Stand: 21.01.2014 15:40 Uhr  | Archiv

Seit 1974 unter Schutz: Das Wattenmeer

Die Nordsee als Müllabladeplatz, schwindende Pflanzen- und Tierbestände, Touristen, die gedankenlos Dünenzonen zerstören: Die Schutzbedürftigkeit des Wattenmeers wird im Laufe der 60er- und 70er-Jahre immer offensichtlicher. Am 22. Januar 1974 reagiert die schleswig-holsteinische Landesregierung darauf mit einem Schritt, der den Naturschutz im Norden ein entscheidendes Stück voranbringt. Sie erklärt eine Fläche von 140.000 Hektar zwischen dem Hindenburgdamm bei Sylt bis zur Halbinsel Eiderstedt zum Naturschutzgebiet. Damit setzt sie um, was Naturschützer zu diesem Zeitpunkt bereits seit Jahren fordern: einen großflächigen Schutz des schleswig-holsteinischen Wattenmeers.

Faszination Wattenmeer

Seit 1962 setzt sich der Naturschutzverein "Schutzstation Wattenmeer" für den einzigartigen Naturraum an der Nordseeküste ein. Er gründet Infozentren, gibt Schriften zum Schutz des Wattenmeeres heraus und wirbt für die Errichtung einer Schutzzone. 1968 können die Naturschützer einen ersten Erfolg verbuchen: Sie erreichen, dass die nordfriesischen Außensände Japsand, Norderoogsand und Süderoogsand als Naturschutzgebiet ausgewiesen werden.

Erste Ideen für einen Nationalpark Wattenmeer

1972 präsentiert der Verein auf dem Deutschen Naturschutztag seine Ideen für die Schaffung eines Nationalparks Wattenmeer. Ein sehr fortschrittlicher Vorschlag: In Deutschland gibt es Anfang der 70er-Jahre erst einen einzigen Nationalpark - im Bayerischen Wald. Doch was unterscheidet Naturschutzgebiet und Nationalpark? Bei beiden handelt es sich um Flächen, in denen Landschaft, Tiere und Pflanzen streng geschützt sind. In Abgrenzung zum Naturschutzgebiet handelt es sich beim Nationalpark aber immer um ein großräumiges Gebiet. Zudem können sich Naturschutzgebiete in Privatbesitz befinden, während Nationalparks immer öffentlich sind.

Vom Naturschutzgebiet zum Nationalpark

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Sie profitierten vom Naturschutz: Die Seehund-Bestände in der Nordsee haben sich seit den 70er-Jahren erholt.

Nicht überall stoßen die Naturschützer mit ihren Plänen auf Begeisterung: Viele Fischer und andere Küstenbewohner sorgen sich um ihre wirtschaftlichen Existenz. Doch die Entwicklung nimmt ihren Lauf - und so bleibt die Verordnung vom 22. Januar 1974, die einen Großteil des schleswig-holsteinischen Wattenmeers unter Naturschutz stellt, nur ein Meilenstein: 1982 bringt das Landwirtschaftsministerium einen Gesetzentwurf ein, mit dem das Wattenmeer zum Nationalpark erklärt werden soll.

Es ist bereits der zweite Anlauf - ein früherer Gesetzentwurf war noch an den massiven Protesten in der Region gescheitert. Im Juli 1985 verabschiedet die Regierung das Nationalparkgesetz und schafft damit im schleswig-holsteinischen Wattenmeer den größten Nationalpark Deutschlands.

Geschichte des Nationalparks

Wattenmeer - der größte Nationalpark

Am 1. Oktober 1985 entsteht in Schleswig-Holstein der größte Nationalpark Deutschlands - zum Unmut vieler Küstenbewohner. Heute sieht die Mehrheit den Park positiv. mehr

Vom Nationalpark zum Weltnaturerbe

Die anfänglich heftigen Widerstände gegen die Schutzzone sind über die Jahre einer immer breiteren Zustimmung gewichen - die Mehrheit der Küstenbevölkerung steht heute dem Nationalpark positiv gegenüber. Eine besondere Anerkennung erfuhr der Nationalpark 2009 auch durch die UNESCO: Sie erklärte die niederländischen und deutschen Wattenmeergebiete - mit Ausnahme des zu Hamburg gehörenden Abschnitts, der erst 2011 hinzukam - zum Weltnaturerbe.

Karte: Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer
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1985: Nationalpark Schleswig-Holsteinisches Wattenmeer wird gegründet

26.05.2014 17:47 Uhr
Der NDR

Das Wattenmeer zwischen Elbmündung und dänischer Grenze wird Weltnaturerbe. Audio (00:53 min)