Stand: 19.07.2017 14:30 Uhr

"Valerian" - viel Aufwand für eine müde Story

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten
, Regie: Luc Besson
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Luc Bessons poppiger Science-Fiction-Film "Valerian - Die Stadt der tausend Planeten" beginnt auf einem karibischen Planeten aus Sand und Meer, auf dem friedfertige menschenähnliche Wesen mit schmalen Gliedmaßen leben. Er setzt sich fort auf einem wimmeligen Planeten mit überfüllten Gassen wie auf einem arabischen Basar. Er spielt in Hightech-Kommandoraumschiffen mit metallenen Wänden und im wabernden Inneren eines Multikultiplaneten. Mittendrin zwei junge Weltraumagenten mit wechselnden Missionen und stets gleich bleibenden, immer neu durchgespielten Konfliktchen.

Drehbuch lässt Darsteller im Stich

Valerian und Laureline werden gespielt von Dane DeHaan und Cara Delevingne. Running Gag zwischen den beiden Agenten ist sein ständig hinausgezögerter Heiratsantrag an sie. Doch Dane DeHaan, diesem uncharismatischen, faden Jüngelchen, gelingt es nicht, irgendeine Art von Emotion oder gar Leidenschaft zu spielen. In manchen Momenten wirken sogar die routiniert vor sich hin blinkenden Displaylichtchen der von ihm gesteuerten Raumschiffe interessanter als er. Cara Delevingne hingegen verströmt in der Rolle der stets genervten Agentin Laureline eine interessante Grundgereiztheit. Nur leider lässt das Drehbuch sie dabei immer wieder im Stich. Etwa wenn sie irgendwelche Informationen aus drei affenartigen Spitzeln herausbekommen soll.

Teurer Film mit schwacher Story

Überhaupt: das Drehbuch. Darum hat man sich in diesem mit 200 Millionen Euro teuersten Film der französischen Kinogeschichte am wenigsten geschert. Die Handlung bleibt, gelinde gesagt, unübersichtlich und wirr. Vieles wurde von James Camerons Film "Avatar" kopiert. Letztlich geht es darum, eine fiese Verschwörung innerhalb der Weltraumkonföderation aufzudecken, und darum, den friedfertigen Bewohnern des karibischen Planeten ihre Heimat wiederzugeben. Dazwischen werden allerlei Bösewichter erledigt. Etwa ein Monsterkampfhund, der die Kollegen von Valerian und Laureline zerlegt.

Cara Delevingne als Spezialagentin in der Galaxie

Besson erliegt der digitalen Technik

Natürlich gibt es in Luc Bessons Film schöne Ideen und liebevolle Gimmicks. Etwa eine fluoreszierende Riesenqualle, die man sich wie einen Helm aufsetzt, um sich auf eine Reise durch das galaktische Gedächtnis zu begeben, oder die Einführung in die wundersame Welt des Multikultiplaneten.

Es kann einem wirklich der Kopf schwirren angesichts der vielen bunt ausgemalten, schrill wimmelnden Welten im Film "Valerian - Die Stadt der tausend Planeten", in denen hier in einer fernen Zukunft mit großen und kleinen, dicken und dünnen Raumschiffen gestartet und gelandet wird.

So schön das Gewimmel ist - insgesamt erliegt Luc Besson der Verführung der digitalen Technik. Angesichts der Möglichkeit, am Computer eine schier unbegrenzte Menge von Raumschiffen, Galaxien, Planeten und deren bunten Bewohnern zu erzeugen, hat er die älteste aller Kinoregeln ignoriert. Auch bei einem 200 Millionen Science-Fiction-Film geht es zunächst einmal darum, eine Geschichte zu erzählen.

N-JOY
mit Video

Kino-Check: "Valerian - Die Stadt der Tausend Planeten"

19.07.2017 16:20 Uhr
N-JOY

Eine gigantische Weltraumstadt gerät ins Chaos. Plötzlich müssen zwei Spezialagenten die ganze Galaxie retten. Ob sich ein Besuch im Kino lohnt, weiß die N-JOY-Film-Isa. mehr

Valerian - Die Stadt der tausend Planeten

Genre:
Science Fiction
Produktionsjahr:
2017
Produktionsland:
Frankreich
Zusatzinfo:
mit Dane DeHaan, Cara Delevingne, Clive Owen
Regie:
Luc Besson
Länge:
138 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
20. Juli 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 20.07.2017 | 07:20 Uhr

Weitere Kinoneustarts der Woche

Plötzlich schwanger - mit 49

Aus Frankreich kommt derzeit eine Welle scheinbar unbeschwerter Komödien, die aber durchaus die gesellschaftliche Realität im Blick haben, wie auch "Das unerwartete Glück der Familie Payan". mehr

Mehr Kultur

02:53

Russische Premiere für Zarenfilm "Matilda"

23.10.2017 09:20 Uhr
NDR Kultur
55:26

Jazz NDR Bigband: João Bosco & NDR Bigband

22.10.2017 22:05 Uhr
NDR Info
51:47

Hörspiel: Mein Herz ist leer

22.10.2017 21:05 Uhr
NDR Info