Sendedatum: 27.06.2014 06:41 Uhr

Göttinger Energiefirma in Turbulenzen

von Christoph Heinzle und Benedikt Strunz, NDR Info

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Das Kraftwerk der EEV AG: Probleme mit zwei Anlageprojekten.

Das Meeresgebiet Vogelschar liegt etwa 100 Kilometer vor der Küste von Nordfriesland. Hier soll nach dem Willen der Erneuerbare Energie Versorgung AG (EEV) aus Göttingen der Windpark Skua entstehen. Unter anderem für dieses Projekt hat das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren gut 21 Millionen Euro bei privaten Anlegern eingesammelt. Kein Wunder, denn mit Skua könnte sich viel Geld verdienen lassen. So steht es zumindest in einem Anlage-Prospekt. Dort heißt es, dass das 2012 erworbene Windparkprojekt bis zum nächsten Jahr voraussichtlich genehmigungsreif sei und dann verkauft werden könne - und zwar für erhoffte 50 Millionen Euro. Bedenkt man, dass die Vorplanungen für Skua für lediglich 11,5 Millionen Euro erworben wurden, versprach das ein Bombengeschäft zu sein. Wäre da nicht ein Haken.

Windpark soll in militärischem Übungsgebiet entstehen

Denn das Windpark-Areal liegt mitten im Übungsgebiet der Marine und der Luftwaffe. Die schießt hier auch mit scharfer Artilleriemunition und wehrt sich bereits seit Jahren mit Händen und Füßen gegen Skua. Auf Nachfrage von NDR Info und "Hannoverscher Allgemeiner Zeitung" (HAZ) teilte die Bundeswehr mit, dass eine Realisierung des Windparkprojekts "zu nicht kompensierbaren Einschränkungen der Nutzungsinteressen der Bundeswehr in diesem Schieß- und Übungsgebiet" führen würde und insofern nicht mit militärischen Belangen zu vereinbaren sei. Ob hier jemals gebaut werden darf, ist somit völlig unklar. Denn auch die zuständige Genehmigungsbehörde, das Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) teilt mit, "dass bei einer Beeinträchtigung der Landes- und Bündnisverteidigung das Projekt nicht planfestgestellt werden darf". Derzeit befindet sich das Projekt noch im Planfeststellungsverfahren.

Firmeninterne Zweifel: "Realisierung ausgeschlossen"

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Gabriele Schmitz rät Anlegern, sich an die Verbraucherschutz-Zentralen zu wenden.

Die EEV ist über die Militärproblematik bereits seit dem Jahr 2012 informiert, das geht aus dem Kaufvertrag für das Windpark-Projekt hervor. Doch im Anlage-Prospekt hat man dieses konkrete Risiko nicht erwähnt. Gabriele Schmitz von der Verbraucherzentrale Hamburg sieht das kritisch, denn "Risiken, die sich für den Initiator abzeichnen, und die eben den Erfolg des Projektes infrage stellen, müssen natürlich in dem Emissionsprospekt dargestellt werden". Schließlich müsse der Anleger ja wissen, worauf er sich einlässt. Die EEV sieht das anders und bleibt öffentlich bei ihrer Position. Der Windpark werde eine Baugenehmigung erhalten, heißt es, obwohl die Bundeswehr die Belange der Landesverteidigung gefährdet sieht. Doch firmenintern wurden starke Zweifel am Erfolg des Projekts formuliert. In einem Schreiben aus dem Herbst 2013, das NDR Info und HAZ vorliegt, bezeichnet das Unternehmen den Windpark als "im Grunde genommen wertlos", eine Realisierung als "ausgeschlossen". Finanzexpertin Schmitz rät zur Vorsicht. Besorgte Anleger könnten sich an die Verbraucherschutz-Zentralen wenden. Dort könnte man klären, wie die Beratung für die Geldanlage gelaufen ist und den Wertpapierprospekt unter die Lupe nehmen.

Mehrfach konnte EEV Kaufraten nicht überweisen

Gleichzeitig steht die EEV finanziell unter Druck. Ursprünglich sollte der Kaufpreis von 26,5 Millionen Euro für ein Biomasseheizkraftwerk in Papenburg und das Windparkprojekt bereits 2013 vollständig bezahlt sein. Doch laut einem Vertrag aus dem Herbst 2013 sind immer noch 20,7 Millionen Euro offen. Mehrfach bereits konnte die EEV die Kaufpreisraten für Kraftwerk und Windpark nicht überweisen, weil sie "Schwierigkeiten" gehabt habe, "ihre Zahlungsziele einzuhalten", heißt es in dem Vertrag. Der Verkäufer, die Etanax Holding des niedersächsischen Windkraftpioniers Günter Eisenhauer, gewährte nach rechtlichen Streitigkeiten erneut Aufschub, will nun aber zum 30. Juni sechs Millionen Euro und bis Ende 2014 zusätzlich etwa fünf Millionen von der EEV. Die EEV erklärte, die am Montag fällige Rate bezahlen zu können, wollte Fragen zur grundsätzlichen Finanzlage der Firma nicht beantworten, weil es sich um "Betriebsinterna" handele.

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NDR Info | 27.06.2014 | 06:41 Uhr