Stand: 22.03.2016 17:25 Uhr

Anschläge in Brüssel: Die Rolle der Sozialen Medien

von Annika Bertram

Die Anschläge in Brüssel lösen auch auf den Social Media Plattformen Entsetzen aus. Die Menschen melden sich zu Wort, äußern sich bestürzt und traurig und drücken ihr Mitgefühl mit den Opfern aus. Informationen werden ausgetauscht und Bilder geteilt. Auch das belgische Krisenzentrum rief dazu auf, soziale Medien zu nutzen, um Freunde oder Angehörige zu kontaktieren.

Facebook bietet Sicherheits-Check an

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Der "Safety-Check" von Facebook zeigt an, welche Kontakten des Profils "in Sicherheit" sind.

Der brüsseler Flughafen-Betreiber wies auf die Möglichkeit hin, über Facebook Informationen über die Situation von Angehörige zu erhalten: "Der Facebook Safety Check ist aktiv. Nutzt ihn, um mitzuteilen, dass es Euch und Euren Freunden gut geht." Über den "Safety Check" können User sich informieren, ob es ihren Facebook-Freunden gut geht. Wer in Brüssel lebt, kann sich selbst als "in Sicherheit" markieren". Eine Übersicht zeigt, welcher der befreundeten Facebook-Nutzer aus dem betroffenen Gebiet sich über den "Safety-Check" gemeldet hat.

Hilfe und Organisation via Twitter

Auf Twitter wird sogar Hilfe angeboten: Unter dem Hashtag #OpenHouse bieten Belgier Schlafplätze an für die Menschen, die durch die Sperrung des Metro-Netzes und die Abriegelung der betroffenen Stadtteile in Brüssel festhängen und nicht nach Hause kommen. Man liest dort zum Beispiel "If you’re stuck in Brussels, we have a sofa" oder "Stranded in #Brussels? Ping me if you need a place to stay". So kann sich jeder melden, der gerade nicht weiß wohin, und auf ein Dach über dem Kopf hoffen.

"Pis & Love" - Kreativer Umgang mit Nationalsymbolen

Besonders auffällig ist auch der gestalterische und symbolische Umgang mit Bildern und Karrikaturen in den Netzwerken. Viele User posten Fotos von Pommes, gerne in Mittelfingeroptik, oder färben ihr Profilbild in den belgischen Nationalfarben Schwarz, Gelb und Rot. Auch Manneken Pis - urinierende Brunnenfigur und wahrzeichen der Stadt - und Tim und Struppi, die ebenfalls aus Belgien stammen, werden umgestaltet und in neue Kontexte gesetzt. Die bronzene Jungenfigur, der sich normalerweise im Zentrum Brüssels erleichtert - pinkelt nun auf einen Sprengsatz. Das Motto: "Pis & Love". Andere beziehen sich auf die Figur und schreiben trotzig "Still pissing". Auch gefaltete Hände werden unter dem Hashtag #PrayForBrussels gepostet. Außerdem erscheinen Illustrationen, Karrikaturen und als Referenz an die Solidarität zu den Opfern des Anschlags auf die Redaktion von "Charlie Hebdo" im Januar 2015 der Schriftzug "Je suis Bruxelles" oder auch "Je suis Pommes".

Mit Pommes, Comics und Collagen gegen den Terror

Reaktionen von Politikern und Prominenten

Die Hashtags #Brüssel oder auch #Bruxelles dienen wiederum den meisten, um neue Informationen zu verbreiten oder Beileid und Entsetzen auszudrücken. Auch Politiker, Künstler und Schauspieler melden sich hier zu Wort. So schreibt der SPD-Europaabgeordnete Udo Bullmann "Brüssel ist das Symbol der europäischen Demokratie - Zusammenhalt das Gebot der Stunde." Der ZDF Korrespondent in Brüssel, Stefan Leifert, hat relativ früh getwittert "Flughafen und Metro. Zur Hauptverkehrszeit. Mehr ins Herz kann man #Brüssel nicht treffen." Bernd Ulrich, der Leiter des Politikressorts der Zeit schrieb: "Es ist bei allem echten Entsetzen nicht leicht, die aufkommende Routine herunter zu würgen" und der iranische Cembalist Mahan Esfahani hat auf seiner Facebookseite eine längere Stellungnahme veröffentlicht. Er schreibt unter anderem, normalerweise sei der Geburtstag von Bach - der gestern war - ja ein fröhliches Ereignis, aber im Augenblick passiere so viel: 13. März Anschläge in Ankara, 19. März in Istanbul und heute Brüssel. "Es gab so viel Tod und Zerstörung und Hässlichkeit", schreibt er. Aber auch Bach habe viel Zerstörung und Verzweiflung gesehen und mit seiner Musik dem etwas entgegengesetzt. Und deshalb findet Esfahani, dass er als Musiker nicht nur die Möglichkeit, sondern auch die Pflicht habe, sich mit dem Erschaffen von Neuem und Schönen dem rückwärtsgewandten und zerstörerischen Verhalten von Terroristen entgegenzustellen. "Wenn hässliche Menschen uns davon abhalten, die Schönheit zu einem Teil unseres Alltags zu machen, dann haben sie gewonnen."

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