Stand: 09.02.2016 17:32 Uhr

Elbvertiefung hin oder her: Fehler passieren!

Seit der Havarie des Containerriesen "CSCL Indian Ocean" ist die Frage nach dem Befahren der Elbe durch die Giganten der Meere wieder aufgeflammt: Den Fluss vertiefen - oder die ganz großen Schiffe zum Tiefwasserhafen JadeWeserPort nach Wilhelmshaven schicken?

Ein Kommentar von Dietrich Lehmann, NDR 90,3

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Dietrich Lehmann hält die Reaktionen aus Niedersachsen pro JadeWeserPort für ein "allzu durchsichtiges Manöver".

"Das war vorhersehbar", sagen die Kritiker des Hamburger Hafens, die schon seit Jahren vor immer größeren Schiffen warnen. "Irgendwann musste so was ja mal passieren, irgendwann musste ja mal ein Riesenfrachter auflaufen": Niedersachsens Umweltminister Stefan Wenzel von den Grünen sieht die Grenzen des Hamburger Hafens erreicht angesichts von Schiffen wie der "Indian Ocean".

"Das war vorhersehbar, dass jetzt gleich wieder eine Debatte über die Elbvertiefung losgetreten wird", sagen der Hamburger Wirtschaftssenator Frank Horch und - auch das vorhersehbar - die Hamburger Hafenmanager. Die Wirtschaft der Hansestadt nutzt den gestrandeten Frachter denn auch gleich, um zum wiederholten Mal für die Elbvertiefung zu werben.

Aufs Krisenmanagement war Verlass

Aber jetzt bitte mal alle Maschinen - Entschuldigung -, alle Reflexe auf Stopp! Taugt der Unfall der "Indian Ocean" denn überhaupt, um eine alte Debatte über das Für und Wider von immer größeren Schiffen, über Pro und Contra Elbvertiefung neu zu befeuern?

Wenn man sich die bislang bekannten Fakten anschaut: nein! Die "Indian Ocean" gehört natürlich mit ihren 400 Meter Länge zu den größten Schiffen der Welt. Und auch zu den neuesten, vielleicht zu den sichersten. Technik kann immer und überall versagen, meint der Ältermann der Elblotsen, Ben Lodemann. Entscheidend sei, wie man darauf reagiert, wie das Krisenmanagement klappt. Und da muss man den Lotsen, dem Havariekommando, den eilig aus den Niederlanden angeforderten Schiffsbergern ein Kompliment ausstellen. Auch ohne funktionierende Ruderanlage bekamen die Lotsen die "Indian Ocean" an einer Stelle zum Stehen, an der sie keinen Schaden nahm - und keinen Schaden für Umwelt und den Schiffsverkehr anrichten konnte. Der Hamburger Hafen war eben nicht abgeschnitten. Und ohne Zwischenfälle, ohne Umweltschäden ist die "Indian Ocean" auch wieder freigekommen.

Norddeutsche Zusammenarbeit ist vonnöten

Das soll nicht heißen, dass es nichts zu verbessern gibt. Es ist schließlich ein Unding, dass jedes Schiff, das aus der Nordsee in den Hamburger Hafen will, mit drei Bundesländern plus dem Bund zu tun hat, ergo mit vier Verwaltungen. Erst wenn ein Unfall passiert ist, darf mit dem Havariekommando eine übergreifende Einrichtung aktiv werden. Warum denn eigentlich nicht schon früher? Echte norddeutsche Zusammenarbeit ist hier dringend notwendig.

Auch JadeWeserPort ist vor Unglücken nicht gefeit

Niedersächsische Politiker - neben Umweltminister Wenzel auch Wirtschaftsminister Olaf Lies, im Gleichklang mit den Umweltverbänden - machen sich jetzt für ihren Tiefwasserhafen stark, den JadeWeserPort in Wilhelmshaven. Ein allzu durchsichtiges Manöver. Das Ruder einer "Indian Ocean" hätte schließlich auch vor der Einfahrt nach Wilhelmshaven ausfallen können. Oder im Hafen selbst.

Wenn Technik versagt, wenn Menschen Fehler machen, dann ist das immer ein Problem. Egal, vor welchem Hafen. Und auch egal, wie tief die Elbe ist.

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NDR Info | Kommentare | 09.02.2016 | 17:08 Uhr