Stand: 05.09.2017 19:01 Uhr

Flaute bei Nordex: Bis zu 500 Stellen fallen weg

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Nordex will sparen - und Stellen abbauen. (Archivbild)

Das Windkraftunternehmen Nordex will bis Ende des laufenden Jahres bis zu 500 Stellen abbauen. Das bestätigte ein Unternehmenssprecher am Dienstag gegenüber NDR 1 Radio MV. Der Stellenabbau sei Teil eines Kostensenkungsprogramms im Volumen von 45 Millionen Euro, teilte Nordex mit. Damit reagiere die Gruppe auf eine rückläufige Nachfrage sowie stark veränderte Marktbedingungen im Kernmarkt Deutschland sowie in Europa, wie es weiter hieß. "Trotz einer guten Aufstellung und bereits erfolgreich eingeleiteter Maßnahmen müssen wir weitere kurzfristig wirksame Einsparungen realisieren", erklärte der Nordex-Vorstandsvorsitzende José Luis Blanco.

Großteil des Jobabbaus in Deutschland

Nordex beschäftigt nach eigenen Angaben weltweit rund 5.200 Mitarbeiter, davon 2.500 in Deutschland. Die meisten Stellen sollen in Deutschland wegfallen - bis zum Jahresende. In geringerem Umfang seien andere europäische Niederlassungen betroffen, hieß es. Das Unternehmen will 2018 insgesamt 24 Millionen Euro an Personalkosten einsparen. Der Personalabbau solle so sozialverträglich wie möglich realisiert werden, teilte Nordex weiter mit.

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In Rostock fallen bis zu 100 Stellen weg

Nach Informationen von NDR 1 Radio MV hat der Abbau auch Auswirkungen auf die Standorte Hamburg und Rostock. Von den etwa 1.400 Mitarbeitern in den zwei Betriebsstätten in Rostock könnten bis zu 100 betroffen sein, sagte Unternehmenssprecher Ralf Peters. Die Stellen sollen im turbinenwerk wegfallen. Die Zahl der Leiharbeitskräfte sei dort bereits deutlich reduziert worden, so Peters. "Im Werk, wo wir die Flügel produzieren, wird es voraussichtlich keine Kürzung geben. Im Gegenteil, wir werden dort mehr in der Eigenfertigung machen als bisher."

Standort Hamburg "erheblich" betroffen

Auch der Standort Hamburg werde erheblich betroffen sein. Nordex-Betriebsratschef Ralf Meier kritisierte, die vom Unternehmen herausgegebenen Zahlen seien noch sehr unkonkret. Am Nachmittag wurden die Rostocker Rotorenbauer über die Unternehmenspläne informiert. Die Stimmung in der Belegschaft reichte laut Meier von "Schockstarre bis Abwarten". Erste Gespräche zwischen dem Betriebsrat und der Firmenleitung soll es im Oktober geben. Streiks seien aktuell in Rostock nicht geplant, so Meier. Am Personalabbau in Europa komme man nicht vorbei, obwohl der weltweite Windenergiemarkt wieder stärker wachse, sagte Unternehmenssprecher Peters. Speziell in Deutschland gebe es spezielle Probleme. Hierzulande würden zwar noch immer hohe Volumina ausgeschrieben, aber die Projekte würden erst verspätet realisiert. "Wenn der Kunde nicht baut, mag ein Auftrag interessant sein, aber wenn der nicht auch innerhalb von zwei Jahren abgerufen wird, ist das für die Produktion ein Problem", so Peters.

Maßnahmen mit Ankündigung

Im März hatte Nordex bei der Vorstellung der Geschäftszahlen die Aktionäre auf einen "enttäuschenden" Ausblick auf die kommenden Jahre vorbereitet und Sparmaßnahmen angekündigt. 2016 verbuchte das Unternehmen einen Umsatz von 3,4 Milliarden Euro - 40 Prozent mehr als im Vorjahr. Der Überschuss betrug 95 Millionen Euro, 2015 waren es gut 52 Millionen Euro gewesen. Zu den Steigerungen trug laut Nordex auch die Übernahme des spanischen Windpark-Betreibers Acciona Windpower (AWP) bei.

Aktienkurs leicht im Minus

Nordex fertigt Onshore-Turbinen in Deutschland, Spanien, Brasilien, den USA und Indien. Zwei Drittel der Aktien befinden sich in Streubesitz, knapp ein Drittel hält die Acciona S.A., knapp sechs Prozent SKion/momentum capita. Die am Technologiewerte-Index TecDax notierten Aktien des Windkraftanlagenbauers reagierten kaum auf die nun verkündeten Sparziele - nach zwischenzeitlichen Gewinnen standen sie zuletzt wieder mit 0,44 Prozent im Minus.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.09.2017 | 19:00 Uhr

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