Stand: 28.12.2016 13:05 Uhr

Wandelbarer "Schuhkarton" mit perfekter Akustik

von Guido Pauling

Über den Großen Saal der Elbphilharmonie ist lange vor der Eröffnung schon viel geschrieben und gesendet worden. Platz für 2.100 Zuschauer, die dank so genannter "Weinberg-Architektur" rund um die Bühne verteilt sitzen - Generalintendant Christoph Lieben-Seutter sagt gleichermaßen erleichtert wie stolz: "Die Elbphilharmonie hat einen traumhaften Konzertsaal; architektonisch, aber eben auch akustisch."

Noch keine Probe im Kleinen Saal

Allzu leicht wird dabei der zweite wichtige Ort in der Elbphilharmonie vergessen: Der Kleine Saal - für Kammermusik, Liederabende, Jazz und vieles mehr.

Bild vergrößern
Tobias Rempe ist Geschäftsführer des Hamburger Streicherensembles "Ensemble Resonanz.

500 Zuhörer sollen hier Platz finden, wenn am 12. Januar das "Ensemble Resonanz" diesen besonderen Konzertraum eröffnet. "Der Kleine Saal ist das letzte ungelüftete Geheimnis der Elbphilharmonie", erklärt Tobias Rempe, "und natürlich fiebern wir dieser Eröffnung entgegen und vor allem auch der ersten Probe!"

Der Geschäftsführer des Streicherensembles, das sich "Ensemble in residence des Kleines Saals der Elbphilharmonie" nennen darf, muss damit leben, dass die Musiker noch immer nicht im Kleinen Saal proben konnten. Der Saal ist Baustelle bis kurz vor knapp. Der Pressesprecher von Hamburger Kulturbehörde und Elbphilharmonie, Enno Isermann, bleibt dennoch ganz entspannt, während er erläutert: "Wir haben eine größere Sache, die wir noch machen müssen, dass der Akustiker den Kleinen Saal, der schon toll ist, noch toller machen will, und dafür die Struktur der einen Wand nochmal verändert wird."

Letzte Änderungen für den perfekten Klang

Die Ostwand des Saals aus Eichenholz mit leicht buckliger Oberfläche könnte den Schall noch besser reflektieren, glaubt Yasuhisa Toyota - wenn einzelne Wandpaneele noch einmal abgenommen und um zehn Grad versetzt angebaut werden: "Es ist das Recht des Akustikers, Optimierungen vorzunehmen. Das Recht hat Hochtief ihm auch vertraglich eingeräumt, insofern muss Hochtief das auch tragen. Und wenn der Akustiker sagt, ich mach den guten Saal noch besser, haben wir natürlich nichts dagegen."

Bild vergrößern
Blick in den Kleinen Saal der Elbphilharmonie - hier noch im Bau.

Zumal dies die Stadt nichts kostet - es kostet nur ein paar Nerven der Musiker; und dennoch sagt Tobias Rempe vom Ensemble Resonanz: "Als wir das erfahren haben, dass wir jetzt nicht wie geplant im September schon unsere ersten Proben da machen können, das war natürlich eine Enttäuschung. Vor allem für die Musiker, die waren einfach schon richtig gespannt und haben sich darauf gefreut, jetzt schon einmal zu erfahren, wie der Saal ist und sich darauf einzuspielen. Auf der anderen Seite, als sie gehört haben, dass die Ansprüche an die Akustik des Kleinen Saals nicht geringer sind als die Ansprüche an die Akustik des Großen Saals, waren wir natürlich damit einverstanden. Wenn wir auf längere Zeit als Residenzensemble darin spielen, dann wollen wir auch, dass es so gut wie möglich ist!"

Im Vorfeld starke Nerven nötig

Architektonisch ist der Kleine Saal ein "Schuhkarton" - der sich verwandeln lässt. Sitzen die Zuschauer normalerweise aufgereiht mit Blick nach vorn zur Bühne, kann man die Bühne später auch umbauen und beispielsweise mittig platzieren.

Rückblick

Elbphilharmonie: Kleiner Saal - großer Klang?

Offiziell ist die Elbphilharmonie seit 31. Oktober fertig. Und doch laufen immer noch Bauarbeiten im Gebäude. Im Kleinen Saal werden letzte Maßnahmen für die Akustik umgesetzt. mehr

Selbst im Normalzustand beeindruckt der Saal, findet Rempe: Anfangs kannte er ja bloß Computeranimationen. "Beim Kleinen Saal die Animationen waren irgendwie anders. Als ich den Saal dann tatsächlich so erlebt hatte wie er war, war ich total begeistert. Weil bei den Animationen, ganz ehrlich, ich dachte, ja, das ist halt so ein Schuhschachtelsaal, irgendwie schön gemacht, mit ein bisschen Holz an den Wänden. Erst wenn man reinkommt und diese Struktur an den Wänden sieht, die wie gewellte Vorhänge diese Holzwände von oben nach unten fließen, dann denkt man sich: Das ist echt ein schöner Saal!, also, das war schon ein toller Moment, auf jeden Fall."

Bleibt also nur noch der - hoffentlich - tolle Moment, wenn die ersten Töne von "Release" im Kleinen Saal erklingen; einer Uraufführung von Georg Friedrich Haas. Aber auch dafür braucht es im Vorfeld starke Nerven, oder aber viel Humor, denn, so Rempe noch im Dezember: "Das Stück ist noch gar nicht fertig - um aus der Schule zu plaudern. Nein, es ist fast fertig, wir kriegen die letzten Partiturseiten in diesen Tagen und das ist auch normal."

Was halt so "normal" ist bei der Elbphilharmonie - alles ist fast fertig. Auch der Kleine Saal. Wird schon.

Hände klopfen auf rauhes Material der Elbphilharmonie.

Ensemble Resonanz spielt mit Elbphilharmonie

Rund um den Michel -

In der Elbphilharmonie werden viele Orchester spielen - das Ensemble Resonanz spielt mit ihr. Das Orchester hat das Konzerthaus auf seine ganz eigene Art getestet.

4,33 bei 6 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Dieses Thema im Programm:

NDR Kultur | 22.12.2016 | 16:20 Uhr

Mehr zu Hamburgs neuem Wahrzeichen

Elbphilharmonie - Hamburgs neues Wahrzeichen

Die Elbphilharmonie entwickelt sich zum größten Besuchermagneten Hamburgs. Hier finden Sie Informationen zu Programm und Ticket-Kauf sowie alles rund um die spektakuläre Eröffnung. mehr

Mit der Drohne durch die Elbphilharmonie

Einmal in die Elbphilharmonie - das ist jetzt möglich. Zumindest virtuell: Per Drohne kann man durch den Innenraum der Elbphilharmonie fliegen und die Plaza und den Großen Saal besichtigen. mehr

Mehr Kultur

03:34
06:59
03:02