Stand: 01.02.2016 20:50 Uhr

Fahrplan für bessere Luft in Städten

Hochrangige Vertreter der Automobilindustrie, der Bundesregierung und der deutschen Großstädte haben sich am Montag in Hamburg getroffen, um über den möglichen Beitrag des Autoverkehrs zu besserer Luft zu sprechen. Niemand wolle Fahrverbote, aber die Werte für Stickoxide und Feinstaub seien in vielen Städten zu hoch, sagte Hamburgs Bürgermeister Olaf Scholz (SPD) als Gastgeber der Gesprächsrunde im Rathaus.

Der Hamburger Fernsehturm im Nebel

Was tun gegen schlechte Luft?

Hamburg Journal -

Überall in Deutschlands Großstädten gibt es erhöhte Grenzwerte für Stickstoffdioxid und Feinstaub - auch in Hamburg. Politik und Automobilindustrie suchen nach Lösungen.

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Viele Städte in Deutschland haben Probleme die EU-Grenzwerte für Stickoxide einzuhalten. Insgesamt 29 Regionen müssen bundesweit mehr gegen die Luftverschmutzung tun. Im Norden ist nur Hamburg betroffen. Klar ist aber schon jetzt: Die bereits laufenden Maßnahmen, die Luft zu verbessern, werden nach Angaben des Hamburger Senats auch bei einer erneuten Ausweitung der Programme nicht ausreichen, die gesetzlichen Vorgaben in absehbarer Zeit einzuhalten.

Scholz setzt auf technischen Fortschritt

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Verkehrsminister Dobrindt, Bürgermeister Scholz und VDA-Präsident Wissmann (v. l. n. r.) sind sich einig: Die Luftverschmutzung ist nach wie vor in vielen Städten zu hoch.

Nach Ansicht von Scholz sind Innovationen der Schlüssel zur Verbesserung der Lebensqualität in den Städten. Das gelte auch für den Verkehr. Damit in Zukunft keine Verbots-Szenarien im Zusammenhang mit der Luftreinhaltung entstünden, müsse der Anteil der emissionsarmen und emissionsfreien Fahrzeuge drastisch gesteigert werden. "Wir können gemeinsam zum Gelingen beitragen, wenn wir auf den technischen Fortschritt setzen und gleichzeitig für optimale politische Rahmenbedingungen sorgen, die für die Umsetzung notwendig sind. Die Bundesregierung, die Automobilhersteller und die Städte sind die richtigen Partner dafür."

Mehr Elektroautos im Stadtverkehr

Das Ziel von Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ist mehr Mobilität mit weniger Emissionen. "Das erreichen wir durch saubere Antriebstechnik. Wir fördern die Elektromobilität als Schlüsseltechnologie und forcieren den Ausbau der Lade-Infrastruktur in ganz Deutschland." Mit dem Elektromobilitätsgesetz hätten die Kommunen die Möglichkeit bekommen, Elektroautos im Stadtverkehr zu privilegieren - etwa durch Sonderspuren oder kostenfreies Parken. Nun müssten sie diese Möglichkeiten auch nutzen. Besserer Verkehrsfluss bedeute weniger Staus und weniger Abgase.

VW-Chef Matthias Müller sprach sich deutlich gegen Fahrverbote sowie die Verschärfung von Umweltzonen aus. Mit intelligenter Technik sei das Auto nicht nur Teil des Problems, sondern vor allem Teil der Lösung. Um Elektroautos durchzusetzen, brauche man allerdings eine funktionsfähige sichtbare Infrastruktur, sagte Müller. Das sei die Voraussetzung dafür, dass bei den Kunden das notwendige Vertrauen in die Elektromobilität wachsen könne.

Grüne Welle gut für die Luft

Der Straßenverkehr ist nach Angaben des Umweltbundesamtes für rund ein Drittel der Stickoxid-Emissionen in Deutschland verantwortlich, Diesel-Pkw für etwa ein Zehntel. "Der Diesel spielt also eine relevante Rolle, wenn auch nicht die alleinige", sagte der Präsident des Verbandes der Automobilindustrie (VDA) Matthias Wissmann. "Dank leistungsstarker Filter hat der Diesel schon seit etlichen Jahren kein Partikelproblem mehr. Ein moderner Euro-6-Diesel erfüllt zudem auch die anspruchsvollsten Stickoxidwerte." Wissmann sieht aber auch die kommunale Verkehrspolitik in der Pflicht. Es seien Regelungen nötig, die Staus vermeiden. In Städten zum Beispiel reduziere die grüne Welle und ein gleichmäßiger Verkehrsfluss die Stickoxid-Emission um fast ein Drittel. Zudem sollten Busse und Taxis im städtischen Verkehr durch modernste Fahrzeuge ersetzt werden.

BUND musste draußen bleiben

Die Umweltorganisation BUND demonstrierte vor dem Rathaus mit Gasmasken und Atemfiltern gegen die Luftverschmutzung. "Es ist bezeichnend, dass zu so einem Treffen Vertreter der Automobilindustrie eingeladen werden und die Verbände, die sich seit Jahren auf allen Ebenen für saubere Luft in Hamburg engagieren, vor der Tür bleiben", sagte Geschäftsführer Manfred Braasch. Bürgermeister Scholz habe immer noch nicht erkannt, dass, selbst wenn ab heute nur noch emmissionsfreie Autos zugelassen würden, es noch Jahre dauern würde, bis die Stickoxidgrenzwerte der europäischen Union auch in Hamburg eingehalten werden könnten. Nur Verkehrsbeschränkungen könnten kurzfristig Abhilfe schaffen.

Hamburg arbeitet an Luftverbesserung

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Luftbelastung in Hamburg

Die Daten der Luftmessstationen in Hamburg auf der Seite des Hamburger Luftmessnetzes. extern

Die Luftbelastung in Hamburg mit Stickstoffdioxid (NO2) ist nach Angaben der Umweltbehörde im vergangenen Jahr an 8 von 16 Messstationen zurückgegangen. An vier Stationen blieb der Jahresmittelwert stabil, an ebenfalls vier Stationen erhöhte er sich zumeist leicht. Insgesamt ist die Stickoxidbelastung seit 2010 im Jahresmittel um mehr als zehn Prozent gesunken. Die Hansestadt stellt seit einigen Monaten einen neuen Luftreinhalteplan auf. Unter anderem soll der Radverkehr-Anteil verdoppelt und der Hafen ökologisiert werden. Das heißt zum Beispiel mehr Umfuhren im Hafen auf dem Wasserweg statt per Lkw sowie Einstiege in Landstrom-Angebote auch für Containerschiffe.

 

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