Stand: 09.12.2016 11:34 Uhr

Geburtstagskisten: Konsumterror oder Segen?

von Thomas Samboll

Wer anderen ein kleines Geschenk machen möchte, der kann dies auf ganz unterschiedlichen Wegen tun. Eine Möglichkeit, die gerade bei Kindern sehr beliebt ist, sind sogenannte Geburtstagskisten, die zum Beispiel von Spielzeugläden angeboten werden. Der Vorteil: Sie können die Geschenk-Auswahl erheblich erleichtern. Doch es gibt auch Kritik an dieser Art des Schenkens.

Bild vergrößern
Manchmal stapeln sich bei Sandra Faust bis zu 40 Geburtstagskisten im Spielzeugladen in Hamburg-Eppendorf.

Bei Moritz liegt ein schicker, roter Rennwagen in der Kiste. Mia hat sich einen Experimentierkasten ausgesucht, mit dem sie Urzeitkrebse züchten kann. Und bei Leandro lugt ein Lego-Bagger aus der durchsichtigen Plastik-Box hervor. Alle drei haben bald Geburtstag. Und natürlich ganz viele Wünsche. Damit ihre Gäste nicht so lange überlegen müssen, haben Moritz, Mia und Leandro im Spielzeugladen "Domino" in Hamburg-Eppendorf eine Geburtstagskiste gepackt. Inhaberin Sandra Faust erklärt, wie das funktioniert: "Im Prinzip ist es wie Hochzeitstische bei Hochzeiten. Die Kinder können, bevor sie Geburtstag haben, etwa so ein, zwei Wochen vorher, zu uns kommen und ihre ganzen Sachen, die sie gerne zum Geburtstag geschenkt bekommen möchten, in eine Kiste packen. Dann kommen die eingeladenen Kinder hierher und können sich aus der Kiste etwas aussuchen, was sie schenken möchten."

Vorteile für das beschenkte Kind

Bild vergrößern
Die künftigen Geburtstagskinder suchen Geschenke aus, die meistens nicht mehr als je zehn Euro kosten.

Eine Idee, die offenbar richtig gut ankommt. Manchmal stapeln sich bis zu 40 Kisten, sagt Faust. Damit auch wirklich alle Wunsch-Geschenke darin Platz haben, gibt's die Plastik-Boxen in unterschiedlichen Größen. Die Kleineren sind etwa so groß wie drei Schuhkartons. Paul hat auch mal solche Geburtstagskisten vollgepackt - früher, als er noch kleiner war. Was der 11-Jährige an den Wunschboxen so toll findet? "Man kann sich einfach selber aussuchen, was man möchte!" In der Regel sollten die Geschenke aber nicht teurer sein als zehn Euro, betont Pauls Mutter Anne, die den kostenlosen Geburtstagskisten-Service für eine große Erleichterung hält: "Das Kind hatte sich manchmal gar nicht groß geäußert. Es blieb eine Überraschung, weil sie ja nicht wissen, was von den Sachen ausgesucht wird. Also ich finde die toll!"

Kritik an dem Trend

Das finden aber offenbar nicht alle Eltern. Johanna und Ole stöbern gerade mit ihrem kleinen Sohn Bo in den Regalen nach einem Geburtstagsgeschenk. Von den Boxen hält Ole wenig. Er findet diese Art des Schenken unkreativ: "Ich finde es ein bisschen zu einfach. Da muss man sich ja gar keine Gedanken mehr machen, was man schenken möchte. Auch für die Kinder ist die Überraschung gar nicht mehr so groß, wenn dann quasi jeder Wunsch erfüllt." Sind Geburtstagsboxen also lieblos oder gar Konsumterror? Oder machen sie das Schenken leichter und verhindern Enttäuschungen? Für Paul ist die Sache klar. Heute sucht der 11-Jährige lieber selber was aus für seine Kumpel. Aber die Geburtstagskisten, die er immer bis oben hin vollgepackt hatte, waren doch auch irgendwie cool. Ein bisschen wie riesengroße Wundertüten.

Weitere Informationen

Zu Weihnachten Zeit verschenken

Eine Einladung zu einer Spielerunde oder ins Konzert als Alternative zu materiellen Geschenken: So kann man auch Erwachsenen eine Freude machen und die Umwelt schonen. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 09.12.2016 | 11:54 Uhr

Mehr Kultur

49:29

Folge 2828: Stich ins Herz

13.12.2017 08:10 Uhr
NDR Fernsehen
47:55

2563: Der Weg ins Glück

13.12.2017 07:20 Uhr
NDR Fernsehen