Stand: 01.03.2017 11:35 Uhr

"Silence": Scorsese über Zweifel und Glauben

Silence
, Regie: Martin Scorsese
Vorgestellt von Katja Nicodemus

Man muss sich als Regisseur seines Themas schon sehr sicher sein, wenn man den Zuschauer mitnimmt auf eine fast dreistündige religiöse Reise, mitten hinein in einen Glaubenskonflikt. Um 1640 machen sich zwei junge portugiesische Geistliche auf nach Japan, um einen Pater und Missionar zu finden, der angeblich dem Glauben abgeschworen hat.

Gefahrvolle Suche nach vermisstem Priester

Gefährliche Mission im christenfeindlichen Japan

Martin Scorseses Film "Silence" ist die Geschichte dieser Suche. Adam Driver und Andrew Garfield spielen die Pater Francisco Garpe und Sebastião Rodrigues. Heimlich landen sie in Japan, werden von den als Christen lebenden Einwohnern eines Dorfes versteckt. In ihrem Blick auf die ärmlichen japanischen Bauern liegt eine Mischung aus Mitgefühl und westlicher Überheblichkeit.

In der japanischen Fremde sind die beiden Geistlichen völlig auf sich gestellt. Ihre Einsamkeit wird noch verstärkt durch eine wild wuchernde Natur, durch ständigen Regen, matschige Wege. Alles scheint sich gegen sie verschworen zu haben. Hier gibt es keine Kirche, keine religiösen Symbole, an denen sich der eigene Glauben stützen könnte. Immer wieder stellt sich die Frage: Wo ist Gott?

Meditative Landschaftsaufnahmen

Videos
02:07 min

Filmtrailer: "Silence"

In Scorseses Film "Silence" begeben sich Andrew Garfield und Adam Driver als Priester auf eine riskante Reise. Im christenfeindlichen Japan suchen sie nach einem verschwundenen Glaubensbruder. Video (02:07 min)

Martin Scorseses Kamera schwelgt in der nebelverhangenen japanischen Landschaft. Sie zeigt dicht bewachsene Berge, die sanft zum Meer hin abfallen. Sie feiert die Grau- und Grüntöne einer ungezähmten Natur. Sie zeigt die abgezehrten Gesichter der Geistlichen, die Zeugen der brutalen Christenverfolgung in Japan werden. Sie erleben Folterungen, Kreuzigungen, Demütigungen. Immer stärker tritt die Ratlosigkeit auf ihren Gesichtern zutage. Die titelgebende Stille von "Silence" wird zum innerlichen Raum für die Glaubenszweifel der Protagonisten.

Auf der Flucht vor den japanischen Verfolgern nehmen die beiden Priester getrennte Wege. Pater Rodrigues fällt in dem japanischen Inquisitor Inoue in die Hände. Der hochgebildete Mann verwickelt ihn in spirituelle Dispute. Er lässt Rodrigues in einen Käfig sperren. Vor seinen Augen werden christliche Bauern hingerichtet. Würde der Pater sich von seinem Glauben lossagen, könnte er die Qualen verhindern.

Flucht und Gefangenschaft

Seit jeher steht die Beschäftigung mit dem Christentum im Zentrum von Martin Scorseses Werk. Die Filme des katholisch aufgewachsenen Regisseurs sind durchsetzt von religiösen Metaphern, Symbolen, Leitmotiven. In "Silence" wird letztlich der Sinn des Missionierens in Frage gestellt. Der abtrünnig gewordene Pater Ferreira, gespielt von Liam Neeson, bringt es auf den Punkt.

Wer hat Recht? Die japanischen Machthaber, die ihr Land mit philosophischen Argumenten und ungeheurer Brutalität vor dem Einfluss der römisch-katholischen Kirche schützen wollen? Oder ein junger Pater, der seinen Glauben fanatisch verteidigt und dafür den Tod von anderen in Kauf nimmt?

Vielleicht liegt Martin Scorseses Antwort in der spirituellen Suche von "Silence", in den rätselhaften, mystischen Naturaufnahmen. Wahre Spiritualität, das sagen uns dieser Film und seine Bilder jedenfalls, braucht keine Kirche, keine Missionare und keine Märtyrer.

Silence

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
USA, Italien, Japan, Mexiko
Zusatzinfo:
mit Liam Neeson, Adam Driver, Andrew Garfield
Regie:
Martin Scorsese
Länge:
162 Min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
2. März 2017

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | Neue Filme | 02.03.2017 | 07:20 Uhr

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