Stand: 19.05.2017 12:44 Uhr

Religiös bis obszön: Emojis aus dem Mittelalter

von Astrid Wulf

Buttons, diese kleinen runden Anstecker, waren ja in den letzten Jahren mal wieder sehr in. Scheinbar eine Retro-Mode aus den 80ern, wo ja auch viele mit "Atomkraft, Nein Danke" auf dem Parka rumgelaufen sind. Diese Buttons waren allerdings schon im Mittelalter angesagt. Damals hießen die allerdings "Tragezeichen" und wurden in allen Bevölkerungsschichten auch an der Kleidung oder am Hut getragen. Nun stellt das Europäische Hansemuseum in Lübeck rund 250 dieser Tragezeichen aus - teilweise mit sehr exquisiten Motiven.

Emojis mit unerforschten Geheimnissen

"Ein weibliches Geschlechtsorgan sehen wir, mit einem Schild, wo ein wenig netter ausgedrückt steht: Dieses Geschlechtsorgan reist nach Rom, wahrscheinlich zum Pilgern. Und da fragt man sich, warum man dieses weiblichen Geschlechtsorgane für diese Pilgerfahrt ausgewählt hat", erklärt der Archäologe André Dubisch, Projektleiter der Ausstellung.

Viele dieser kleinen, aus Blei-Zinn-Legierung gegossenen Anstecker geben dem Archäologen Rätsel auf. Niemand weiß so genau, wofür die filigran gearbeiteten Tiere wie Motten und Affen, Schiffe, Buchstaben, Schwerter stehen. Wahrscheinlich waren sie Glücksbringer, standen für bestimmte Berufsstände, gerade die anzüglichen und albernen Symbole sollten womöglich einfach lustig sein. So ähnlich wie Emojis, die wir in Kurznachrichten versenden, meint Dubisch.

Etwa die Darstellung eines mittelalterlichen Narrens, unter dem "Capron" auf Latein steht, was für den Narren im Mittelalter stand. Da könne man sich vorstellen, so der Archäologe, dass das eine Art Moralinstanz sei oder bedeute: "Ich bin ein Narr, ich bin ein Schelm“, wie bei unserem heutigen Emoji, der die Zunge raushängen lässt und sagt: Ich mache Blödsinn.

Erstes bildliches Massenmedium in Europa

Ausgestellt werden 250 Abzeichen aus dem 12. bis zum 16. Jahrhundert, Archäologen haben diese Tragezeichen in den Niederlanden gefunden. Auch, wenn zum Teil völlig unklar ist, was die Zeichen bedeuten, wann sie getragen wurden und ob diese Bildsprache überhaupt verstanden wurde, sind Tragezeichen für Wissenschaftler hochspannend, immerhin gelten diese Zeichen als erstes bildliches Massenmedium in Europa - noch vor dem Buchdruck.

Eine Art mittelalterliches soziales Netzwerk, sagt Projektleiter Dubisch: "Gerade in der heutigen Zeit, wo wir ja tagtäglich überflutet werden von Bildern, sei es bei Instagram, Facebook, Whatsapp, gerade heutzutage stellt sich dann die Frage, wenn man so etwas findet, dass es damals doch ähnlich gewesen sein muss."

Die kleinen Pins sind bis jetzt ein kaum erforscht. Das soll sich ändern. Deshalb veranstaltet das Europäische Hansemuseum Anfang Juni eine Konferenz mit internationalen Forschern dazu. Möglicherweise lässt sich dann ja eine Forschungslücke in Deutschland schließen.

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Religiös bis obszön: Emojis aus dem Mittelalter

Kleine Buttons - ob als Emoji oder Sticker - sind keine zeitgenössische Erfindung. Schon im Mittelalter wurden "Tragezeichen" an die Kleidung gepint. Das Hansemuseum in Lübeck präsentiert sie jetzt.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Europäisches Hansemuseum Lübeck
An der Untertrave 1
23552  Lübeck
E-Mail:
info@hansemuseum.eu
Preis:
Erwachsene 5 Euro, Ermäßigt 2,50 Euro, Kinder unter 6 Jahren freier Eintritt, 6-16 Jahre 2,50 Euro
Öffnungszeiten:
10 bis 17 Uhr (Heiligabend geschlossen)
Anmeldung:
http://www.hansemuseum.eu/museumsbesuch/
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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Matinee | 19.05.2017 | 06:00 Uhr

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