Stand: 30.12.2016 10:17 Uhr

Elbphilharmonie: Was Möbel und Musik verbindet

von Anna Novak

Bei all dem Trubel um den Großen Saal und dessen Akustik, beim spektakulären Ausblick auf die Elbe und den Hafen könnte man sie fast übersehen: die Möbel in der Elbphilharmonie. Ein Hamburger Architekturbüro hat die Möbel ausgesucht - in enger Absprache mit den Elbphilharmonie-Architekten Herzog de Meuron.

Elbphilharmonie - auch innen außergewöhnlich

Materialien, die man spüren kann

Schlicht, elegant - und ganz in Weiß gehalten stehen die Stehtische, Sitzbänke und die kleinen Tischchen in den großen Foyers. Vor zwei Jahren bekam Architekt Daniel Schöning den Zuschlag: mit seinem Büro von WRS Architekten und Stadtplaner sollte er die Inneneinrichtung der Elbphilharmonie übernehmen. Sein erster Ansatz: Hier spielt die Musik - also muss die auch mit den Möbeln zu tun haben, erklärt Schöning: "Wenn man in einem Konzert war und wieder raus geht, dann nimmt man ganz viele Sinneseindrücke mit, die auch oft im Kopf noch nachwirken: Man hört sie immer noch spielen, obwohl man schon das Konzert verlassen hat. Und das wollten wir auf Möbel übertragen. Bei Möbeln geht das natürlich nicht über Akustik, sondern über Haptik."

Eine Entscheidung gegen Klassiker

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Schöning hat sich bei der Möbel-Auswahl bewusst gegen Klassiker entschieden, sondern wollte jungen Designern die Möglichkeit geben, ihre Produkte in der Elbphilharmonie zu zeigen. Zur Unterstützung hat er sich das Hamburger Designer-Duo Eva Maguerre und Marcel Besau dazu geholt. Gemeinsam haben sie sich auf Materialien konzentriert, die man erspüren kann. Das geht am besten, "indem man Kontraste zeigt: Man stellt das eine Material neben das andere. Derjenige, der das Möbel benutzt, spürt dann mit seinen Händen, wie sich das anfühlt und nimmt im Idealfall tatsächlich eine Erinnerung mit. Das Möbel bleibt also im Kopf", so Architekt Schöning.

Tatsächlich laden die Möbel zum Anfassen und Entdecken ein, denn vieles sieht man erst auf den zweiten Blick: Die kuscheligen hellgrauen Sofaecken im Backstage-Bereich sind mit vier verschiedenen Stoffen bezogen. Die Stühle und Tische, an denen mittags in der Cafeteria gegessen werden kann, sind nicht einfach nur weiß. Sie haben verschiedene Farbtöne und bestehen aus unterschiedlichen Holzarten.

Die ursprünglichen Materialien zeigen

Materialität spielt bei der Architektur der Elbphilharmonie eine große Rolle. Alle Materialien werden dort in ihrer natürlichen Form gezeigt - nach Möglichkeit sogar komplett unbehandelt, wie etwa der helle Eichenholzfußboden, der in den Sälen und Foyers verlegt ist. Schöning und sein Team haben diese Idee auch bei der Möblierung aufgegriffen: "Dinge werden pur gezeigt, das trifft auch auf die weiße Haut aus Gips zu. Das haben wir tatsächlich auch zum Anlass genommen zu sagen: Wir zeigen echte Materialien, natürliche Materialien. Unsere Möbel sind am Ende dann tatsächlich auch aus Stein, Leder gibt es, Holz oder Glas."

Elbphilharmonie-Möbel bald zu kaufen?

Sich dem Gebäude und seiner Architektur gegenüber zurücknehmen war eine der zentralen Konzeptideen, erzählt Daniel Schöning. Dass er und seine Kollegen Eva Maguerre und Marcel Besau auch eigene Möbel für die Elbphilharmonie entwerfen würden, war daher zunächst gar nicht geplant. Weil sie auf dem Möbelmarkt aber kein Ensemble aus Stehtisch, Bank und Beistelltisch fanden, das sich für die Foyers eignete, steuerten sie ihre eigenen Ideen bei: klassische, filigrane Tischchen aus Stahl mit einer Mamorplatte und eine Sitzbank mit waschbarem Bezug. Dort werden in Zukunft viele tausend Besucher die Pause verbringen. Wer will, kann sich bald vielleicht sogar ein Elbphilharmonie-Möbelstück nach Hause holen: "Wir sind mit einem Hersteller hier aus Deutschland in Gesprächen. So wie es aussieht wird es tatsächlich so sein, dass sie mit leichten Veränderungen dann auch auf den Markt gehen", verrät der Architekt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 30.12.2016 | 06:12 Uhr

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