Stand: 07.03.2016 17:23 Uhr

Anschlag auf Flüchtlingsheim: Fünf Jahre Haft

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Die Beschuldigten hatten die Taten gestanden.

Im Prozess um den Brandanschlag auf ein Flüchtlingsheim in Groß Lüsewitz (Landkreis Rostock) sind die beiden Angeklagten zu Haftstrafen von fünf Jahren verurteilt worden. Die Richter am Landgericht Rostock sahen es als erwiesen an, dass die beiden 25 und 26 Jahre alten Angeklagten im Oktober 2014 zwei Brandsätze auf das Haus geworfen hatten. Zu der Verurteilung wegen versuchten Mordes und versuchter schwerer Brandstiftung kam es nach einer Absprache der Prozessbeteiligten. Die beiden Männer hatten zuvor Geständnisse abgelegt. Der Vorsitzende Richter betonte, die Angeklagten hätten aus einer ausländerfeindlichen Gesinnung heraus und in ideologischer Verblendung gehandelt. Positiv bei der Strafzumessung sei die sichtbare Reue der Täter und deren Entschuldigung bei den Hausbewohnern bewertet worden.

Opferanwalt begrüßt Urteil

Opferanwalt Peer Stolle begrüßte das Urteil. Das Gericht habe ausländerfeindliche und rassistische Motive festgestellt, sagte Stolle. Obwohl die Rechtssprechung hier eindeutig sei, gebe es immer noch Staatsanwaltschaften, die bei solchen Taten nur wegen versuchter schwerer Brandstiftung ermitteln. Das Urteil auch wegen versuchten Mordes sei ein deutliches Zeichen, wie solche Taten verfolgt werden müssen, betonte Stolle. Die Anwältin eines der Täter sagte, das Urteil sei als Ergebnis eines Deals akzeptabel. "Das Gericht hat zuvor unmissverständlich klargemacht, dass für den Fall des Nachweises des versuchten Mordes mit drei Mordmerkmalen ohne ein Geständnis eine Freiheitsstrafe von mehr als zehn Jahren im Raum gestanden hätte."

Heimtückische Tat aus fremdenfeindlichen Gründen

Das Gericht blieb mit dem Strafmaß nur knapp unter der Forderung der Staatsanwaltschaft, die fünf Jahre und zwei Monate Haft für die Angeklagten gefordert hatte. Die Anklage sah drei Mordmerkmale erfüllt. Die Männer hätten heimtückisch gehandelt, da sie die Tat vorbereitet hatten und den Anschlag nachts verübten. Außerdem hatten sie Molotow-Cocktails hergestellt und damit gemeingefährliche Mittel genutzt. Zudem handelten die 25 und 26 Jahre alten Männer aus niederen Beweggründen, da ihr Motiv für die Tat Ausländerfeindlichkeit war.

Angeklagte gestehen Anschlag

Die Angeklagten hatten eingeräumt, dass ihnen bewusst gewesen sei, dass durch die Brandsätze Menschen zu Schaden kommen konnten. Dies sei ihnen jedoch egal gewesen, da sie bei der Tat betrunken gewesen seien. Das Duo bat zudem um Entschuldigung. Sie bereuten die Tat und seien froh, dass nicht mehr passiert sei.

38 Flüchtlinge in der Unterkunft

Die Männer hatten in der Nacht zum 12. Oktober 2014 zwei Brandsätze auf die Flüchtlingsunterkunft geworfen. In dem Haus schliefen zu diesem Zeitpunkt 38 Flüchtlinge, darunter 18 Kinder. Das Gebäude war zur Tatzeit eingerüstet. Am Baugerüst zerschellte der Anklage zufolge ein Molotow-Cocktail und setzte ein Fenster in Brand. Ein zweiter Brandsatz fiel auf eine Wiese vor dem Gebäude. Ein Sachverständiger hatte im Prozess erklärt, dass das Haus vermutlich lichterloh gebrannt hätte, wenn ein Brandsatz ins Innere gelangt wäre.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.03.2016 | 17:15 Uhr