Stand: 10.03.2016 18:59 Uhr

Freiburger Barockorchester spielt Mendelssohn

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonien Nr. 3 und Nr. 4
von Freiburger Barockorchester / Pablo Heras-Casado 
Vorgestellt von Franziska von Busse

CD der Woche

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Straffe Rhythmik, klare Artikulation, swingende Bässe, ein müheloser Umgang mit komplexer Mehrstimmigkeit: Das sind die Tugenden des Freiburger Barockorchesters.

Es ist ein Trend der letzten Jahre, dass sich Originalklang-Ensembles mit ihrem Repertoire in immer jüngere Epochen vorarbeiten. Das Freiburger Barockorchester beispielsweise hat zusammen mit dem spanischen Dirigenten Pablo Heras-Casado zwei Sinfonien von Franz Schubert aufgenommen und das Violin- und das Klavierkonzert von Robert Schumann. Jetzt ist Mendelssohn dran: mit seinen zwei bekanntesten Sinfonien, der "Schottischen" und der "Italienischen". Zwei Werke, die allgemein als "typisch romantisch" gelten. Das nebelverhangene Schottland, das heitere, liebliche Italien - wie klingen Mendelssohns Reiseeindrücke aus der Mitte des 19. Jahrhunderts, wenn ein Barockorchester sich damit beschäftigt?

Ungewohnt, aber überzeugend

Wer das Einleitungsmotiv gerne als Signal versteht, sich wohlig in eine altvertraute Lieblingsmusik hineinsinken zu lassen, der ist vielleicht auf Anhieb ein bisschen irritiert. Wo kommt denn plötzlich diese Zerbrechlichkeit her? Dieser fahle, fast beunruhigende Klang?

Das Freiburger Barockorchester spielt nicht nur auf historischen Instrumenten, es ist auch viel kleiner besetzt als ein großes Sinfonieorchester. Und die Musiker versuchen gar nicht erst, eine größere Klanggewalt vorzutäuschen. Stattdessen lassen sie uns ganz nah heran: ganz nah an die Struktur der Musik, an ihre Zwischen- und Untertöne.

Straffe Rhythmik, klare Artikulation, swingende Bässe, ein müheloser Umgang mit komplexer Mehrstimmigkeit: Das sind die Tugenden des Barockorchesters. Mit ihrer Hilfe lässt Heras-Casado am Pult nicht nur neue Farben, sondern an vielen Stellen sogar eine ganz neue Dramatik und Energie in Mendelssohns Musik spürbar werden. Ungewohnt vielleicht, aber doch auch überzeugend: Denn Felix Mendelssohn war ein Komponist, der sich sehr für Musiktradition und besonders auch für barocke Musik interessiert hat. Als ganz junger Mensch hat er Fugen komponiert, später Bachs "Matthäuspassion" wiederentdeckt. Und etwas davon steckt auch in seinen Sinfonien.

Ein klarer Durchblick

Das Freiburger Barockorchester kann auch kantabel spielen. Aber die Musiker verlieren sich an keiner Stelle in naiver Schwelgerei. Der Klang bleibt schlank, das Tempo präzise, die Tongebung oft eher trocken. Einzig im ersten Satz der Italienischen Sinfonie gönnen sie sich und uns eine Ausnahme. Dieses erste Thema braucht einfach den Überschwang. Das braucht Sonnigkeit und Süße.

Mendelssohn war Anfang 20, als er seine große Europareise gemacht und seine Eindrücke musikalisch verarbeitet hat. Diese Jugendlichkeit spiegelt sich wieder im Spiel des Freiburger Barockorchesters. Mehr Biss als Schmelz, mehr Ungeschliffenheit als Gesetztheit. Dabei aber auch ein klarer Durchblick auf die außergewöhnliche künstlerische und gestalterische Fantasie des Komponisten.

Felix Mendelssohn Bartholdy: Sinfonien Nr. 3 und Nr. 4

Label:
Harmonia Mundi

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue CDs | 14.03.2016 | 15:20 Uhr

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