Stand: 04.10.2015 16:14 Uhr

Erntedank im goldenen Oktober

Die Felder sind größtenteils abgeerntet, die Erträge in den Scheuern und die Landwirte können nun auch einmal kurz ihre Arbeit ruhen lassen: Bei strahlendem Sonnenschein sind am Sonntag überall im Norden Erntedankfeste gefeiert worden.

 

Mecklenburg-Vorpommern: Großer Andrang beim Gottesdienst

In Mecklenburg-Vorpommern kamen mehrere Tausend Menschen zum Landeserntedankfest in den kleinen Ort Semlow im Recknitztal. Vor dem Umzug der traditionell geschmückten Erntewagen durch die Gemeinde gab es einen ökumenischen Gottesdienst, für den ein örtlicher Kartoffelbetrieb eine Maschinenhalle gemeinsam mit den Einwohnern zur provisorischen Kirche umgestaltet hatte. Die mittelalterliche Semlower Feldsteinkirche wäre nämlich viel zu klein für den Besucheransturm gewesen. Doch selbst die Halle konnte nicht alle Gäste aufnehmen, wie NDR 1 Radio MV berichtete. Einige Dutzend Gäste konnten der Predigt vom Bischof der Nordkirche, Hans Jürgen Abromeit, deshalb nur von draußen lauschen.

Abromeit ging auf die Herausforderungen im Zuge der aktuellen Flüchtlingssituation ein. Mitmenschlichkeit und sozialer Ausgleich gebe Kraft, auch kaum lösbare Aufgaben zu meistern. Die Not in dieser Welt sei so groß, dass nur eine radikale Bereitschaft zum Teilen wirklich helfen könne, betonte der Bischof.

Bauern mit Erne zufrieden, mit Milchpreisen nicht

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Am Sonntag wurde die Erntekrone durch Semlow getragen. Bei der Feier gab es auch Kritik an den niedrigen Milchpreisen.

Die Bauern in Mecklenburg-Vorpommern verzeichneten in diesem Jahr sehr gute Ernteergebnissen, so Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD). Entgegen ersten Schätzungen zu Beginn der Getreideernte fuhren die Landwirte am Ende eine der besten Ernten überhaupt ein.

Bauernverbandspräsident Rainer Tietböhl zeigte sich im Namen seiner Mitglieder dankbar für den Ernteverlauf. "Wir hatten Glück mit dem Wetter und haben es geschafft, die Ernte gut einzubringen." Kritisch äußerte sich der Verbandspräsident über die Milchpreise. Vor wenigen Tagen hatten große Discount-Ketten angekündigt, ihre Preise für Milch anzuheben. Doch erst, wenn die Preissteigerung beim Landwirt ankomme, werde er auch dafür dankbar sein, so Tietböhl.

"Säen, ernten, danken": Festumzüge

In Hamburg-Kirchwerder fuhren 62 geschmückte Wagen beim Erntedankfest-Umzug mit, Hunderte Zuschauer verfolgten das Spektakel. Zuvor fand in der Kirche St. Severin ein ökumenischer Gottesdienst statt. Dort wurden auch die diesjährigen Ernte-Majestäten gesegnet - Königin Inken Bornhöft und ihre beiden Prinzessinnen Victoria Schering und Natalie Zboinski.

Zum schleswig-holsteinischen Landeserntedankfest unter dem Motto "Säen, ernten, danken" kamen mehrere Tausend Menschen nach Siek im Kreis Stormarn. Zum Auftakt gab es einen festlichen Umzug mit bunt geschmückten Wagen, wie NDR 1 Welle Nord berichtete. Dabei zogen die Feiernden am Morgen von der Bürgerwiese bis zum Festplatz vor die Sieker Friedenskirche.

Fehrs kritisiert Agrar-Spekulationen, Habeck Verschwendung

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Kirchen und Landwirte feiern Ernte

Dieses Jahr feiern die Nordkirche und der Bauernverband Schleswig-Holstein das Landeserntedankfest in Siek im Kries Stormarn. Dazu gehört vor allem ein großer Umzug - und der Festgottestdienst. Bildergalerie

Nach dem Umzug nahm Kirsten Fehrs, die Bischöfin im Sprengel Hamburg und Lübeck, die Erntekrone der Landjugend entgegen. Im Festgottesdienst danach sprach Fehrs in ihrer Predigt über zwei zentrale Themen: die Flüchtlinge und die Bauern. Erntedank habe von Gott her immer mit Gerechtigkeit und Teilen zu tun. Man müsse gerade jetzt hinschauen und helfen.

Deutliche Worte fand die Bischöfin auch in Bezug auf die niedrigen Milchpreise und Agrar-Spekulationen. "Eine Politik, die Agrarfabriken fördert und die kleinen Bauernhöfe vor die Hunde gehen lässt, ist kurzsichtig", sagte Fehrs. Das gleiche gelte für "eine Politik, die es zulässt, dass Finanzmarkt-Spekulanten auch hier in Norddeutschland ganze Landstriche aufkaufen, während junge Landwirte, die einen Acker kaufen wollen, leer ausgehen."

Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) bezeichnete es in einem Grußwort als ethischen Skandal, dass in Deutschland jedes Jahr Millionen Tonnen Lebensmittel verschwendet würden. "Wurst wird weggeschmissen, weil ihr eine Pistazie fehlt, die Zucchini nicht verkauft, weil sie zu krumm ist oder Joghurt weggeschmissen, weil er einen Tag übers Mindesthaltbarkeitsdatum ist", sagte der Minister. Den mit harter Arbeit von Bauern erwirtschafteten Produkten müsse ein höherer Wert beigemessen werden.

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Landwirte feiern Erntedankfest in Semlow

04.10.2015 10:00 Uhr
NDR 1 Radio MV

Die Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern haben am Sonntag ihr Erntedankfest gefeiert: Zur 25. Ausgabe in Semlow zeigten sich die Landwirte zufrieden mit den Erträgen. mehr

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