Stand: 07.02.2016 18:00 Uhr

Gestrandeter Containerriese als Attraktion

Bild vergrößern
Riesen-Andrang rund um die Hetlinger Schanze am Nordufer der Elbe: Sie wollen das havarierte Schiff sehen.

Das Alte Land an der Elbe ist um eine Attraktion reicher. Fernab der Apfelblüten-Saison hat die Region wohl seit Langem nicht mehr einen solchen Besucher-Ansturm erlebt. Tausende Schaulustige nutzten am Wochenende ihre freie Zeit, um den auf Grund gelaufenen Containerriesen auf der Elbe zu bestaunen. Das Alte Land war laut Polizei am Sonntagnachmittag voller Besucher, der Andrang sorgte für Verkehrsprobleme. Auch am Nordufer der Elbe - rund um die Hetlinger Schanze - fanden sich Tausende Neugierige ein. Unterdessen laufen die Vorbereitungen für die Bergung der "CSCL Indian Ocean" weiter. Im Laufe des Wochenendes seien die 2.000 Tonnen Schweröl und knapp 4.000 Tonnen Ballastwasser abgepumpt worden, sagte ein Sprecher des Havariekommandos am Sonntag. Nun solle der Rest der 700 Tonnen Gasöl abgepumpt werden. Zudem wurde der Grund um das Schiff von Baggern abgetragen. Ziel ist es, das 150.000 Tonnen schwere und 400 Meter lange Schiff für den nächsten Abschleppversuch beweglicher zu machen.

"Indian Ocean": Erst Havarist - dann Touristenmagnet

Hoffnung auf die nächste Springflut

Bislang waren alle Versuche gescheitert, das riesige Schiff freizuschleppen - zuletzt am Freitagmittag. Der nächste Versuch soll mit der Springflut am kommenden Dienstag unternommen werden. Am Wochenende herrschten ungünstige Wetterbedingungen für eine Bergung. Der Deutsche Wetterdienst hatte Starkwind mit stürmischen Böen vorausgesagt. Mit der hohen Bordwand und den aufgestapelten Containern hat das Schiff mehr als drei Mal so viel Segelfäche wie die "Gorch Fock". Misslingt die Bergung des Schiffes am Dienstag, muss der Frachter möglicherweise an Ort und Stelle entladen werden. Notwendig wäre dazu ein riesiger Schwimmkran, der auch Container in einer Höhe von 60 oder 70 Meter bedienen kann. Ein solcher Kran müsste erst aus Rotterdam herangeschafft werden. Ein Vorbild für eine solche Bergungsaktion gibt es bislang nicht. Kommt der Containerriese frei, soll er in den Hamburger Hafen geschleppt werden.

Wenzel will Containerriesen abwerben

Die Unterstützer des Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven sehen die Havarie in der Elbe weiter als Chance. "Bei allem Verständnis für die Interessen der Wirtschaft wird doch angesichts der Entwicklung an der Elbe niemand ernsthaft abstreiten, dass hier zu große Gefahren riskiert werden", teilte Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne) am Sonntag mit. Sollte sich eines der enorm großen Containerschiffe quer in die Fahrrinne legen, sei der Hamburger Hafen blockiert. Wenzel fordert eine norddeutsche Hafenkooperation. Übergroße Schiffsklassen, deren Manövrierfähigkeit gerade bei stärkeren Winden deutlich vermindert sei, gehörten in den JadeWeserPort.

Platz für knapp 19.000 Container

Das Schiff der Reederei China Shipping hatte am Montagvormittag im britischen Hafen Felixstowe abgelegt und sollte am Mittwoch am Eurogate Terminal im Hamburger Hafen festmachen. Nach Angaben der Wasserschutzpolizei war der Containerriese mit einem Tiefgang von etwa elf Metern unterwegs, als die Schiffsführung der Verkehrszentrale Brunsbüttel den Ausfall der Ruderanlage meldete. Die "Indian Ocean" kann fast 19.000 Container laden - damit ist sie eines der größten Containerschiffe der Welt. Der Frachter wurde erst im vergangenen Jahr zu Wasser gelassen und mit neuester Technik ausgestattet. Zuletzt war die "Indian Ocean" Anfang November 2015 in Hamburg.

Karte: Lage des auf Grund gelaufenen Containerschiffs
Weitere Informationen

JadeWeserPort: Containerriesen, kommt zu uns!

Nach wie vor liegt die "CSCL Indian Ocean" vor Stade auf Grund. Diese Havarie war nur eine Frage der Zeit, heißt es am JadeWeserPort. In Wilhelmshaven sei auch für die größten Schiffe genug Platz. mehr

Chronologie: Die Debatte um die Elbvertiefung

Den Antrag zum weiteren Ausbau der Unterelbe hat Hamburg bereits 2002 gestellt. Aber wann und ob überhaupt die Bagger loslegen können, ist noch immer offen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 90,3 | NDR 90,3 Aktuell | 07.02.2016 | 16:00 Uhr