Stand: 08.12.2015 15:45 Uhr

Flüchtlinge: Nordkirche sieht Politik gefordert

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Landesbischof Gerhard Ulrich zog eine Zwischenbilanz zum Engagement der Kirche in der Flüchtlingsfrage.

Zurzeit engagieren sich rund 12.000 Ehrenamtliche der Nordkirche in der Flüchtlingsarbeit. Auch 250 Hauptamtliche widmeten einen Teil ihrer Arbeitszeit dieser Aufgabe, sagte Landesbischof Gerhard Ulrich am Dienstag in Hamburg. "Die Sorge um die Fremden gehört für uns ins Zentrum unseres Glaubens", sagte Ulrich, Christen seien zum Helfen verpflichtet.

Höhere Zuschüsse in Schleswig-Holstein

In Schleswig-Holstein helfen demnach 3.000 bis 5.000 unentgeltlich, in Hamburg 6.000 bis 7.000 und in Mecklenburg-Vorpommern bis zu 2.000. Etwa jede vierte der rund 1.000 Gemeinden sei in der Flüchtlingshilfe aktiv. Die Diakonie und ihre Mitgliedsorganisationen seien besonders in der Begleitung und Beratung von Flüchtlingen tätig, erklärte Hamburgs Landespastor Dirk Ahrens. Die schleswig-holsteinische Landesregierung habe den Nutzen für die Menschen erkannt und die Zuschüsse dafür erhöht. Das wünsche sich die Diakonie in Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern auch. Die Zusammenarbeit gerade mit den Hamburger Behörden könnte noch verbessert werden, sagte Ahrens. "Wir brauchen so etwas wie einen Runden Tisch zum Thema Flüchtlinge." Die Aufgaben in der Flüchtlingshilfe müssten verbindlich abgesprochen werden.

Viele in Mecklenburg-Vorpommern sind skeptisch

Die Flüchtlingsbeauftragte der Nordkirche, Dietlind Jochims, beklagte eine zunehmend flüchtlingsfeindliche Stimmung, vor allem in Mecklenburg-Vorpommern. Sie sprach von einer "ablehnenden, skeptischen bis offen feindlichen" Stimmung. So sei die regionale Flüchtlingsbeauftragte in Vorpommern viel damit beschäftigt, auf Informationsveranstaltungen zu erklären, dass die Flüchtlinge keine Bedrohung seien und keine Anschläge planten.

Ahrens berichtete auch von Spannungen zwischen verschiedenen Hilfsbedürftigen. Wohnungslose hätten sich in Hamburg beklagt, dass sie ihre Winternotquartiere tagsüber auch bei Kälte verlassen müssten, während Flüchtlinge in ihren Unterkünften bleiben könnten. "Das schürt einen Sozialneid auf unterster Ebene, der extrem kontraproduktiv ist", sagte Ahrens.

Auch die Kirche muss sich reflektieren

"Das Schließen von Grenzen und die Verstärkung von Kontrollen werden die Zahl der Flüchtlinge nicht um einen einzigen verringern." Laut Ulrich sind sowohl eine europäische Flüchtlingspolitik als auch eine Bekämpfung der Fluchtursachen durch mehr Entwicklungshilfe dringend nötig. Der Bischof forderte, dass sich auch die Kirche in ihrer inhaltlichen Gestaltung intensiver um Flüchtlinge kümmert.

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