Stand: 23.10.2015 15:11 Uhr

Feuerwehren im Norden: Oft zu spät am Einsatzort

von Christian Jekat
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Besonders dramatisch zeigt sich die Situation in Hamburg, Bremen und Osnabrück.

In vielen norddeutschen Kommunen kommt die Feuerwehr häufig zu spät oder mit zu wenigen Einsatzkräften zum Brandort. Bundesweit gilt: Acht Minuten nach der Alarmierung soll die Feuerwehr mit zehn Einsatzkräften vor Ort sein. Auf dieses sogenannte Schutzziel haben sich die Berufsfeuerwehren verständigt. Von zehn großen norddeutschen Städten, die der NDR befragt hat, erreicht nach eigenen Angaben nur Wolfsburg das Ziel in 95 Prozent der Fälle, Hannover in 90 Prozent. Besonders schlecht ist die Situation in Hamburg, Bremen und Osnabrück.

Viele Städte erreichen das Schutzziel nicht

In Hamburg kommt die Feuerwehr lediglich bei 75 Prozent der Brände schnell genug und mit ausreichend Kräften zum Einsatzort. In Osnabrück schafft sie es nur in 60 Prozent der Fälle. Die Stadt Bremen hat sogar das Schutzziel gesenkt: Anders als von der Arbeitsgemeinschaft der Leiter der Berufsfeuerwehren (AGBF) festgelegt, sollen in Bremen nicht mehr zehn Feuerwehrleute innerhalb von acht Minuten am Brandort sein, sondern nur noch acht innerhalb von zehn Minuten. Auch in Rostock, Lübeck und Braunschweig wird das Schutzziel der AGBF nicht erreicht. Kiel und Schwerin nannten dem NDR keine Zahlen.

So zuverlässig ist die Feuerwehr im Norden (Quelle: NDR Befragung Oktober 2015, Angaben der Städte)
StadtVorgabe für das Eintreffen am BrandortSchutzziel der AGBF erreicht (in Prozent)
Wolfsburg10 Feuerwehrleute in 8 Minuten95
Hannover10 Feuerwehrleute in 8 Minuten90,25
Braunschweig10 Feuerwehrleute in 8 Minuten78,5
Rostock10 Feuerwehrleute in 8 Minuten78
Hamburg10 Feuerwehrleute in 8 Minuten74,7
Osnabrück10 Feuerwehrleute in 8 Minuten60
Lübeck10 Feuerwehrleute in 10 Minuten (Schutzziel gesenkt)AGBF-Schutzziel wird nicht angewendet
Bremen8 Feuerwehrleute in 10 Minuten (Schutzziel gesenkt)AGBF-Schutzziel wird nicht angewendet
Kielkeine Angabekeine Angabe
Schwerinderzeit Umstrukturierungkeine Angabe

Zu wenig Personal: Löschzüge bleiben unbesetzt

Der Grund für die mangelnde Leistungsfähigkeit der Feuerwehr in vielen Städten ist Personalmangel. In Bremen waren in diesem Jahr laut Gewerkschaftsangaben bereits an 178 Tagen weniger Einsatzkräfte im Dienst als vorgesehen. Dadurch blieben auch Löschfahrzeuge unbesetzt. Klaus Schmitz vom Personalrat der Bremer Feuerwehr erklärt, ganze Stadtteile stünden streckenweise ohne Löschfahrzeug da: "Wir werden hier Schwerverletzte und Brandtote zu beklagen haben. Es geht um die Sicherheit der Menschen und um die Sicherheit der Kolleginnen und Kollegen."

Das sagen die Städte, die besonders schlecht abgeschnitten haben

  • Bremen

    Der Bremer Senat sieht Verbesserungsbedarf in den Randbezirken der Stadt und erklärt gegenüber dem NDR, es werde schwierig, wenn Überstunden zur Aufrechterhaltung des Dienstbetriebes zwingend erforderlich werden: "Da bei der Feuerwehr Bremen ein Missverhältnis entstanden ist, wird die Personalstärke derzeit angehoben."

  • Osnabrück

    Die Stadt Osnabrück sagte auf Anfrage, der Bau einer weiteren Feuerwache sei in Planung. "Die Stadt Osnabrück geht davon aus, dass mit der Inbetriebnahme einer zweiten Feuerwache der beschlossene Erreichungsgrad erreicht werden wird."

  • Hamburg

    Dass Einsatzstellen in Hamburg oft nicht in der vorgesehenen Zeit erreicht werden, sei unter anderem auf "krankheitsbedingte Unterbesetzung von Einsatzfahrzeugen" und "veränderte Verkehrsbedingungen" zurückzuführen, erklärt die Hamburger Innenbehörde gegenüber dem NDR.

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