, sagte NDR Intendant Lutz Marmor - die Wucht der Reaktionen auf die Nominierung habe man aber unterschätzt. Die Diskussionen darüber sollten den ESC nicht überlagern, daher die Kehrtwende: "Das soll ein musikalisches Event sein, das soll fröhlich sein, der Völkerverständigung dienen. Und das wäre gefährdet gewesen, wenn wir das jetzt mit dem Kopf durch die Wand durchgezogen hätten."

Über ESC-Verfahren für Stockholm wird noch entschieden

Gefragt nach den finanziellen Folgen dieser Entscheidung sagte NDR Fernsehdirektor Beckmann, es gebe mit Naidoo keinen schriftlichen Vertrag, sondern nur mündliche Vorabsprachen. Alles Weitere müsse nun geklärt werden. Wer jetzt für Deutschland beim ESC antritt, stehe laut Marmor noch nicht endgültig fest - aber: "Es gibt eine Tendenz, wieder zum Wettbewerb zurückzukehren und das Publikum entscheiden zu lassen, wer nach Stockholm fährt." Vor einer Entscheidung über das Verfahren sollen jedoch noch die ARD-Kollegen einbezogen werden, sagte der Intendant nach der Sitzung mit den Kolleginnen und Kollegen aus den insgesamt neun Landesrundfunkanstalten und der Deutschen Welle.

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Marmor ging nach der Sitzung auch auf das Thema Flüchtlinge ein. Die ARD berichte nicht nur darüber, sondern habe auch verschiedene Angebote für Flüchtlinge im Internet auf der Seite refugees.ard.de zusammengefasst. Improvisation sei in diesem Fall vor Perfektion gegangen: "Deshalb haben wir beispielsweise auf die Deutsche Welle verlinkt, die ja schon seit vielen Jahren Sprachkurse anbietet. Aber wir haben das Angebot auch selbst ergänzt, nehmen wir den WDR, der das Refugee Radio macht, und wir haben die Tagesschau in 100 Sekunden jetzt auch auf Arabisch und Englisch in zwei Ausgaben pro Tag."

Marmor: ARD-Vorsitz ist "Ehre und Herausforderung zugleich"

Am Ende zog Marmor dann doch noch eine erste Bilanz seiner Zeit als ARD-Vorsitzender. Er schlug den Bogen vom Rundfunkbeitrag, über das geplante Jugendangebot von ARD und ZDF bis hin zum Zusammenhalt in der ARD und zählte die Punkte auf, in denen die ARD aus seiner Sicht vorangekommen sei: "Wenn ich ein Fazit ziehen würde: Ich habe gesagt, das ist Ehre und Herausforderung zugleich, das stimmt. Ich mache das auch mit meinen Kolleginnen und Kollegen gerne bis Ende des Jahres." Danach übernimmt der Mitteldeutsche Rundfunk mit Intendantin Karola Wille turnusmäßig den ARD-Vorsitz für die kommenden zwei Jahre.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 25.11.2015 | 16:20 Uhr