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Plattdeutsch

Für alle, die Plattdüütsch snacken oder es lernen wollen. mehr

Hintergrund
Blick auf das Wattenmeer und einen Priel an der deutschen Nordseeküste. © picture-alliance / OKAPIA Fotograf: Oswald Eckstein
 

Die Geschichte der plattdeutschen Sprache

Alles über die Entwicklung der Sprache - auf Hochdeutsch und auf Plattdeutsch. mehr

 

Hintergrund

Plattdeutsch lernen an norddeutschen Schulen

von Inken Schröder, NDR.de
Kinder tragen "Ik snak Platt"- T-Shirts. © dpa picture alliance Fotograf: Jens Büttner Um die plattdeutsche Sprache vor dem Aussterben zu bewahren, soll sie auch im Schulunterricht einen festen Platz bekommen. Einige Hamburger Schulen unterrichten Niederdeutsch bereits als eigenes Fach.

Mit der Vermittlung der Sprache Niederdeutsch war es an Schulen im Norden lange Zeit so: Jedes Bundesland vermittelte die Sprache nach eigenem Ermessen - Bildung ist Ländersache. Einige Schüler konnten Platt von zu Haus, andere nicht, in der Schule wurde gesungen, es wurden plattdeutsche Gedichte gelernt - in der einen Schule mehr, in der anderen weniger.

Seit in Deutschland im Jahr 1999 die Europäische Charta der Regional- und Minderheitensprachen in Kraft trat, ist es mit der Freiwilligkeit ein Stück weit zu Ende. Die norddeutschen Bundesländer gingen mit der Unterzeichnung konkrete Ziele und Verpflichtungen ein. Ziel der Charta ist es, Minderheitensprachen, wie das Niederdeutsche, vor dem Aussterben zu schützen und ihren Gebrauch unter anderem in Schulen und Medien auszuweiten. Dazu gehört ein umfangreicher Maßnahmenkatalog und die Unterzeichnerstaaten verpflichten sich, diese zu einem gewissen Anteil umzusetzen.

Eine Sprache ist wertvoll

Die Unterschrift unter einen Vertrag wie die Europäische Charta ist die eine Seite - entscheidend ist, dass sich das Bewusstsein durchsetzt: Die niederdeutsche Sprache ist ein wertvolles Kulturgut. Wenn sie vor dem Aussterben bewahrt werden soll, muss etwas getan werden. Bildung ist nach wie vor Ländersache, jedes Bundesland ist eigenverantwortlich in der Art und Weise, Niederdeutsch zu lehren. Nur dass es überhaupt geschieht, ist nicht mehr freiwillig. Kontroll-Gremien wie der Bundesrat für Niederdeutsch überprüfen die Umsetzung in den Schulen, in regelmäßigen Abständen gibt es einen Staatenbericht. Ein Sachverständigen-Ausschuss des Europa-Rates bewertet die Umsetzung des Maßnahmenkatalogs.

Wie sieht die Praxis in den einzelnen Bundesländern im Norden aus?

Niedersachsen: Plattschnacker bevorzugt

Lehrerein Maike Wiegmann mit Schülern im Plattdeutsch-Unterricht  an einer Hamburger Grundschule © NDR / Inken Schröder Fotograf: Inken Schröder Detailansicht des Bildes Plattdeutsch-Unterricht in Hamburg: Lehrer mit Niederdeutsch-Kenntnissen werden vielerorts bevorzugt eingestellt. Das Kultusministerium hat zum 1. August 2011 den Erlass "Die Region und ihre Sprachen im Unterricht" herausgebracht. Dort heißt es, Niederdeutsch gehöre zum Bildungsauftrag des Niedersächsischen Schulgesetzes. Die Schüler sollen fähig werden, "ihre Wahrnehmungs- und Empfindungsmöglichkeiten sowie ihre Ausdrucksmöglichkeiten unter Einschluss des Niederdeutschen zu entfalten". Verwiesen wird in diesem Erlass auch auf die Europäische Charta. Das Sprachenlernen und die Sprachanwendung finden integrativ im Fachunterricht statt, Plattdeutsch gibt es nicht als eigenes Fach, die Sprache wird quer in allen Fächern vermittelt.

Seit dem laufenden Schuljahr gibt es eine Neuerung: Schulen, die sich besonders verdient machen um Sprachbegegnung und Spracherwerb, kann der Titel "Plattdeutsche Schule" verliehen werden. "Wir freuen uns auf viele Bewerbungen", so Corinna Fischer, Sprecherin des Kultusministeriums. Ebenfalls neu: Kenntnisse oder Zertifizierungen in Niederdeutsch können im Einstellungsverfahren für Lehrkräfte ein bevorzugtes Einstellungskriterium sein.

Schleswig-Holstein: Lehrplanbausteine und Berater

Schleswig-Holstein richtet sich nach einem Erlass des Bildungsministeriums, der die "hohe Verantwortung für das Kulturgut Niederdeutsch" betont. Die Schulen im Land verpflichten sich sowohl dazu, Niederdeutsch in den Unterricht einzubeziehen, als auch die Fähigkeit zu fördern, Niederdeutsch zu sprechen.

Schleswig-Holstein bietet - ebenso wenig wie Niedersachsen und Mecklenburg-Vorpommern - Niederdeutsch nicht als eigenes Fach an. Der Unterricht wird in alle geeigneten Fächer integriert.

Eine Arbeitsgruppe aus Lehrern und Personen, die sich für die niederdeutsche Sprache einsetzen - unter anderem des Schleswig-Holsteinischen Heimatbundes - haben so genannte Lehrplanbausteine ausgearbeitet. Außerdem gibt es ein Beraternetz, das sich unter anderem um Fortbildungen kümmert. Neben einer Landesfachberaterin hat jeder Kreis einen Kreisfachberater.

Mecklenburg-Vorpommern: Qualifizierung der Lehrer

Der Ministeriums-Erlass, wonach das Land die Schulen verpflichtet, "Niederdeutsch zu pflegen und zu bewahren", existiert auch in Mecklenburg-Vorpommern. Doch das Land geht einen eigenen Weg, setzt stärker als die anderen Nord-Bundesländer auf eine Qualifizierung der Lehrkräfte. "Bei uns ist es nicht so, dass ein Lehrer, der Platt kann, eben auch noch Platt unterrichtet", so Susanne Bliemel, Landesbeauftragte für Niederdeutsch. "Unser Weg ist: erst die Qualifizierung, dann der flächendeckende Unterricht." 2006 startete erstmals ein dreijähriger Zertifizierung-Kurs für Lehrer, der mit einem Abschluss endet, der gleichwertig zu einem Beifach-Abschluss an der Universität ist. Inzwischen gibt es an die 100 Platt-Lehrer, die innerhalb ihrer ursprünglichen Fächer auf die Einbeziehung des Plattdeutschen achten. Die Anerkennung des Niederdeutschen als eigenes Fach ist nicht geplant. "Außerdem arbeiten wir an einem Landessprachplan Niederdeutsch, wo von der Kita bis zur Uni durchdekliniert werden soll, was das Land für den Spracherhalt tut", so Bliemel. Neben der Landesbeauftragten für Niederdeutsch hat auch jedes der vier Schulämter einen eigenen Niederdeutsch-Beauftragten.

Hamburg: Platt als Unterrichtsfach

Hamburg hat seit dem Schuljahr 2010/11 einen neuen Weg eingeschlagen und Niederdeutsch als eigenes Fach anerkannt. Neben Mathe oder Sport steht jetzt auf dem Stundenplan vieler Grundschüler "Niederdeutsch". Dabei geht es ausdrücklich um Spracherwerb, nicht allein um eine Begegnung mit der Sprache. Das neue Fach wird allerdings noch nicht an allen Hamburger Schulen unterrichtet. Den Anfang machen zehn Pilotschulen im Hamburger Süden - dort, wo noch am meisten Plattdeutsch gesprochen wird. Das sind Grundschulen in Finkenwerder, Harburg, Neuenfelde, Cranz, Vierlande und Marschlande. In diesen Stadtteilen werden Lehrer mit Niederdeutsch-Kenntnis bevorzugt eingestellt.

Für alle anderen Hamburger Schulen gilt wie bisher: Die Begegnung mit dem Niederdeutschen ist Bestandteil der Bildungspläne aller Schultypen.

Reportage
Lehrerin Maike Wiegmann zeigt im Plattdeutsch-Unterricht einen Radiergummi hoch © NDR / Inken Schröder Fotograf: Inken Schröder
 

Platt macht Schule: Lütte Hamburger legen los

Wie Kinder in Hamburger Schulen Plattdeutsch lernen. mehr

Links

Homepage der Interessenvertretung Niederdeutsch.

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Das Ministerium für Bildung und Kultur informiert.

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Das Ministerium für Bildung, Wissenschaft und Kultur informiert.

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Die Behörde für Schule und Berufsbildung informiert.

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