Stand: 10.10.2016 10:03 Uhr

Haithabu: Stadt der Wikinger

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Im 10. Jahrhundert lebten etwa 1.000 Menschen in Haithabu.

Aus Skandinavien brachen im 8. Jahrhundert Seefahrer in ferne Länder auf: die Nordmänner oder Wikinger. Mit ihren schnellen, seetüchtigen Langschiffen erreichten sie Russland, England, Frankreich und sogar Amerika. Sie trieben Handel, waren aber auch als Krieger und Eroberer gefürchtet - 845 etwa hinterließen sie ihre Spuren in Hamburg, als sie die Stadt plünderten und niederbrannten.

Haithabu - Größtes Handelszentrum Nordeuropas

Viele Wikinger ließen sich auch in den eroberten Gebieten nieder und lebten dort friedlich als Bauern oder Handwerker. Ihre wichtigste Siedlung entstand in Haithabu an der Schlei - einem strategisch gut gewählten Ort. Durch den Meeresarm war Haithabu mit der Ostsee verbunden, über die Befestigungsanlage Danewerk und die Treene mit der Nordsee, außerdem trafen hier wichtige Fernhandelswege aufeinander. In ihrer Blütezeit im 10. Jahrhundert war Haithabu das größte Handelszentrum Nordeuropas und mit einer Fläche von 24 Hektar so groß wie das damalige Köln. Ein halbkreisförmiger Wall, der noch heute gut zu erkennen ist, sicherte die Stadt nach außen. Etwa 1.000 Einwohner lebten hier, hinzu kamen zahlreiche Gäste, vor allem Kaufleute, die sogar aus Arabien anreisten.

Schmuck aus der Wikingersiedlung Haithabu

Haithabu: Archäologen graben Schmuck aus

Schleswig-Holstein Magazin -

In der ehemaligen Wikingersiedlung Haithabu bei Schleswig sind Archäologen nach Jahrzehnten wieder am Schürfen - und sie können bereits die ersten Schätze präsentieren.

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Handwerker und Händler

Die Wikinger in Haithabu waren Händler und Handwerker, sie stellten unter anderem Tuch, Kämme und Werkzeug her und beherrschten die Schmiedekunst, wie Funde zeigen. Mit den einfachen Mitteln der damaligen Zeit fertigten sie Schmuck und begehrte Waffen. Ein Wikinger-Schwert gehörte zum Wertvollsten, was ein Mann damals besitzen konnte. Die besten Stücke waren an Knauf und Parierstange mit Silber verziert, die Klingen gehärtet. Die Schmuckstücke waren vielfältig: Neben Gewandnadeln wurden zum Beispiel Amulette in Form germanischer Thorshämmer oder christlicher Kreuze gefertigt - ein klares Indiz dafür, dass die Abnehmer auch aus anderen Gebieten kamen und die heidnischen Wikinger geschäftstüchtig und tolerant waren.

Schleswig beerbt Haithabu

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1066 wurde Haithabu niedergebrannt und vollständig aufgegeben.

Im Jahr 1066 endete die Geschichte von Haithabu mit einer Katastrophe. Schon mehrfach hatten Feinde die Stadt angegriffen und gebrandschatzt - der Handelsplatz verlor zunehmend an Bedeutung. Nun wurde Haithabu von slawischen Angreifern niedergebrannt und musste vollständig aufgegeben werden. Eine andere Siedlung, nur drei Kilometer entfernt, übernahm Haithabus Erbe: Schleswig. Bis heute zeugt ein Halbkreiswall, ursprünglich Teil der Befestigungslanlage Haithabus, von der einst so bedeutenden Siedlung. Die Wikinger verschwanden als Volk der Geschichte. Aber sie leben in ihren Nachfahren weiter: in Island und Grönland, auf den Shetland-Inseln, in Russland, Skandinavien und auch in Schleswig-Holstein.

Die Welt der Wikinger im Museum

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Im Wikinger-Museum können Besucher in die Welt der Wikinger eintauchen. Ein Höhepunkt der Ausstellung ist neben interessanten archäologische Fundstücken wie Runensteinen, Schmuck und Waffen das imposante königliche Langschiff aus der Wikingerzeit. Allerdings ist das Museum momentan nicht zu besichtigen: Es bleibt bis Frühjahr 2018 wegen dringender Sanierungsarbeiten geschlossen. Die rekonstruierte Siedlung im Freigelände bliebt aber weiterhin zugänglich. Mit sieben Häusern und Hafenanlage ermöglicht sie einen spannenden und lebendigen Einblick in Alltag und Kultur der Bewohner Haithabus vor mehr als 1.000 Jahren.

Karte: Wikinger Museum Haithabu

Dieses Thema im Programm:

Schleswig-Holstein Magazin | 31.05.2017 | 19:30 Uhr

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