Stand: 01.08.2017 11:39 Uhr

Arbeitsmarkt: Leichter Anstieg und neuer Rekord

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Die Arbeitslosenquote im Nordosten ist erstmals unter die Acht-Prozent-Marke gefallen.

Sommerloch oder Sommerflaute auf dem Arbeitsmarkt? Die Bilanz im Norden fällt unterschiedlich aus: Während in Mecklenburg-Vorpommern und Schleswig-Holstein gute Zahlen dominieren, trübt in Hamburg und Niedersachsen ein leichter Anstieg bei den Arbeitslosenzahlen die Statistik. Auch bundesweit stieg die Zahl der Menschen ohne Job leicht - auf rund 2,5 Millionen.

Mecklenburg-Vorpommern: Niedrigste Quote seit Wiedervereinigung

In Mecklenburg-Vorpommern liegt die Arbeitslosenquote zum ersten Mal überhaupt seit der Wiedervereinigung mit 7,9 Prozent unter der Acht-Prozent-Marke. Das Land verzeichnet aktuell 65.200 Arbeitslose, 750 weniger als im Juni. In der Gruppe der unter 25-jährigen ist die Zahl der Arbeitslosen im Vormonatsvergleich jedoch angestiegen. "Der überproportionale Anstieg im Monat Juli gegenüber dem Vormonat Juni ist für diese Altersgruppe jahreszeitlich typisch, da sich im Juli viele junge Menschen - nach Abschluss der Berufsausbildung - vorübergehend arbeitslos melden. Das wird schon im Herbst ganz anders aussehen", erklärte Margit Haupt-Koopmann, Leiterin der Regionaldirektion Nord der Bundesarbeitsagentur. Derzeit sind noch 4.200 Ausbildungsplätze unbesetzt. Besonders erfreulich sei zudem, dass die Zahl der über 50-jährigen Arbeitslosen im Vorjahresvergleich um 3.000 Personen zurückgegangen ist.

Schleswig-Holstein: Niedrigster Juli-Wert seit 25 Jahren

Gute Nachrichten kommen auch aus Schleswig-Holstein: Das Land verzeichnet bei den Arbeitslosenzahlen den niedrigsten Juli-Wert seit 25 Jahren. Derzeit sind 90.900 Arbeitslose registriert. Im Vergleich zum Juli 2016 ist das ein Rückgang um 1,6 Prozent. Laut Agentur für Arbeit ist bemerkenswert, dass die Zahl der sozialversicherungspflichtigen Stellen im Vergleich zum Vorjahr um 25.700 gestiegen ist. In einigen Branchen werden auch noch Mitarbeiter gesucht - zum Beispiel im Bereich Soziales und Gesundheit, in der Tourismusbranche, im Handel und im Baugewerbe.

Aber: Gegenüber dem Vormonat stieg die Arbeitslosenzahl um 1.400. "Für diesen Anstieg gibt es mehrere Gründe: Einerseits steigt die Zahl der Arbeitslosen durch quartalsbedingte Kündigungen, andererseits werden in vielen Branchen Einstellungen bis nach den Sommerferien aufgeschoben", ergänzte Haupt-Koopmann.

 

Niedersachsen: Viel Bewegung auf dem Ausbildungsmarkt

Die Arbeitslosenquote in Niedersachsen liegt derzeit bei 5,9 Prozent - das sind 0,3 Prozentpunkte mehr als noch im Vormonat. Auch dort wird der Anstieg saisonal vor allem mit auf den Markt drängenden Schulabgängern begründet. Rund um den Ausbildungsbeginn ist den Angaben zufolge noch viel Bewegung auf dem Markt: Von den 57.445 Bewerbern waren zuletzt noch 16.598 auf der Suche nach einem Platz. Ihnen stehen von den ursprünglich 53.187 gemeldeten Stellen noch 17.894 zur Verfügung. "Ich appelliere an Arbeitgeber, auch Bewerbern mit schwächeren Zeugnissen eine Chance zu geben. Die Arbeitsagenturen können wertvolle Unterstützung leisten, damit die Ausbildung ein Erfolg wird, zum Beispiel indem sie Nachhilfeunterricht finanzieren", sagte Bärbel Höltzen-Schoh, Landeschefin der Bundesagentur für Arbeit in Niedersachsen.

Regional fiel die Arbeitslosigkeit unterschiedlich aus: Am höchsten lag die Quote mit 7,3 Prozent in der Region Hannover sowie den Bezirken Braunschweig-Goslar (7,0 Prozent) und Celle (6,8). Am niedrigsten war die Arbeitslosigkeit im Bezirk Nordhorn mit der Grafschaft Bentheim und dem Landkreis Emsland - mit einer Quote von 3,4 Prozent.

Hamburg: Arbeitslosenquote leicht gestiegen

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Was die offizielle Arbeitslosen-Statistik verbirgt

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Bei den Arbeitslosenzahlen in Hamburg ist im Vergleich zum Vorjahresmonat ein Rückgang zu verzeichnen: Ende Juli waren 69.700 Arbeitslose registriert. Das sind etwa 700 weniger als noch vor einem Jahr. Allerdings ist eine leichte Sommerflaute zu bemerken: Im Vergleich zum Vormonat sind 1.111 mehr Menschen ohne Job. Die Arbeitslosenquote stiegt leicht an auf 6,8 Prozent. "Grundsätzlich steigen die Arbeitslosenzahlen im Ferienmonat Juli leicht an", sagte der Chef der Hamburger Arbeitsagentur, Sönke Fock. Ein Grund dafür: Viele junge Menschen beenden ihre Berufsausbildung, finden aber nicht sofort eine Anschlussbeschäftigung. Fock ist aber optimistisch, dass diese jungen Fachkräfte bald eine Stelle besetzen werden: "Zum einen haben immer mehr Hamburgerinnen und Hamburger einen sozialversicherungspflichtigen Job. Und zum anderen sind zurzeit mehr als 16.700 freie Stellen bei der Arbeitsagentur gemeldet."

Gemeldete Arbeitslose und Arbeitslosenquote (gerundete Werte)
Juli 2017Juni 2017Juli 2016
Niedersachsen250.0005,9240.2005,6 %257.7006,1 %
Schleswig-
Holstein
90.9005,989.6005,8 %92.4006,1 %
Mecklenburg-
Vorpommern
65.2007,965.9008,0 %74.6009,0 %
Hamburg69.7006,868.6006,7 %70.4007,0 %
Bund2.518.0005,62.473.0005,5 %2.700.0006,0 %
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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Aktuell | 01.08.2017 | 10:00 Uhr

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