Sendedatum: 11.02.2013 15:20 Uhr

Telemannisches Gesangbuch mit Klaus Mertens

Telemannisches Gesangbuch
von Klaus Mertens
Vorgestellt von Ulrike Henningsen

Vorgestellt von Ulrike Henningsen

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Die CD "Telemannisches Gesangbuch" ist beim Label Carus erschienen.

Egal ob man in Flensburg oder Passau, in Österreich oder Elsass-Lothringen in einen evangelischen Gottesdienst geht, eines ist überall gleich: die 535 Lieder der Stammausgabe des Gesangbuchs. Einheitliche Tonarten, Melodien und Texte machen jederzeit spontanes Mitsingen möglich.

Die Erfolgsgeschichte dieses Buchs begann im 18. Jahrhundert in Hamburg mit Georg Philipp Telemann. Er verfasste ein erstes "Fast allgemeines evangelisches Gesangbuch". 30 Lieder aus diesem Werk liegen nun in einer Ersteinspielung vor. Für dieses Projekt hat sich der Bassbariton Klaus Mertens mit Thomas Fritsch zusammengetan. Der Gambist und Barockcellist gab den Anstoß zu diesem außergewöhnlichen Projekt.

Voller Kraft und Aktualität

Georg Philipp Telemann war seit 1721 Musikdirektor und Kantor am Johanneum der Freien Reichsstadt Hamburg und zuständig für die Kirchenmusik an den fünf Hauptkirchen. Unüberschaubar viele Gesangbücher kursierten damals im deutschsprachigen Raum. Außerdem spielten viele Kantoren ihre eigenen Varianten der Choräle, sodass die ursprünglichen Melodien nur noch schwer zu erkennen waren. Keine Spur also von Einheitlichkeit - einige Kirchgänger fanden sogar, dass die Lieder durch den allzu freien Umgang mit den Tönen regelrecht verschandelt würden. Telemann wollte die Urmelodien sammeln.

Es sind Lieder, die bis heute nichts von ihrer Kraft verloren haben. Davon ist auch Fritsch überzeugt: "Nicht zu unterschätzen ist natürlich dieser ungeheure Reichtum der Texte. Wer diese Texte wahrnimmt, der wird schnell merken, dass 300 Jahre, die seitdem vergangen sind - bei manchen sind es sogar 500 Jahre - überhaupt nichts geändert haben an der Aktualität der Texte."

Eine Hamburger Erfolgsgeschichte

Mit Mertens hat Fritsch den idealen Sänger für sein Projekt gewinnen können. Schlicht und voll inniger Empfindung singt der Bariton diese alten Lieder. Telemann komponierte, wie damals üblich, nur eine begleitende Bassstimme dazu. Fritsch spielt sie auf Gambe, Cello oder Violone. Den Continuo-Part übernehmen Michael Schönheit mit Orgel oder Cembalo und Stefan Maass auf der Laute.

"Ich bin auch stolz darauf", so Fritsch, "dass wir jetzt tatsächlich eine Weltersteinspielung vorlegen können und hoffentlich auch damit deutlich machen, dass dieses Telemannische Gesangbuch nicht nur eines von vielen Gesangbüchern aus dem 18. Jahrhundert ist, sondern der wesentliche Impuls und eigentlich auch die Grundlage unseres heute existierenden einheitlichen evangelischen Gesangbuchs. Ich denke, dass die Stadt Hamburg und die Hamburger darauf stolz sein können, dass die Erfolgsgeschichte des protestantischen Gesangbuchs hier in dieser Stadt begonnen hat."

Telemannisches Gesangbuch

Verlag:
Carus

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 11.02.2013 | 15:20 Uhr

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