Stand: 13.01.2016 12:21 Uhr

Youtube - die Faszination der Clips

von Barbara Ketelhut

Was hat sich in den letzten Jahren in den klassischen Kulturbereichen wie Film und Fernsehen durch die Konkurrenz der Internet-Videoplattformen verändert? Vor allem die unter 30-Jährigen wandern ab und nutzen die Angebote aus dem Netz. Was fasziniert sie so an dieser Welt der Clips?

Lebenshilfe, Musikkurse, Schminktipps - die Videoplattform bietet vor allem der jüngeren Generation viele Inhalte.

Eigentlich ist alles ganz einfach: Auf Youtube gibt es nichts, was es nicht gibt, etwa simple Gitarrensongs, die man zur Not noch im Vollsuff spielen kann, Schminktipps und Comedy. Ein, zwei Klicks und man ist drin - in der bunten, schrillen, aber auch erschreckend normalen Welt von Youtube. Das sagen junge Nutzer über ihr Nutzerverhalten bei der Videoplattform: "Auf Youtube findet man alles, man kann sich alles auch angucken"; "Es ist schon zu meinem Alltag geworden". Inhaltlich lockt die unendliche Bandbreite: von der Recherche für Uni oder Schule über Musik bis hin zu Spielen oder Tipps. Der 13-jährige Pelle findet bei Youtube alles, was er braucht, etwa: "Videos wie 'Let's Play' oder 'Lifestyle', wenn ich Fragen habe. Zum Beispiel, wie man etwas backt oder zu irgendeinem Programm."

Nicht immer künstlerisch wertvoll

Kurze Trailer, Musik, Unterhaltungsfilme oder Comedy - mit Stars wie LeFloid, Freshtorge oder Bibi. Der amateurhafte Stil, mit wackeligen Bildern, wenigen Schnitten und blechernem Ton störe niemanden, betont Buchautor und Youtube-Experte Roman Marek: "In der Mehrheit sind es Alltäglichkeiten, um nicht zu sagen Banalitäten, die einen gewissen Unterhaltungswert haben und amüsant sind, die aber auf keinen Fall cineastischen Maßstäben genügen! Aber es gibt immer Ausnahmen, die wirklich künstlerisch oder ästhetisch wertvolles Material zeigen, oder auch Produktionen von Künstlern, die vorher schon auf dem Gebiet in anderen Medien erfolgreich waren."

Bedeutung der Jugendzeitschrift "Bravo" geschrumpft

Jeder kann und jeder darf, auch das hat der Video-Plattform den Erfolg gebracht und zum Beispiel die Jugend-Zeitschriften an den Rand gedrängt. "Bravo" war früher ein Muss. Heute hat das bunte Jugendblatt eine Auflage von 250.000 Exemplaren - während LeFloid knapp zwei Millionen Abonnenten auf Youtube erreicht. Für Medienwissenschaftler Klaus Arnold hat sich durch das Netz und die Videoplattformen einiges verschoben: "Es ist auf alle Fälle ein Massenphänomen, und besonders erfolgreich, weil Youtube Bewegtbild anbietet."

Kino versus Youtube

Damit ist es auch zu einer Konkurrenz für die klassischen Kulturbereiche Film und Fernsehen erwachsen. Vor allem die große Freiheit spricht für Youtube und überzeugt viele. Auch den 16-jährigen Kester: "Im Fernsehen gibt es immer ein festes Programm. Ein Vorteil an Youtube ist, dass man die Auswahlmöglichkeit zwischen allen möglichen Kategorien hat!" Pelle geht noch weiter: Hoffnung sieht der junge Hamburger in Zukunft nur fürs Kino. Das Fernsehen ist für ihn total out. Er sagt: "Ich glaube, dass Youtube das Fernsehen jetzt schon zum großen Teil ersetzt hat, weil man gucken kann, wann man will und was man will."

Ganz so schwarz sieht es dann doch nicht aus für das Fernsehen. Die Macher in den Sendern begreifen die Konkurrenz durch Youtube mittlerweile als Chance. So planen ARD und ZDF zum Beispiel ein Internet-Angebot für junge Leute und schon jetzt sind viele Sendungen vor ihrem Sendedatum im Fernsehen flexibel im Netz abrufbar.

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NDR Info | 13.01.2016 | 10:54 Uhr

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