Stand: 06.06.2017 16:12 Uhr

DLRG: Immer weniger Kinder können schwimmen

An einem heißen Sommertag ist ein Ausflug zum Schwimmbad oder ans Meer oft das Einzige, das Erfrischung bringt. Doch der Sprung ins kühle Nass ist besonders für die Jüngsten eine ernstzunehmende Gefahr. Mindestens jeder zweite Grundschüler ist kein sicherer Schwimmer. Das hat eine Forsa-Umfrage ergeben, die die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) am Dienstag in Hannover vorgestellt hat.

"Seepferdchen" reicht nicht

77 Prozent der Grundschüler haben laut der Umfrage zwar das "Seepferdchen" absolviert, doch das reicht nicht, meint die DLRG. Sie empfiehlt nach dem Frühschwimmerabzeichen noch das Bronze-Abzeichen zu erwerben. Dabei müssen die Kinder innerhalb von 15 Minuten mindestens 200 Meter schwimmen. Das "Seepferdchen" gebe lediglich an, dass sich das Kind auf einer Strecke von 25 Metern über Wasser halten könne. "Die meisten Eltern glauben, ihr Kind kann schwimmen, wenn es das 'Seepferdchen' hat. Das ist leider nicht so. Es kann sich gerade mal über Wasser halten", sagte DLRG-Pressesprecher Achim Wiese. Kinder könnten schnell in Panik geraten, wenn sie unter Wasser kommen oder mit der Luftmatratze aufs Meer treiben und an Land zurückschwimmen müssen.

Kommentar

Es braucht mehr Schwimm-Initiativen im Land!

In Deutschland ist der Anteil der Nichtschwimmer sehr hoch: Laut DLRG können mehr als 50 Prozent der Grundschüler nicht richtig schwimmen. Peter Mücke kommentiert. mehr

Auf dem Weg zum Nichtschwimmerland?

Wer das Schwimmen richtig gelernt hat, wird in einer brenzligen Situation nicht so schnell nervös. Das Problem: Zu einem Besuch eines Schwimmkurses haben Kinder immer seltener die Gelegenheit, weil Bäder geschlossen werden. "Wer Bäder schließt, um Kosten zu senken, handelt fahrlässig und verantwortungslos", kritisierte DLRG-Vizepräsident Achim Haag. Mittlerweile habe etwa jede vierte Grundschule keinen Zugang zu einem Bad. Deswegen fällt der Schwimmunterricht an vielen Schulen einfach aus.

Die DLRG will nun verstärkt Druck auf die Politik machen - mit einem runden Tisch, bei dem Politiker des Bundes, der Länder und den Kommunen beteiligt sind. "Es geht nicht um Schuldzuweisungen, sondern es geht um eine aufziehende Gefahr. Deswegen müssen wir versuchen, die Situation zu verbessern", sagte DLRG-Pressesprecher Wiese.

Bundesweit 537 Badetote

Für die Helfer der DLRG wirken sich miserable Schwimmfähigkeiten spürbar aus: Sie haben immer mehr zu tun. Zehntausende Lebensretter sind im Sommer an Badeseen, in Schwimmbädern und an der Küste im Einsatz, um Menschen zu helfen, die im Wasser in Not geraten sind. Dabei wären vieler dieser Einsätze gar nicht nötig, wenn es mehr sichere Schwimmer geben würde. Im vergangenen Jahr ertranken in Deutschland 537 Menschen. Das waren 49 mehr als im Vorjahr.

Bei den Erwachsenen gehen die Lebensretter der DLRG davon aus, dass bundesweit etwa ein Viertel von ihnen Nichtschwimmer oder schlechte Schwimmer sind. Die aktuelle Forsa-Umfrage, bei der bundesweit Menschen gebeten wurden ihre Schwimmfähigkeiten selbst einzuschätzen, kommt zu einem anderen Ergebnis: Nur drei Prozent der Befragten in Niedersachsen, Schleswig-Holstein, Hamburg und Bremen gaben an, nicht schwimmen zu können. Damit geht die Selbsteinschätzung vieler Menschen und die der Lebensretter von der DLRG weit auseinander.

Weitere Informationen
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Zahl der Nichtschwimmer nimmt zu

06.06.2017 19:30 Uhr
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Die Zahl der Nichtschwimmer nimmt laut einer Studie des DLRG immer weiter zu, weil der erforderliche Schwimmunterricht fehlt. DLRG-Pressesprecher Thorsten Erdmann zur Situation in MV. Video (03:53 min)

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Immer mehr Kinder können nicht schwimmen - für ein Land zwischen den Meeren ein untragbarer Zustand. Das größte Problem: zu wenig Schwimmbäder, zu wenig Schwimmlehrer. (31.05.2017) mehr

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Was gibt es Schöneres als einen Sprung ins kühle Nass? Nicht viel. Aber Vorsicht ist geboten. Um tragische Badeunfälle zu vermeiden, geben Rettungsschwimmer der DLRG Tipps. mehr

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Wie entstand die DLRG?

14.08.2014 15:55 Uhr
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Jedes Jahr sterben mehrere hundert Menschen bei Badeunfällen. Dass es nicht sehr viel mehr sind, ist der DLRG zu verdanken: der Deutschen Lebensrettungsgesellschaft. Audio (03:46 min)

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 06.06.2017 | 10:45 Uhr

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