Stand: 17.03.2016 07:20 Uhr

"Herbert": Oscarreife Leistung von Peter Kurth

Herbert
Vorgestellt von Krischan Koch

Für seine Rolle als ALS-kranker Astrophysiker Steven Hawking erhielt Eddie Redmayne im letzten Jahr den Oscar. Jetzt kommt ein deutscher Film über einen an ALS leidenden Boxer: "Herbert", gespielt von Peter Kurth.

Erschütternde Diagnose

Seine großen Zeiten als Boxer hat Herbert hinter sich. Aber der einstige "Stolz von Leipzig" kann sich immer noch auf seine Fäuste verlassen. Mittlerweile trainiert Herbert den Nachwuchs und seinen Lebensunterhalt verdient er als Geldeintreiber.

Es beginnt mit einem Zittern in den Händen. Als Herbert eines Tages in der Dusche zusammenbricht und die erschütternde Diagnose ALS erhält, verliert er nach und nach die Kontrolle über seinen Körper. Herbert steht vor einem Scherbenhaufen. Seine inzwischen erwachsene Tochter hat er nicht gesehen, seit sie sechs ist, seinen Enkel kennt er nicht. Viel Zeit bleibt ihm nicht, um sein verkorkstes Leben in Ordnung zu bringen. Seiner Freundin Marlene, die er immer auf Abstand gehalten hat, offenbart er in einem schäbigen Tanzschuppen seine Krankheit. 

Oscarreife Schauspielleistung

Peter Kurth spielt das mit verschwommener Stimme und massigem, über und über mit Ankern und Segelbooten tätowiertem Körper, der im Laufe des Films langsam verfällt. Kurth hat sich intensiv auf diese Rolle vorbereitet: "Damit man dem Körper auch abnimmt, dass er Dinge tut, die er normalerweise nicht tut. Ich habe ein Vierteljahr vorher angefangen zu trainieren, ein bisschen Boxen. Ich hatte vorher nie geboxt."  

Das Drehbuch schrieb Regisseur Thomas Stuber zusammen mit dem Leipziger Schriftsteller Clemens Meyer. Und der kennt sich aus mit den Außenseitern der Gesellschaft, mit der ostdeutschen proletarischen Tristesse, die er auch in seinen Büchern beschreibt. Der Film zeigt traurig-schöne Bilder von Boxclubs, Spielotheken, verwahrlosten Plattenbausilos und blümchentapezierten Schlafzimmern. Am Ende bleibt nur der Traum von einer letzten Motorradtour durch die USA zusammen mit einem alten Kumpel (Reiner Schöne).

Ein paar Mal rutscht die Geschichte ins Sentimentale, einige Bilder wirken allzu stilisiert. Doch der gewaltige Peter Kurth füllt das immer wieder mit echtem Leben. Wie er den Verfall des Boxers im wahrsten Sinne des Wortes verkörpert, ist für den Zuschauer schwer auszuhalten. Peter Kurth macht den Film zum Ereignis. In Hollywood würde es dafür den Oscar geben.

Herbert

Genre:
Drama
Produktionsjahr:
2016
Produktionsland:
Deutschland
Zusatzinfo:
mit Peter Kurth, Lina Wendel, Lena Lauzemis
Regie:
Thomas Stuber
Länge:
109 min.
FSK:
FSK ab 12 Jahre
Kinostart:
17. März 2016

Dieses Thema im Programm:

NDR Info | 17.03.2016 | 07:20 Uhr

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