Stand: 06.06.2015 16:30 Uhr

NordArt zeigt Werke aus der Mongolei

von Claudio Campagna

Die NordArt im schleswig-holsteinischen Büdelsdorf ist eine der größten europäischen Ausstellungen für zeitgenössische Kunst. Auf dem insgesamt 22.000 Quadratmeter großen Gelände der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte sind etwa 1.000 Werke von 250 Künstlern aus 50 verschiedenen Ländern zu sehen. Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Mongolei.

Rundgang mit Kurator Wolfgang Gramm

Chefkurator Wolfgang Gramm geht die Carlshütte ab. Der Boden in Halle 1 ist mit Kies bedeckt. Gleich am Eingang befinden sich zwei rechteckige, unterschiedlich große Wasserbecken. Ähnlich wie im Gericht des antiken Athen, können die Besucher hier mit schwarzen und weißen Steinen für Ja oder Nein stimmen. “Die Auszählung findet dann am Enden statt. Nur niemand sagt, wann das Ende ist. Und wofür man abstimmt, weiß man auch nicht.“, erklärt Wolfgang Gramm.

Entdeckungen im Skulpturenpark

Tausende Gemälde, Plastiken und Installationen hat Wolfgang Gramm mit seinem Team im vergangen Jahr gesichtet. Die ausgewählten Werke lassen sich nun in dem weitläufigen Skulpturenpark und den Hallen der ehemaligen Eisengießerei besichtigen. Die hellen Gebäude mit ihren Betonwänden und rostigen Metallstreben besitzen einen stimmungsvollen Industrie-Charme.

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Die zehn Meter lange Stahlguss-Skulptur "Festmahl" des chinesischen Künstlers Lv Shun lässt viele Deutungsmöglichkeiten zu.

Der Kurator bleibt schmunzelnd stehen: "Wenn ich geradeaus gucke, dann sehe ich ein Festmahl, an dem keine Menschen sitzen, sondern Schweine." Den tafelnden Figuren dieser Riesen-Stahl-Skulptur ist offensichtlich ganz kannibalisch wohl; betrunken und übersatt hängen sie über einem zehn Meter langen Tisch. "Das lässt sich doch in alle Richtungen interpretieren. Was ist das nun? Ein Festmahl? Eine Politversammlung? Vielleicht noch Anklänge an Da Vincis Abendmahl. Aber wer genau hinschaut, stellt dann fest: Das hat überhaupt nichts damit zu tun. Schon die Anzahl der teilnehmenden Personen ist völlig unterschiedlich." Beurteilt Gramm die Skulptur.
Auch die Fotos im chinesischen Pavillon erschließen sich erst auf den zweiten Blick: "Wenn man das da hinten so sieht, dann sieht das im ersten Moment aus wie eine typische chinesische Tusche-Zeichnung. Beim dichter Herangehen stellt man fest: Das ist eine Stadtlandschaft, das moderne China. Oder hier: Chinesische Kinder, die da brav auf dem Sofa sitzen, mit gleichen Hosen, gleichen Schals. Wenn man genauer hinschaut, sieht man: Das sind Kinder mit Down-Syndrom."

Aller Anfang ist klein

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Johanna Ahlmann hat das Projekt NordArt von Anfang an begleitet.

Als kleines Projekt hat die NordArt angefangen. Das Unternehmerehepaar Ahlmann wollte ein bisschen Kunst in ihren Betrieb ACO Haustechnik holen. Daraus entstand ein regelmäßiger Künstler-Treff mit kleineren Ausstellungen. Dann erwarb die Firma das Carlshütten-Areal. "Seit der Zeit haben wir nicht nur ein Gelände, was wir im Unternehmen gut gebrauchen konnten, sondern auch eine viel größere Möglichkeit, Kunst zu präsentieren. Die Carlshütte hat sich mittlerweile als interessantes Ausstellungsgelände für Künstler aus der ganzen Welt etabliert. Mit einem Künstler hat es angefangen, in diesem Jahr sind es 250 aus 50 Ländern", sagt Johanna Ahlmann. Zusammen mit ihrem Mann ist sie Gastgeberin für inzwischen an die 70.000 Besucher. Und nicht nur Kunst findet man in der Carlshütte. Günter Grass und Siegfried Lenz haben hier schon gelesen. Beim Schleswig-Holstein Musik Festival wird Martin Grubinger in der Halle spielen.

Schwerpunkt Mongolei

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Der deisjährige schwerpunkt der NordArt ist die Mongolei. Reisekisten erinnern an die Tradition des Nomadenvolks.

Schwerpunktland der NordArt ist in diesem Jahr die Mongolei. Viele der Werke nehmen Bezug auf die Reitertradition des Nomadenvolkes. In einer Nische hängt eine Art Mobile aus Steigbügeln, in Steinkreisen liegen bemalte Reisekisten. "In diesen Kisten ist auch ein bisschen was verstaut, was man dann so braucht," erklärt Wolfgang Gramm. "Wurzelwerk und Musikinstrumente und sogar ein Gewehr."

Eine "Venedig-Biennale des Nordens"

Weiter geht es, vorbei an der surrealistischen Video-Inszenierung einer russischen Künstlergruppe, an überdimensionierten Schwarzweiß-Porträts, in die Kürbiskerne und Schilfgräser eingearbeitet sind, und an rotlackierten, ineinander verschmolzenen Riesenbuchtstaben. Auf dem Hof schleift Nando Àlvarez eine runde Marmorskulptur glatt. In die Mitte hat er ein wellenförmiges Loch geflext. "Ich arbeite immer mit dem Wellen-Thema. Ich stelle gerne diese Bewegung dar, der Wellen, des Wassers", beschreibt der Künstler seine Arbeit. Der Spanier gehört zu einer Bildhauergruppe, die seit einem Monat auf dem NordArt-Gelände lebt und arbeitet.

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Gheorghi Filins Skulptur besteht aus Fragmenten des menschlichen Körpers, die an antike Statuen erinnern.

Auch Gheorghi Filin ist Teilnehmer dieses Symposiums. Ein Kran stellt gerade seine Skulpturen auf. Fragmente des menschlichen Körpers, die an antike Statuen erinnern. Der Bulgare lebt seit einigen Jahren im italienischen Carrara. Deshalb arbeitet er nur mit dem edlen Carrara-Marmor. Und die NordArt weckt bei ihm auch italienische Assoziationen: "Die haben mich eingeladen. Aber so groß hatte ich mir die Ausstellung nicht vorgestellt. Das ist ja wie eine Venedig-Biennale des Nordens."

Die inzwischen 17. NordArt im Kunstwerk Carlshütte in Büdelsdorf ist bis zum 4. Oktober 2015 geöffnet. Die NordArt lobt zwei Preise aus. Der Hauptpreis ist mit 10.000 Euro dotiert; der Publikumspreis mit je 1.000 Euro für die beliebtesten drei Künstler.

Die NordArt 2015

NordArt zeigt Werke aus der Mongolei

Kunst in der ehemaligen Eisengießerei Carlshütte: Die NordArt präsentiert Werke von 250 Künstlern aus 50 Ländern in Büdelsdorf. Schwerpunkt ist in diesem Jahr die Mongolei.

Art:
Ausstellung
Datum:
Ende:
Ort:
Kunstwerk Carlshütte
Vorwerksallee 3
24782  Büdelsdorf
Telefon:
04331 - 354 695
Preis:
12 €/ ermäßigt 9 €
Öffnungszeiten:
Dienstag bis Sonntag (inkl. Feiertage), 11-19 Uhr
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