Stand: 23.04.2017 06:00 Uhr

Aller Einstieg ins Berufsleben ist schwer

von Katja Scherer, NDR Info Wirtschaftsredaktion

Die erste Bewerbung schreiben, den ersten Job finden, die erste Beförderung erhalten: Der Berufseinstieg ist stets mit vielen Hoffnungen und Sorgen verbunden - und verläuft sehr unterschiedlich. Schon die Berufswahl selbst kann eine echte Herausforderung sein.

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Jonas Hippel hat über Umwege zu der richtigen Ausbildung gefunden.

Für den 28-jährigen Jonas Hippel war lange Zeit völlig unklar, wie es nach der Schule weitergeht und für welchen Beruf er sich entscheiden soll: "Schon die Fragen danach fand ich ziemlich anstrengend. Ich habe es lange vor mir hergeschoben, mich damit auseinanderzusetzen", sagt er.

Lehramtsstudium aus Bequemlichkeit

Heute studiert er Öffentlichkeitsarbeit an der Fachhochschule (FH) Kiel im vierten Semester. Ein Ziel, das er erst auf Umwegen erreicht hat. Nach seinem Abitur 2010 entschied er sich zunächst für ein Lehramtsstudium - den Beruf, den auch seine Eltern ausüben: "Alle meine Freunde und auch mein Bruder haben studiert und ich hatte ein ganz gutes Abitur. Deswegen war für mich klar: Ich studiere auch. In dem Moment habe ich überhaupt nicht über eine Ausbildung nachgedacht. Das Studium war für mich eine reine Bequemlichkeitsentscheidung."

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Beratung kam erst später

Allerdings was es für Jonas Hippel die falsche Entscheidung, wie er schon im ersten Semester feststellte. Er entschied sich, abzubrechen. Erst dann begann er, sich richtig zu informieren - auf den Internetseiten der Bundesagentur für Arbeit und bei der Berufsberatung. Schließlich entschied er sich für eine Ausbildung zum Werbekaufmann: "Für mich war klar, dass ich keinen Anzug tragen will bei der Arbeit. Unterwegs sein und Leute kennenlernen, das hat für mich schon immer eine Rolle gespielt."

Die Ausbildung schloss er mit Auszeichnung ab: 2014 wurde er vom AGA-Unternehmerverband zum Azubi des Nordens gewählt. Dennoch ließ ihm das abgebrochene Studium keine Ruhe: Nach eineinhalb Jahren im Beruf beschloss er, es ein zweites Mal zu versuchen - und schrieb sich an der FH Kiel ein.

Berufswahl nach Bauchgefühl

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Nicht umfassende Information, sondern Orientierung an dem sozialen Umfeld entscheiden oft bei der Berufsfindung, beobachtet Berufsberater Stefan de Greef.

Ein solcher Zick-Zack-Weg sei keine Seltenheit, sagt Stefan de Greef, Berufsberater bei der Arbeitsagentur Hannover. Rund 8.700 Bachelor-Studiengänge und 300 Ausbildungsberufe gibt es in Deutschland - eine Auswahl, die viele überfordere. Statt nach Vernunft entscheiden sie dann nach Bauchgefühl, sagt de Greef: "Ich beobachte, dass sich manche Kids an den Normen, Werten und Vorstellungen aus ihrem sozialen Umfeld orientieren: Zum Beispiel: "Mein Freund studiert in Göttingen, dann gehe ich da auch hin." Das ist natürlich alles andere als eine eigenständige, selbstbewusste Entscheidung.

Trend zur Akademisierung hält an

Dazu kommt der Trend zur Akademisierung: Im vergangenen Wintersemester waren an deutschen Hochschulen rund 2,8 Millionen Studierende eingeschrieben - knapp eine Million mehr als noch vor zehn Jahren. "Ich glaube, dass diese gesellschaftliche Ebene ein wesentlicher Einflussfaktor ist", sagte Stefan de Greef. "Lange Zeit galt - und heute immer noch: Akademiker zählen auf dem Markt. Egal, ob zu ihnen ein Studium passt oder eine betriebliche Ausbildung."

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Berufseinstieg auf Umwegen

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Mutter und Vater waren Lehrer, also war für Jonas Hippel klar: Auch er möchte Lehrer werden. Er fing an zu studieren, doch das war die falsche Entscheidung, wie er schnell merkte. Audio (02:49 min)

Viele Studienabbrecher

Viele Schulabgänger treffen ihre Entscheidung also eher unreflektiert - und werden dann enttäuscht. Nach Angaben des Deutschen Zentrums für Hochschul- und Wissenschaftsforschung brechen mittlerweile rund ein Drittel aller Bachelor-Studierenden ihr Studium vorzeitig ab.

Jonas Hippel ist froh, seinen Weg nun endlich gefunden zu haben. Noch zwei Semester liegen vor ihm, dann will er sich bewerben. Sein Traum ist es, in der Kommunikationsabteilung eines internationalen Unternehmens zu arbeiten.

NDR Info Serie: Von Einsteiger, Aufsteigern und Absteigern in der Arbeitswelt

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Dieses Thema im Programm:

NDR Info | Wirtschaft | 24.04.2017 | 07:41 Uhr

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