Stand: 18.03.2016 14:05 Uhr

Linda Perthen: Inspirationen auf einen Blick

von Sebastian Welzel
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Linda Perthen hat einen der Nachwuchs-Kunstpreise erhalten.

Sie sind jung, talentiert und aus unserem Land - die Preisträgerinnen des Kunstpreises für Nachwuchskünstler aus Mecklenburg-Vorpommern. Einer der mit 1.000 Euro dotierten Förderpreise geht an Linda Perthen. Eine Künstlerin, die den Nachwuchsstatus eigentlich schon ein bisschen hinter sich gelassen hat.

Linda Perthen schließt die schwere Tür zum Gemeinschaftsatelier auf. Die schmale blonde Frau hat hier im Berliner Stadtbezirk Wedding seit ein paar Wochen ihren eigenen Platz zum Arbeiten. Fast jeden Tag kommt sie für ein paar Stunden her. Das Atelier ist ein fast leerer heller Raum mit großen Fenstern, am Rand stehen ordentlich sortiert einige Leinwände. Die 34-Jährige kocht sich erst einmal eine Tasse Tee und stellt sie auf den aufgeräumten Schreibtisch: "Künstlerkataloge habe ich hier", erzählt sie. "Oder Zeitschriften, wo man erst mal drin liest, oder man hört erst mal Radio und kommt so erst mal ins Arbeiten rein."

Linda Perthen mag Inspirationen auf einen Blick

Was immer die junge Künstlerin aus Zeitschriften, von Fotos, Skizzen oder Eindrücken inspiriert, wandert an die Wand. Dort schlägt das Herz der Kreativität: "Zitate von meinem Lieblingsautor oder eine neue Filmidee. Ich habe es immer im Überblick und habe eine gute Übersicht. Ich bin nicht jemand, der ein Skizzenbuch hat, weil man da immer blättern oder wieder zurückblättern muss. So habe ich alles auf einmal im Blick."

Ordnung und Überblick sind wichtig für Linda Perthen. Dass Künstler chaotisch seien, hält sie für einen weit verbreiteten Irrtum. Auch ihr Leben braucht viel Organisation. Die gebürtige Neubrandenburgerin arbeitet inzwischen an zwei Orten. Ihr Atelier ist in Berlin, ihr Geld verdient sie aber vor allem in Neustrelitz. Dort unterrichtet sie Kunst und Philosophie am Gymnasium: "Damit man eben nicht abhängig von Stipendien ist", sagt sie. "Man bekommt ja nicht immer ein Stipendium oder einen Förderpreis, sondern dass man für sich selber sorgen kann, ist mir wichtig."

Unterrichten, was ihr am Herzen liegt

Ihre eigenen Arbeiten bespreche sie mit den Schülern nicht, lächelt sie. Trotzdem spiele ihr Leben als Künstlerin eine Rolle im Unterricht. Sie könne nie ein Fach unterrichten, das ihr nicht am Herzen liege: "Immer, wenn ich neue interessante Ausstellungen gesehen habe oder auch in der Zeitung einen Künstler interessant finde, dann bringe ich das natürlich mit ein. Ich versuche auch immer, mit den Schülern rauszugehen, um Ausstellungen zu besuchen und auch zeitgenössische aktuelle Kunst zu besprechen. Das finde ich sehr wichtig."

Die Ideen kommen ihr unterwegs

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Die Künstlerin hat ein Atelier in Berlin (Raumansicht).

Jeden Tag ist Linda Perthen mit dem Zug zwischen Neustrelitz und Berlin unterwegs. Ohnehin reist sie gern, Riga, Prag, Köln, sie findet viele Ideen beim Unterwegssein. Auch auf ihr aktuelles Projekt ist sie eher zufällig gekommen. Eine Serie von Zeichnungen: blassfarbig, strukturierte Blätter, auf die sie selbst mit klarem Strich zeichnet: "Da habe ich Pralinenschachteln eingescannt und ganz groß aufgezogen. Man erkennt die Schachtel an sich nicht mehr, aber die Strukturen sind interessant, weil sie wie eine Haut oder wie Stoff wirken. Das ist mein Ausgangsmaterial, auf das ich zeichnerisch reagiere, indem ich eine Figur oder ein Element dazusetze. Das ist auch die erste Serie, wo ich jetzt wieder figürlicher zeichne", erklärt die Künstlerin ihre Arbeit.

Nicht auf eine Technik festlegen

Zeichnungen, Malereien, auch Filme gehören zu ihren Arbeiten. Digitale Elemente, Fotos oder Handyclips fließen selbstverständlich in Perthens Schaffen mit ein. Auf eine Technik festlegen will sie sich nicht. Obwohl sie ihr Studium an der Greifswalder Universität erst vor vier Jahren abgeschlossen hat, hat sie in der Kunstszene Mecklenburg-Vorpommerns bereits einen Namen, war für den Kunstpreis der Mecklenburgischen Versicherung 2014 nominiert, hatte Stipendien des Landes und des Künstlerhauses in Plüschow. Der Kunstpreis für Nachwuchskünstler ist der nächste Schritt.

Nicht ausruhen - neue Ziele stecken

"Austausch ist immer gut. Kritik ist wichtig, einfach dass man sich über seine Arbeiten unterhält. Man muss sich die ganze Zeit darum kümmern, dass der Schwung aufrechterhalten bleibt, immer wieder an sich weiterarbeiten. Man kann sich ja nicht darauf ausruhen. Man hat ja dann auch wieder höhere Ziele, die man sich steckt", sagt sie.

Linda Perthen spricht klar und selbstbewusst. Sie achtet darauf, dass es zu ihren Ausstellungen einen aussagekräftigen Katalog gibt. Der hilft bei der nächsten Bewerbung für ein Stipendium. Neue Kontakte helfen voranzukommen. Und sie weiß auch, dass es in der Kunstlandschaft Mecklenburg-Vorpommerns nicht allzu viele wie sie gibt: professionell, jung und weiblich. Umso wichtiger sei deshalb der Nachwuchspreis des Landes, sagt sie, der nicht zufällig in diesem Jahr nur an Künstlerinnen geht.

Kunstpreis MV

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 17.03.2016 | 19:02 Uhr