Stand: 02.07.2014 15:58 Uhr

Gesundheitsrisiko durch Antibiotika in Gülle?

Bild vergrößern
Gülle auf den Felder kann zu mehr Antibiotika-Resistenzen führen.

In deutschen Ställen werden große Mengen Antibiotika eingesetzt. Allein im Jahr 2012 wurden rund 1.600 Tonnen an Veterinäre abgegeben. Ein Teil der Wirkstoffe gelangt über die Ausscheidungen der Tiere auf die Felder. Das Julius Kühn-Institut in Braunschweig hat jetzt nachgewiesen, dass mit Antibiotika belastete Gülle Bakterien im Boden negativ beeinflussen kann.

Mehr Resistenzen durch Antibiotika in der Gülle

Die Forschungsergebnisse zeigen, dass möglicherweise mehr Antibiotika-Resistenzen entstehen und diese häufiger übertragen werden können. Dies könnte zur Entstehung multiresistenter Keime beitragen und letztlich zum Gesundheitsrisiko für Menschen werden, warnt die Bundesbehörde. Denn wenn sich solche Keime verbreiten, können auch für den Menschen wichtige Antibiotika ihre Wirkung verlieren.

Landwirtschaftsministerium Niedersachsen droht mit Stallschließungen

Interview

"Mehr Antibiotika-Resistenzen im Boden"

Mit der Gülle gelangen Antibiotika auf die Felder. Kornelia Smalla vom Julius Kühn-Institut spricht im Interview über die möglichen Folgen für Umwelt und Menschen. mehr

Das niedersächsische Landwirtschaftsministerium erklärte gegenüber dem NDR, dass es die Ergebnisse der Studie sehr ernst nehme. Das Ziel, binnen fünf Jahren den Antibiotika-Einsatz in den Tierställen um die Hälfte zu reduzieren, sei somit wichtiger denn je, so das Landesministerium des Ministers Christian Meyer (Grüne).

Seit dem 1. Juli müssen Landwirte wegen eines neuen Arzneimittelgesetzes erfassen, wie häufig sie Antibiotika einsetzen und die Mengen an eine Datenbank melden. Das Ministerium in Hannover betonte, man wolle das neue Gesetz konsequent zum Schutz der menschlichen Gesundheit vor resistenten Keimen umsetzen und auch vor einschneidenden Maßnahmen wie Stallschließungen bei zu hohem Antibiotika-Einsatz nicht zurückschrecken.

Landwirtschaftsminister Backhaus: Ergebnisse in Ruhe auswerten

Bild vergrößern
Der Landwirtschaftsminister in Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, will die Studie in Ruhe auswerten.

Der Landwirtschaftsminister von Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus (SPD), erklärte dem NDR, ein übermäßiger Antibiotika-Einsatz dürfe nicht stattfinden. Allerdings müsse auch klar sein, dass ein Tier im Krankheitsfall unbedingt mit Antibiotika behandelt werden müsse. Die Forschungsergebnisse müssten jetzt "in Ruhe" ausgewertet werden, so der Landwirtschaftsminister. Er betonte, die Landesregierung sei auf die "Thematik von möglichen Rückständen von Antibiotika in Böden" sensibiliert.

Backhaus: Problem betrifft auch die Humanmedizin

Der Minister erklärte zudem, es sei zu einseitig, nur auf die Landwirtschaft zu schauen. Er wolle den Einsatz von Antibiotika in der Tierhaltung keineswegs verharmlosen, aber dieses Problem betreffe auch die Humanmedizin und müsse deshalb ressortübergreifend gelöst werden, so Backhhaus, Antibiotika-Funde seien nämlich in vielen Fällen auch auf nahegelegene Kläranlagen zurückzuführen.

Größere Gefahr durch Hühnermist und Trockenkot?

Der Deutsche Bauernverband in Berlin erklärte gegenüber dem NDR, dass man sich die Studie genau anschauen werde. Verbandssprecher Michael Lohse wies aber zugleich darauf hin, dass ja bereits Schritte zur Antibiotika-Reduzierung eingeleitet worden seien. Der Landesverband Niedersachsen/Bremen der kleineren Bauernorganisation Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (AbL) ruft alle Verantwortlichen der Agrarbranche auf, die Ergebnisse sehr ernst zu nehmen. Die Organisation befürchtet, dass von Hühnermist- und Trockenkot eine noch größere Gefahr ausgehe aufgrund des hohen Antibiotika-Einsatzes in der Geflügelhaltung.

Recherchen der Redaktion Panorama - die Reporter haben bereits vor zwei Jahren gezeigt, dass Antibiotika aus der Tierhaltung auf die Felder gelangen. Ein Labor hatte damals Medikamentenrückstände in frisch ausgebrachter Gülle nachgewiesen. Die Exkremente stammten aus einer niedersächsischen Schweinehaltung.

Weitere Informationen

Antibiotika aus der Tiermast im Grundwasser?

An mehreren Stellen in Niedersachsen hat das Umweltbundesamt nach NDR Informationen Antibiotika im Grundwasser entdeckt. Das Amt fordert einen Grenzwert für Tierarzneimittel. mehr

Dieses Thema im Programm:

Panorama - die Reporter | 04.09.2012 | 21:15 Uhr

mit Video

Die Spur der Schweine

Einfach ein wichtiger Wirtschaftszweig oder auch Gefahr für Umwelt und Gesundheit? Die intensive Tiermast ist umstritten. "Panorama - die Reporter" hat sich auf die Spur der Schweine begeben. mehr

Mehr Nachrichten

04:08 min

Merkel führt erneut Landesliste der CDU an

25.02.2017 19:30 Uhr
Nordmagazin
02:01 min

Willehadi-Kirche in Garbsen eingeweiht

25.02.2017 19:30 Uhr
Hallo Niedersachsen
02:08 min

Motorradtage: Hamburg schnuppert Benzinluft

25.02.2017 19:30 Uhr
Hamburg Journal