Stand: 10.04.2017 17:29 Uhr

Mehr Munitionsfunde in Nord- und Ostsee

Das Problem von im Meer versenkter Munition sei "gigantisch", sagte Schleswig-Holsteins Umweltminister Robert Habeck. Auch im vergangenen Jahr wurden Taucher oder Suchtrupps wieder oft fündig: Bei 264 Funden in der Nord- und Ostsee meldeten sie insgesamt 1.428 Kampfmittel. So steht es im fünften Fortschrittsbericht "Munitionsbelastung der deutschen Meeresgewässer", den das Umweltministerium Schleswig-Holstein am Montag in Kiel veröffentlicht hat. Aber man käme bei der Suche nach Lösungen gut voran, meinte der Grünen-Politiker: "Das ist dem Zusammenspiel von Wissenschaft, Unternehmen, Politik und Verwaltung und immer auch dem hohen Engagement von Naturschutzverbänden zu verdanken."

Kampfmittelfunde auch in der Flensburger Förde, vor Juist und vorm Darß

Wie vielfältig nach den Altlasten aus den Weltkriegen gesucht wird, zeigen auch einige der im Bericht dokumentierten Fälle des vergangenen Jahres: Sporttaucher lokalisierten mehrere Kisten mit Flakmunition in der Flensburger Förde, Ornithologen fanden auf Juist verrostete Stahlkugeln, die sich als Seeminen entpuppten, und in speziellen Fangkörben des Munitionsbergungsdienstes Mecklenburg-Vorpommern wurden bei Sandaufspülungen am Strand von Ahrenshoop auf dem Darß 137 Kampfmittel geborgen.

Projekte zur Umweltbelastung und Bergungstechnik

Minister Habeck verwies auf mehrere Projekte zum Thema Altlasten im Meer. So untersuchen Meeresforscher vom Geomar Helmholtz-Zentrum in Kiel und des Leibniz-Institut für Ostseeforschung Warnemünde (IOW) sowie Ökotoxikologen der Universität Kiel die Umweltgefahren, die von den Torpedos, Granaten und sonstigen Munitionsresten ausgehen. TNT, Blei oder Quecksilber können sich lösen und ins Wasser gelangen. In einem anderen Projekt geht es darum, leistungsfähige autonome Bergungstechnologie zu entwickeln. Diese Technik wird laut Umweltministerium schon jetzt im Rahmen von Offshore-Projekten dringend benötigt, sie werde aber auch die Sanierung von Munitionsversenkungsgebieten ermöglichen.

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Umweltminister Robert Habeck ist beeindruckt davon, dass sich immer mehr Menschen um das Problem Munitionsaltlasten kümmern.
1,6 Millionen Tonnen Munition lagern noch in Nord- und Ostsee

"Schleswig-Holstein und den Projektpartnern ist es gelungen, hierfür 5,2 Millionen Euro Fördermittel beim Bund einzuwerben", sagte Habeck. Der Bedarf dafür ist groß: Allein in deutschen Meeresgewässern lagern immer noch mehr als 1,6 Millionen Tonnen konventioneller Munition. Verladen auf einen Güterzug wäre dieser mehr als 3.000 Kilometer lang, rechnete das Umweltministerium vor. Die gute Nachricht: Trotz der weiter ansteigenden Zahl von Munitionsfunden auf Offshore-Baustellen sei auch 2016 kein Unfall mit dieser gefährlichen Altlast bekannt geworden. Das Fahrwasser der Kieler Förde und der Kiel-Ostsee-Weg westlich von Fehmarn hätten von weiteren Blindgängern befreit werden können, die dort seit dem 2. Weltkrieg unentdeckt gelegen hatten.

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Nachrichten für Schleswig-Holstein | 10.04.2017 | 13:00 Uhr

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