Stand: 15.01.2016 18:19 Uhr

Flüchtlinge aus Hamburg nach Schleswig-Holstein?

von Björn Staschen, NDR Aktuell
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In Hamburg sind noch immer 600 bis 650 in Zelten untergebracht.

Die Situation ist einigermaßen absurd: In Hamburg sind von rund 20.000 Flüchtlingen in den Erstaufnahmeeinrichtungen der Stadt noch immer 600 bis 650 in Zelten untergebracht - auf der anderen Seite der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein stehen derweil Tausende Betten leer. Nach Angaben des Innenministeriums in Kiel sind von 14.750 Plätzen in Erstaufnahmeeinrichtungen derzeit nur 7.191 belegt. Allein in Einrichtungen nahe Hamburg wie der Rantzau-Kaserne in Boostedt oder der Erstaufnahme in Neumünster stünden insgesamt über 1.000 leere Betten bereit.

"Wir haben immer schon einmal angeklopft, ob wir Flüchtlinge in Schleswig-Holstein unterbringen können", bestätigt Frank Reschreiter, Sprecher der Hamburger Innenbehörde. "Nun kommen wir in den Gesprächen besser voran." Um wie viele Plätze es geht und wo in Schleswig-Holstein Flüchtlinge aus Hamburg untergebracht werden könnten, wird noch verhandelt. Zu hören ist, dass es um eine vierstellige Zahl gehen könnte.

Hamburg würde zahlen

"Es gibt noch einiges zu klären", sagt der Sprecher des schleswig-holsteinischen Innenministeriums, Patrick Tiede. Beispielsweise sei unklar, wer für den Transport von Flüchtlingen zuständig ist, die Hamburg nach dem Königsteiner Schlüssel zugewiesen wurden, aber in Schleswig-Holstein untergebracht sind. Fest steht, dass Hamburg für die Unterbringung in Schleswig-Holstein bezahlen würde. Wahrscheinlich ist auch, dass die Asylverfahren weiter von Hamburger Behörden betreut würden. Seit 2006 besteht eine entsprechende Verwaltungsvereinbarung bereits zwischen Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern: In der Erstaufnahme in Nostorf Horst sind derzeit rund 200 Flüchtlinge aus der Hansestadt untergebracht.

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In der Erstaufnahme in Nostorf Horst sind derzeit rund 200 Flüchtlinge aus Hamburg untergebracht. (Archivfoto)

"Wir haben ein Interesse daran, dass es schnell geht", ist aus dem Hamburger Senat zu hören. Unwahrscheinlich ist jedoch, dass noch in diesem Winter Flüchtlinge aus Zelten in feste Unterkünfte in Schleswig-Holstein ziehen können. "Wir können Schleswig-Holstein nicht die Pistole auf die Brust setzen", sagt der Sprecher der Innenbehörde. "Wenn es in diesem Jahr etwas wird, besser noch deutlich vor Ende des Jahres, dann ist das ein gutes Ergebnis." Bei den Zelten in Hamburger Erstaufnahmeeinrichtungen handele es sich um "winterfeste, beheizte Bundeswehrzelte". Bewohner berichten dem NDR dennoch von Kälte und klammer Kleidung.

200 bis 300 Flüchtlinge kommen täglich nach Hamburg

Der Zuzug von Geflüchteten nach Hamburg hält unterdessen an. Nach aktuellen Zahlen kommen noch immer 200 bis 300 Flüchtlinge pro Tag in die Hansestadt. Im Dezember lag die Zahl mit etwa 6.500 Flüchtlingen so hoch wie im August, während von September bis November 10.000 bis 10.500 pro Monat nach Hamburg kamen.

Auch Schleswig-Holstein rechnet damit, dass der Zuzug anhält: Ein Sprecher des Innenministeriums bestätigte der NDR 1 Welle Nord, dass das Land trotz der derzeit leeren Betten rund 5.000 weitere Plätze in Erstaufnahmeeinrichtungen schaffen werde. Erfahrungsgemäß werde der Zustrom im Frühjahr und im Sommer wieder deutlich zunehmen. Darauf müsse das Land vorbereitet sein, so der Sprecher weiter.

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