Stand: 29.10.2010 17:15 Uhr

Fritz Reuter - Ein plattdeutscher Bestsellerautor

von Britta Probol

Jugendjahre und Haft

"Wat den einen sin Uhl is, is den annern sin Nachtigall." Fritz Reuter, "Ut de Franzosentid"

Schulisches Desinteresse, Studienabbruch, jahrelange Gefängnisaufenthalte und dazu noch ein Alkoholproblem - eine bürgerliche Vorzeigekarriere sieht anders aus. Trotzdem wurde aus Fritz Reuter einer der bedeutendsten Norddeutschen des 19. Jahrhunderts: Mit Mitte 40 schaffte er nach einigen Wirrungen den Durchbruch zum Erfolgsautor. Und das, obwohl er in niederdeutscher Mundart schrieb. Millionen von Lesern in München, Wien, selbst am Nordkap und in Übersee kennen seine mecklenburgischen Typen wie Gutsinspektor Bräsig oder den Lausebengel Hanne Nüte. In Hunderten von Auflagen und in elf Sprachen sind seine Bücher erschienen - nur nicht als Übersetzungen ins Hochdeutsche: Das ließ Reuter nicht zu.

Zur Juristerei nicht geboren

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Jahrelang weiß Fritz Reuter keine rechte Bestimmung für sein Leben.

Heinrich Ludwig Christian Friedrich Reuter, genannt Fritz, kommt am 7. November 1810 im Rathaus von Stavenhagen im Norden der Mecklenburgischen Seenplatte zur Welt. Sein Vater ist Bürgermeister, zugleich Stadtrichter und ein umtriebiger Unternehmer. Fritz teilt sein Zuhause mit einer jüngeren Schwester und zwei verwaisten Vettern, bis der Vater ihn 1824 auf die Gelehrtenschule in Friedland und danach auf das Gymnasium in Parchim schickt. Glorreich sind seine Leistungen nicht. Lieber malt und zeichnet der Junge, der schon als 15-Jähriger den Tod der Mutter verarbeiten muss.

Metternichsche Demagogenverfolgung

Im 19. Jahrhundert ist Deutschland noch immer ein Flickenteppich von Fürstentümern und Freien Städten. Der Adel klammert sich an seine Macht. Durch die "Karlsbader Beschlüsse" wird 1819 auf Betreiben von Fürst Metternich ein System aus Bespitzelung und Pressezensur installiert, um die gerade an den Universitäten erblühenden Ideen von Demokratie, Freiheit und Einheit zu ersticken.

Die künstlerischen Neigungen des Filius sind dem Vater ein Dorn im Auge. Gezwungenermaßen ergreift Fritz Reuter 21-jährig ein Jurastudium. In Rostock trifft man ihn allerdings eher in geselliger Runde zechend als im Hörsaal oder Studierzimmer. Um des Vaters langem Arm zu entkommen, wechselt er ein Jahr später nach Thüringen an die berühmte Universität Jena, die Keimzelle der burschenschaftlichen Bewegung. "Ehre, Freiheit, Vaterland!" Für diese Werte begeistert sich der Mecklenburger Jung und schließt sich gleich der radikal-republikanischen Burschenschaft "Germania" an. Zur damaligen Zeit ein Kapitalverbrechen.

Jahre in Festungshaft

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Nach diversen Haftstationen zwischen Magdeburg und Graudenz landet Reuter 1839 in der mecklenburgischen Festung Dömitz.

Die Polizei findet den aus Jena geflohenen Freigeist am 30. Oktober 1833 in Berlin und kerkert ihn ein. In Räumen, die so feucht sind, dass "einem die Stiefel, die man nicht zufälligerweise an den Füßen hatte, vermoderten", wartet Reuter auf seinen Prozess. 1837 erfährt er das Todesurteil wegen Hochverrats, wird aber gleich darauf zu 30 Jahren Festungshaft begnadigt. Insgesamt sieben Jahre, in denen er sich mit mancher "Buddel Win" tröstet und die ihm später reichlich Stoff für Erzählungen liefern, sitzt der Stavenhagener in unterschiedlichen Haftanstalten ein. Dann amnestiert der frisch gebackene Preußenkönig Friedrich Wilhelm IV. die politischen Gefangenen.

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | ZeitZeichen | 12.07.2014 | 19:05 Uhr

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