Sendedatum: 13.07.2015 13:20 Uhr

Welche Zukunft hat das Dorf Esplingerode?

von Wieland Gabcke

Nicht mehr viele Menschen leben in dem kleinen Dorf Esplingerode bei Duderstadt im Süden Niedersachsens. 147 Einwohner haben dem Dorf noch nicht den Rücken zugewandt. Vor hundert Jahren waren es fast hundert Bürger mehr. In zehn Jahren könnten es unter 100 Einwohner sein. Ist das kleine Dorf im Eichsfeld noch zu retten?

Abriss! Eine Lösung für Esplingerode?

Anpassung an den demografischen Wandel

Die Ortsbürgermeisterin ist Christa Kellner. Sie zeigt einige seit Jahren leer stehende Fachwerkhäuser. Zwei davon hält Kellner für hoffnungslos heruntergekommen, beim Rest ist sie optimistisch. Etwa bei der alten Fachwerkscheune in der Ortsmitte. Eine Tischlerin saniert die Scheune, so etwas geht aber nicht von heute auf morgen, sagt Kellner. Die Ortsbürgermeisterin begrüßt das Engagement für alte Häuser im Dorf, langfristig gebe es aber trotzdem zwei Probleme. Auf der einen Seite gäbe es fast keine Arbeitsplätze für junge Menschen. "Die älteren Menschen, ja, die sterben nun mal leider weg". An diesen demografischen Wandel muss man sich anpassen, sagt der Göttinger Demografieforscher Ulrich Harteisen. "Wir werden kurzfristig kein Bevölkerungswachstum in größerem Maße bekommen, wir müssen mit diesem 'Weniger' umgehen". Denn je weiter ein Dorf von einem Oberzentrum, etwa einer Kreisstadt, entfernt sei, desto stärker sei der Bevölkerungsrückgang. Die Infrastruktur dünne aus, Immobilien ständen leer, sagt Harteisen. Die Lösung für dieses Problem sieht der Demografieforscher in einem Abriss, um wieder Baugrund zu schaffen.

Mobilität und Internet müssen gegeben sein

Um die Lebensqualität auf dem Dorf zu sichern, sei es auch wichtig, für Mobilität zu sorgen. Ein gut ausgebauter Nahverkehr ist von Nöten, damit Dorfbewohner zum Arbeitsplatz kommen oder einkaufen können. Hier müsse vor allem die ältere Generation auf dem Dorf unterstützt werden, ist Harteisen überzeugt. "Wenn ich überwiegend noch ältere Menschen hab, dann muss ich Versorgungsstrukturen für diese Menschen zunächst mal in den Vordergrund rücken". Setze sich die Abwanderung der jungen Generation fort, könne der Leerstand weiter zunehmen. Kein Grund zur Schwarzmalerei, meint Demografieforscher Harteisen, der ländliche Raum habe auch Stärken: die Ruhe, das Nachbarschaftliche, die Sicherheit - das hätten niedersachsenweite Befragungen in Dörfern gezeigt. Darauf sollten sich die Dörfer besinnen, meint Harteisen. Gerade auch, um für Unternehmen attraktiv zu sein. "Wichtig ist sicherlich, dass eine gute Internetanbindung da ist, dann kann das Dorf vielleicht ein kreativer Raum sein in dem man Ruhe und Experimentierfreude ausleben kann".

Ein Patentrezept für den ländlichen Raum gebe es nicht, jedes Dorf sei individuell, sagt Harteisen. Esplingerode sei zum Beispiel durch seine Nähe zu Duderstadt attraktiv. Deshalb ist Ortsbürgermeisterin Kellner auch optimistisch, aus dem kleinen Dorf etwas Positives zu machen und es erhalten zu können. Einen kleinen Hoffnungsschimmer gab es schon im vergangenen Jahr: Dreizehn neue Anwohner sind nach Esplingerode gezogen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 13.07.2015 | 13:20 Uhr

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