Stand: 07.12.2017 13:54 Uhr

Japanische Keramik: Sake für den Ofengeist

von Nadine Dietrich

Sehr schlicht oder besser gesagt reduziert und doch von großer Ausstrahlung - so sollten die Gefäße sein, die in der traditionellen japanischen Teezeremonie verwendet werden. Die Kunst, wie diese Tassen, Schalen und Vasen hergestellt werden, stammt aus dem 16. Jahrhundert - und nur sehr wenige Nicht-Japaner sind eingeweiht.

Einer davon ist Jan Kollwitz, ein Urenkel von Käthe Kollwitz. Von Freitag an sind seine traditionell japanischen Keramiken im Ostholstein-Museum in Eutin zu sehen. Seine Werkstatt befindet sich in Cismar bei Grömitz, dort steht auch Jan Kollwitz' ganz besonderer Ofen.

"Die Feinheiten sind Sache des Ofens"

Kollwitz: "Habe Respekt vor diesem Ofen"

Jan Kollwitz geht voran, raus aus seinem Pfarrhaus aus rotem Backstein mit weißen Holzfensterkreuzen. Unter dem Südgiebel, hinter einer fast drei Meter hohen Wand aus gestapelten Kiefernscheiten, bleibt er stehen - und verbeugt sich tief. Er trägt eine graue Woll-Kimonojacke, die Verehrung gilt seinem Ofen. "Ich habe eine Menge Respekt vor diesem Ofen", sagt er. "Einerseits brenne ich ihn seit 30 Jahren, andererseits ist es doch immer wieder ein Erlebnis, in dem ich mich ganz neu orientiere, wenn ich den Ofen brenne."

Brennen bei 1.340 Grad Celsius Hitze

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Je nachdem, wo die Gefäße im Ofen stehen, entstehen beim speziellen Brennvorgang verschiedene Farben auf den Arbeiten.

Jan Kollwitz besitzt deutschlandweit den einzigen japanischen Höhlenofen, der von einem Ofenbaumeister aus Japan errichtet wurde. Der Ofen ist begehbar, es passen 300 bis 400 Objekte hinein. Und um sie zu brennen, muss Jan Kollwitz vier Tage und vier Nächte lang alle drei Minuten ein Kiefernscheit hineinwerfen - nur so kommt der Ofen auf 1.340 Grad Celsius. "Bei dieser gewaltigen Hitze verschmilzt Flugasche, also Asche des verbrennenden Kiefernholzes mit der Tonoberfläche und bildet Glas", erklärt Kollwitz. "Teilweise liegt das Glas als Glanz über den Objekten, teilweise sieht man richtig dicke, grüne Glastropfen, die an den Gefäßen herunterlaufen. Stücke, die ganz vorne in der ersten Reihe stehen und mit der glühenden Holzkohle in Berührung kommen, die entwickeln tiefblaue Färbungen."

Keramik in japanischer Tradition aus 16. Jahrhundert

Jan Kollwitz erschafft Keramikformen - ganz in der japanischen Tradition aus dem 16. Jahrhundert: die Oberfläche ist rau, die Tonzeichnung jedes Mal einzigartig. Diese Feinheiten seien ganz Sache des Ofens, so Kollwitz. "In der japanischen Auffassung nimmt sich der Künstler zurück und versucht die Inspiration, die er aufnimmt, so unverfremdet wie möglich unter seinen Händen Gestalt annehmen zu lassen."

Ein völlig anderes Konzept als das der westlichen Künstler, die ihrem Ego Ausdruck verleihen. "Ich war neun Jahre lang Schauspieler und habe eine Menge Erfahrung gesammelt in der Welt des Selbstausdrucks. Irgendwann habe ich die Sehnsucht gespürt, eine Rückkopplung zu haben mit etwas jenseits von mir selbst - wo ich Klarheit, Kraft, Harmonie finde. Das waren für mich die Keramiken des alten Japans", erzählt Kollwitz.

Die Sache mit dem Ofengeist

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Reis, Salz und Sake: Die Gaben für den Ofengott stehen in kleinen Schalen oben auf dem Höhlenofen.

Zwei Jahre lang lernte Jan Kollwitz in den 80er-Jahren bei einem strengen japanischen Töpfermeister. Viele Worte seines Meisters begleiten ihn täglich - auch viele Rituale hat er übernommen. So stehen oben auf seinem Höhlenofen drei kleine Opferschalen mit Reis, Salz und Sake auf einem Tablett. "Mein japanischer Meister sagte, man wüsste nicht genau, ob es einen Ofengeist gäbe oder nicht. Wenn es keinen gäbe, würde es nicht stören, dort etwas hinzustellen. Wenn es aber einen gäbe, dann wäre man wirklich gut beraten, es zu tun!", erklärt Kollwitz

Kollwitz' Arbeiten stehen unter anderem in London und Jerusalem

Geschadet hat es Jan Kollwitz tatsächlich nicht: Seine Keramiken stehen heute in 25 Museen weltweit, im Schloss Gottorf ebenso wie im British Museum London und im Israelmuseum in Jerusalem. Die Arbeiten, die nun im Museum Ostholstein in Eutin zu sehen sind, waren vor vier Wochen noch in Jan Kollwitz‘ hochverehrten Ofen.

Japanische Keramik: Sake für den Ofengeist

Jan Kollwitz, ein Urenkel der Künstlerin Käthe Kollwitz, ist Meister der traditionellen japanischen Keramik-Kunst. Ab Freitag sind seine Arbeiten im Ostholstein-Museum in Eutin zu sehen.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Ostholstein-Museum
Schlossplatz 1
23701  Eutin
Telefon:
04521-788520
Preis:
5 Euro, ermäßigt 2,50 Euro, Kinder im Vorschulalter frei
Öffnungszeiten:
Mittwoch bis Freitag: 15 - 17 Uhr
Samstag/Sonntag/Feiertag: 11 - 17 Uhr
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Dieses Thema im Programm:

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