Stand: 02.11.2016 10:09 Uhr

Hinter den Kulissen des NDR Hörspiels

von Anja Haufe

Wenn ein Hörspiel entsteht, ist das zwar nicht so aufwendig wie die Dreharbeiten für einen Film, aber es gibt ähnliche Rollen: Schauspieler, einen Regisseur und Techniker. Im NDR-Hörspielstudio in Hamburg laufen gerade die Aufnahmen für "A Young Man's Guide To Late Capitalism", ein Roman von Peter Mountford. Übersetzt heißt das sowas wie "Ein Ratgeber für junge Männer, um den Spät-Kapitalismus zu verstehen". Anja Haufe hat bei der Produktion zugesehen und -gehört.

Augenblicke der Hörspielproduktion

Wichtig sind bei diesen Aufnahmen zwei Räume: die Regie und die Sprecherkabine. In der Regie sitzt das Team an einem langen Tisch. Sie sind zu viert: der Regisseur, seine Assistentin, eine Cutterin und ein Techniker. Jeder hat ein Drehbuch vor sich liegen. Der Techniker sitzt außerdem vor einem Pult, das gut zwei Meter breit ist und voll mit Tasten und Reglern.

Miteinander reden per Knopfdruck

Der Regisseur Alexander Schuhmacher und sein Team sehen die Schauspieler durch ein großes Glasfenster. Gerade sind drei Schauspieler in der Sprecherkabine: Jörg Petzold, Anna Bederke und Lo Rivera. Ihre Stimmen hört das Team durch Lautsprecher, weil beide Räume akustisch völlig isoliert sein. Wenn Schuhmacher mit den Schauspielern reden möchte, aktiviert er die Gegensprechanlage.

Regisseur: Es ist fast perfekt bis auf diese kleine Stelle mit diesem "So toll war das Ohr ja auch nicht". Das muss einfach wirklich charmant und liebevoll kommen. Steigt da nochmal ein "Mein Ohr ist ab".

Petzold: Mein Ohr ist ab?

Bederke: Nein, nein, nicht ab, nur (Pause) anders. (Küsst ihn) Ach Gabriel. So toll war das Ohr ja auch nicht.

Petzold: Ich muss in meinem Büro anrufen.

Hedgefonds am Pranger

Sendung
mit Audio

A Young Man's Guide To Late Capitalism

02.11.2016 20:00 Uhr
NDR Kultur

Der junge Gabriel de Boya lässt sich im Auftrag eines New Yorker Hedge Fonds am Vorabend der Wahlen in Bolivien als "Undercover Journalist" nach La Paz schicken. mehr

Gabriel, die Hauptfigur, verliert also zumindest einen Teil seines Ohrs. Bei einer Explosion in Bolivien. Das Land steht im Jahr 2005 kurz vor der Wahl von Evo Morales zum Präsidenten. Gabriel arbeitet für einen Hedgefonds und will Kapital aus dem Ausgang der Wahl schlagen. Diese Story ist aus Sicht von Regisseurs Alexander Schuhmacher realistisch, Hedgefonds-Manager, die auf Staaten wetten. Finanzvampirismus nennt er das: "Wir wissen alle, wie sowas abläuft. Trotzdem macht keiner was dagegen. Und ich denke, das Wichtige ist einfach, es immer wieder aufs Tapet zu bringen und deswegen freut mich so ein Stück. Es wird nichts ändern, aber es bringt zumindest mal wieder die Chance, dass man nochmal den Kopf schüttelt."

Dieses Gefühl teilt der Regisseur mit seinem Hauptdarsteller. Der Schauspieler Jörg Petzold spricht - oder vielmehr spielt - die Hauptfigur Gabriel und erklärt auch was das Besondere an diesem Stück ist: "Eindeutig die politische Dimension".

Eine Woche sprechen - eine Woche schneiden

Das Hörspiel wird ungefähr 60 Minuten lang und die Arbeiten dauern grob geschätzt zwei Wochen. Eine Woche mit den Schauspielern, in der sie den Text aufnehmen. Und eine Woche, in der die Cutterin und der Regisseur zusammenarbeiten. Schuhmacher sucht dann Musik und Geräusche heraus, um Szenen lebendig zu gestalten.

Wie das Hörspiel "A Young Man's Guide To Capitalism" klingt, wenn der Regisseur es komplett arrangiert hat, das hören Sie auf NDR Kultur am 2. November.

Weitere Informationen

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Hörspiele und Feature regen an, regen auf, unterhalten und informieren. Eine Übersicht des aktuellen Hörspiel und Feature Angebots im NDR finden Sie in der Rubrik Radiokunst. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Klassisch unterwegs | 02.11.2016 | 17:20 Uhr

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