Stand: 12.05.2017 15:39 Uhr

Monteverdi: Geschichten von Liebenden und Kriegern

Claudio Monteverdi: Night - Stories of Lovers and Warriors
von Concerto Italiano 
Vorgestellt von Marcus Stäbler
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Wie kaum ein anderer hat Claudio Monteverdi die Farbe in die Musik gebracht.

Als "Oracolo della musica", "Orakel der Musik", wurde Claudio Monteverdi von seinen Zeitgenossen verehrt. Seine Musik hat den Weg in die Zukunft gewiesen und ihn zum überragenden Komponisten des italienischen Frühbarock gemacht. Zum 450. Geburtstag von Monteverdi am 9. Mai ist eine ganze Reihe an Aufnahmen erschienen. Das Album mit dem Titel "Night. Stories of Lovers and Warriors" mit dem Concerto Italiano unter Rinaldo Alessandrini ist unsere CD der Woche.

Farbenfrohe Musik

Der Kreuzritter Tancredi und die Kriegerin Clorinda liefern sich einen erbitterten Kampf. Sie dreschen mit Schwertern aufeinander ein. Später krachen ihre Helme und Schilder zusammen. Wir erleben das Gemetzel der verbeulten Gestalten wie in Nahaufnahme. Kein Wunder, dass die adligen Hörer des 17. Jahrhunderts erschüttert waren und mit den Tränen rangen. Solche Klänge hatten sie noch nie gehört. Claudio Monteverdi vertont die Szene plastisch und packend. Er hat wie kaum ein anderer die Farbe in die Musik gebracht - das ist in der neuen Aufnahme mit dem Concerto Italiano deutlich zu spüren.

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Rinaldo Alessandrini ist einer der gefragtesten Spezialisten der Musik von Monteverdi.

Rinaldo Alessandrini vereint Auszüge aus verschiedenen Werken von Monteverdi zu einem 70-minütigen Programm unter dem Motto "Geschichten von Liebenden und Kriegern" - eine Anspielung auf das achte Madrigalbuch des Komponisten aus dem Jahr 1638. Dort hat Monteverdi den Textausdruck auf die Spitze getrieben - etwa im berühmten "Lamento della Ninfa", der Liebesklage einer Nymphe. Drei Hirten beobachten die junge Frau und bemitleiden sie in ihrem Schmerz. Diesen Moment mit den Worten "il suo dolor" reizt Monteverdi mit ungewöhnlich scharfen Dissonanzen aus. Sie klingen in der Aufnahme wie ein Stich ins Herz. Rinaldo Alessandrini und sein Ensemble nehmen sich Zeit, um das Messer schön langsam rumzudrehen.

Die sechs Sänger und neun Instrumentalisten des Concerto Italiano sind ein eingespieltes Team und eng mit der Musik und den Texten vertraut. Sie formen und genießen die Vokale, die Konsonanten und die Betonungen der Wörter so expressiv und natürlich, wie es wahrscheinlich nur Muttersprachlern gelingt.

Aufregendes Album

Marcus Stäbler © Christian Spielmann Fotograf: Christian Spielmann

Die Rezension zum Nachhören

NDR Kultur -

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Das Album umfasst Werke von Claudio Monteverdi aus einem Zeitraum von über 50 Jahren. Während dieser Zeit hat sich der Stil des Komponisten grundlegend gewandelt; damit haben sich auch die Anforderungen an die Interpreten verschoben. In den früheren Madrigalen sind die Sänger noch vor allem als Ensemblestimmen gefragt; in den späteren Stücken treten sie verstärkt als Solisten in Erscheinung. Die Mitglieder von Concerto Italiano meistern diese Herausforderung und die Rollenwechsel souverän - auch beim technisch anspruchsvollen Stile concitato, wenn Monteverdi eine vor Erregung zitternde Stimme verlangt.

Rinaldo Alessandrini erweckt die Leidenschaft der Musik zu neuem Leben und rundet das Programm mit kurzen Ouvertüren und Zwischenspielen ab, in denen er die Farben der Historischen Instrumente leuchten lässt. Eine aufregende und zugleich sehr stimmige CD, ideal für eine Erstbegegnung mit dem Komponisten, aber auch für Monteverdi-Kenner.

Claudio Monteverdi: Night - Stories of Lovers and Warriors

Label:
naive

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 15.05.2017 | 15:20 Uhr

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